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	<title>Nolympia 2018</title>
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		<title>Das legalisierte UV-Blutdoping</title>
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		<pubDate>Sat, 05 May 2012 09:39:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Zängl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[5.5.2012, aktualisiert 16.5.2012
“Lichttherapie” am Olympiastützpunkt
Ende Januar 2012 wurde bekannt, dass Andreas Franke, Arzt am Olympiastützpunkt Erfurt, seit 2005 30 Athleten mit Bluttransfusionen “behandelte”, wobei er das Athletenblut einer unzulässigen UV-Behandlung (“Lichttherapie”) unterzogen hat. Dies wurde bereits bei einer Polizeirazzia im Frühjahr 2011 festgestellt. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hatte je nach Quelle seit 2003, spätestens <a href="http://www.nolympia.de/2012/05/das-legalisierte-uv-blutdoping/" class="read_more">... weiterlesen >></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>5.5.2012, aktualisiert 16.5.2012</p>
<p><strong><em>“Lichttherapie” am Olympiastützpunkt</em></strong><br />
Ende <a title="Januar 2012" href="http://www.nolympia.de/chronologie/januar-2012/">Januar 2012</a> wurde bekannt, dass Andreas Franke, Arzt am Olympiastützpunkt Erfurt, seit 2005 30 Athleten mit Bluttransfusionen “behandelte”, wobei er das Athletenblut einer unzulässigen UV-Behandlung (“Lichttherapie”) unterzogen hat. Dies wurde bereits bei einer Polizeirazzia im Frühjahr 2011 festgestellt. Die Welt-Anti-<a title="Doping" href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/doping/">Doping</a>-Agentur <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span> hatte je nach Quelle seit 2003, spätestens jedoch seit 2005 jede Art von Bluttransfusionen verboten. Im Punkt M 1.1. der <em><span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span></em><em> prohibited list</em> steht explizit: “Dabei gilt jede Entnahme von Blut und eine Wiedereinbringung in die menschliche Blutbahn als <a title="Doping" href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/doping/">Doping</a>, wenn sie rote Blutzellen enthalten” (Burkert 9.2.2012).<br />
Die Nationale Anti-<a title="Doping" href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/doping/">Doping</a>-Agentur <span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span> wusste ebenfalls seit der Polizeirazzia von den Vorwürfen, die erst im Januar 2012 zum öffentlichen Thema wurde (wdr.de 30.1.2012; Burkert 30.1.2012; ders. 31.1.2012).<br />
<em></em></p>
<p><span style="font-weight: bold; font-style: italic;">Sport-Justiz</span><br style="font-weight: bold; font-style: italic;">Die juristischen Sportmühlen mahlten langsam. “Acht Monate, nachdem eine Razzia der Ermittler in seiner Praxis und im Olympiastützpunkt Thüringen eine brisante Patientenliste zutage förderte, … fordert nun <a title="DOSB" href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/dosb/"><span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span></a>-Präsident <a title="Thomas Bach" href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/bach-thomas/">Thomas Bach</a>, ‘so schnell wie möglich reinen Tisch zu machen’. Bach urteilte beim Neujahrsempfang des Deutschen Olympischen Sportbundes, man habe &#8220;in diesen Tagen die Nachricht erhalten, dass ein Arzt offensichtlich oder möglicherweise verbotene Dopingpraktiken an Sportlern angewendet hat’” (<span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 1.2.2012). Bach äußerte zuvor im MDR zur umstrittenen UV-Blutbehandlungsmethode, “dass derartige Methoden seit dem 1. <a title="Januar 2011" href="http://www.nolympia.de/chronologie/januar-2011/">Januar 2011</a> verboten sind.”<br />
Bach informierte hier offensichtlich falsch: Das <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span>-Verbot bestand bereits seit 2003, wie der Rechtsanwalt Georg Engelbrecht in einer schriftlichen Stellungnahme für den Sportausschuss des deutschen Bundestages im <a title="März 2012" href="http://www.nolympia.de/chronologie/marz-2012/">März 2012</a> mitteilte (Weinreich 19.3.2012). Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City wurden bei österreichischen Langläufern Utensilien für die UV-Behandlung von Blut gefunden. Deshalb fällte der internationale Sportgerichtshof <span class="domtooltips" title="Court of Arbitration for Sport">Cas</span> bereits 2003 ein Urteil, dass die UV-Behandlung von Blut immer als Doping zu bewerten ist &#8211; auch bei kleinsten Mengen (Völker 8.2.2012). <span style="text-decoration: underline;"><br />
</span>Die <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> schrieb dazu: “Nicht nur Athleten, Ärzte, Trainer und Stützpunktchefs haben sich – bestenfalls – in der Causa Erfurt als unkundig erwiesen” und verwies auf den Präsidenten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft, der ebenfalls den 1.1.2011 nannte (<span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 1.2.2012).<br />
Bekannt wurden als “Kunden” von Andreas Franke u.a. Nils Schumann, der frühere 800-Meter-Olympiasieger von Sydney 2000, James Beckford (Jamaika), der <span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span>-Zweite von 2005 im Weitsprung, Bahnrad-Nationalfahrer Jakob Steigmiller, Straßenrad-Sprinter Marcel Kittel, Radprofi Patrick Gretsch, die Eissprinterin Judith Hesse und die Eisschnelläuferin Claudia Pechstein (Ebenda). Pechstein veröffentlichte angeblich entlastende Emails der <span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span> und forderte den Rücktritt von <span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span>-Vorstand Lars Mortsiefer. Der hatte wiederholt, dass die Methode schon vor dem 1.1.2011 verboten war <span style="text-decoration: underline;">(</span><span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 8.2.2012). Der Generaldirektor der <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span>, David Howman, verwies im Zusammenhang mit Pechstein darauf, dass ein Athlet nach einem zweiten Vergehen mit einer verbotenen Substanz oder Methode von einer lebenslangen Sperre bedroht ist (Burkert 9.2.2012).<br />
Der Bundesminister des Innern, Hans-Peter Friedrich<em>, </em>äußerte auf die Frage der <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span>, warum die Nationale Anti-<a title="Doping" href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/doping/">Doping</a>-Agentur <span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span> fast ein Jahr gebraucht hat, um die ersten beiden Fälle aus dem Erfurter UV-Blut-Fall vor das Sportschiedsgericht zu bringen, dass “ordnungsgemäße Verfahren eben eine gewisse Zeit” erforderten.</p>
<p><span style="font-weight: bold; font-style: italic;">Blutmanipulationen mit Steuermitteln finanziert</span><br style="font-weight: bold; font-style: italic;">Viola von Cramon (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied des Bundes-Sportausschusses und andere fragten beim Bundesministerium des Innern (<span class="domtooltips" title="Bundesministerium des Inneren">BMI</span>) an, ob der Bund Steuermittel für <a title="Doping" href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/doping/">Doping</a> einsetze. Das <span class="domtooltips" title="Bundesministerium des Inneren">BMI</span> nannte die Frage “definitiv unzulässig ja ungehörig”, musste dann aber Anfang Februar 2012 zugeben, dass <strong>die Blutmanipulationen der 30 <span class="domtooltips" title="The Olympic Partner">Top</span>-Athleten tatsächlich aus Steuermitteln finanziert</strong> wurden: “Der Arzt arbeitete auf Honorarbasis für den Olympiastützpunkt Thüringen. Nach Auskunft des OSP wurden die Behandlungen im Rahmen des bestehenden Honorarvertrages über den OSP abgerechnet” (Hartmann 3.2.2012). Die Behandlungsmethode wurde übrigens bereits im DDR-<a title="Sport" href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/sport/">Sport</a> eingesetzt.<br />
Heinz-Jochen Spilker, Frankes Rechtsanwalt (der aus Hamm/NRW stammte), “war bis Ende 1990 Bundestrainer in der Leichtathletik, dann trat er zurück. Der SPIEGEL hatte aufgedeckt, dass er Sprinterinnen seines Vereins Eintracht Hamm mit Dopingmitteln versorgte…” (Hacke, Ludwig 6.2.2012). Spilker hat es inzwischen zum Vizepräsidenten des Thüringer Landessportbundes geschafft.<br />
Fazit: “Am Ende werden – womöglich – ein Arzt angeklagt und mehrere Sportler gesperrt. Die betrübliche Nachricht ist, dass der restliche Sportbetrieb den Eindruck erweckt, als sei es damit getan… Im Bundesinnenministerium, dem Hauptfinanzier der Olympiastützpunkte, war man schon sehr zufrieden damit, wie rasch der betreffende Vertragsarzt suspendiert wurde – weiteren Überweisungen nach Erfurt steht damit nichts mehr im Weg” (Catuogno <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 31.1.2012<span style="text-decoration: underline;">).<br />
</span>Das Bundesinnenministerium erklärte dagegen noch dem Sportausschuss am 19.3.2012, dass es die Manipulationsvorwürfe in Zusammenhang mit dem OSP Erfurt weiterhin für ungeklärt hält (Herrmann 22.3.2012).<br />
<em>Das Bundesinnenministerium hat die verbotene Dopingpraxis finanziell gefördert: Denn der Olympiastützpunkt Erfurt erhält jährlich insgesamt rund zwei Millionen Euro, die auch für die medizinische Betreuung verwendet werden.</em><span style="text-decoration: underline;"><br />
</span></p>
<p><strong><em>SPD im Bundestag fragt nach Blutdoping</em></strong><br />
Die SPD-Bundestagsfraktion wollte Anfang März 2012 wissen, “ob direkt oder indirekt Steuergelder zur Unterstützung von <a title="Doping" href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/doping/">Doping</a> eingesetzt wurden bzw. werden”. Außerdem sollen alle Olympiastützpunkte, Bundesleistungszentren und Bundesstützpunkte im Hinblick auf Blutmanipulation überprüft werden (bundestag.de 8.3.2012; <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 9.3.2012).<span style="text-decoration: underline;"><br />
</span>Zum UV-Blutdoping vergleiche auch den Blog-Beitrag von <a rel="nofollow" href="http://www.jensweinreich.de/2012/03/18/steuermittel-fur-eigenblutdoping-originale-lesen-pflichtlekture-zum-sportausschuss/">Jens Weinreich</a> und in <a rel="nofollow" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,822349,00.html">spiegelonline</a>.</p>
<p>Bei der Anhörung im Sportausschuss des Deutschen Bundestages betonte auch der Dopingexperte Prof. Fritz Sörgel, dass die UV-Bestrahlung von Eigenblut gemäß einem Urteil des <span class="domtooltips" title="Court of Arbitration for Sport">Cas</span> seit 2003 verboten ist. Da “jede medizinische Maßnahme” bei der <span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span> meldepflichtig ist, wird es spannend, was in den <span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span>-Fragebögen darüber zu finden sein wird (Kistner 22.3.2012).</p>
<p>Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in dem vom Bundesinnenministerium mitfinanzierten <a href="http://www.nolympia.de/2012/03/der-bundesinnenminister-der-dosb-und-das-blutdoping/">Blut-Dopingfall Erfurt</a> sollten nicht vor <a title="Mai 2012" href="http://www.nolympia.de/chronologie/mai-2012/">Mai 2012</a> abgeschlossen sein. Sportverbände forderten eine Klärung bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London. “Wie darüber im traditionell <a title="sport" href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/sport/">sport</a>- und medaillenaffinen Bundesinnenministerium gedacht wird, bedarf keiner gesonderten Erwähnung, so kurz vor einem nationalen Großauftritt” (Kistner 4.4.2012; <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 4.4.2012).</p>
<p><strong>Da ließen sich die Sportfunktionäre etwas Neues einfallen.</strong></p>
<p><strong><em><span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">WADA</span></em></strong><em><strong> knickt in Erfurt ein</strong></em><br />
Am 27.4.2012 meldete die <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span> überraschend: “UV-Blutbehandlung erst ab 2011 verboten”.<br />
<span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span>-Generaldirektor David Howman hatte dies bislang ganz anders gesehen: “Es ist eine verbotene Methode. Sie steht seit Jahren auf der Verbotsliste. Man hat zwar (am 1.1.2011; W.Z.) die Definition präzisiert. Wir haben mehr Klarheit geschaffen. Aber diese Methode war nie erlaubt. Blutdoping war niemals erlaubt” (spiegelonline 27.4.2012). Sein klares Statement könnte Howman seinen Posten kosten, ebenso wie den <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span>-Justitiar Julien Sieveking, der ebenfalls bestätigt hatte, dass das UV-Blutdoping schon vor 2011 unrechtmäßig war.<br />
Mit dem neuen, fachlich nicht nachzuvollziehenden Statement vom April 2012 wurde plötzlich die UV-Blutbehandlung am Olympiastützpunkt Erfurt bis 31.12.2010 legalisiert, und der Großteil der deutschen UV-behandelten Sportler dürfen nach London 2012. Auch die <span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span> zog sogleich Bedenken zurück. Damit sind vermutlich nur noch drei von 30 Sportlern betroffen (Ebenda; Kistner 30.4.2012; <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 14.5.2012). Boris Herrmann nannte dies in der <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> einen “Rückschlag im Kampf gegen Doping” (<span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 28.4.2012).<span style="text-decoration: underline;"><br />
</span>Die <span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span> behauptete, dass vor der Entscheidung “alle Gremien der <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span>” befragt wurden. Das ist äußerst fraglich.<br />
Der Münchner Endokrinologe Martin Bidlingmaier, der in dem für Verbotslisten zuständigen Komitee sitzt, äußerte: “Das scheint mir ein etwas interessengeleiteter Analphabetismus zu sein.” Das Mitglied des <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span>-Wissenschaftskomitees Jürgen Steinacker wiederholte in der ARD: “Seit 2005 ist die Behandlung von Blut- oder Blutbestandteilen (…) grundsätzlich verboten” (Herrmann 28.4.2012).<br />
Der Dopingexperte Fritz Sörgel sagte zu dem Vorgang: “Das ist eine sehr suspekte Geschichte. Da muss man schon fragen, ob aus Deutschland Druck (auf die <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span>; W.Z.) ausgeübt wurde.” Noch eine Ungereimtheit: “Der internationale Sportgerichtshof <span class="domtooltips" title="Court of Arbitration for Sport">Cas</span> urteilt seit 2003 nach dem Prinzip, wonach jede Manipulation mit Eigenblut ein Dopingvergehen darstellt. Das erläuterte der <span class="domtooltips" title="Court of Arbitration for Sport">Cas</span>-Richter Georg Engelbrecht im März vor dem Sportausschuss” (Ebenda).</p>
<p>Die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, Dagmar Freitag, nannte den Vorgang &#8220;unfassbar&#8221;: &#8220;Das ist ein Sieg für diejenigen, die das Blut von Hochleistungssportlern manipulieren und von Sportlern, die das zulassen&#8221; (Kistner 30.4.2012). Nach Thomas Kistner schürt dies &#8220;den Verdacht, dass sportpolitische Einflüsse gewirkt haben könnten… Damit sei das Problem erledigt, frohlockten deutsche Sportpolitiker in ersten Reaktionen&#8221; (Ebenda).<br />
Der ehemalige Vorsitzende Richter am Internationalen Sportgerichtshof <span class="domtooltips" title="Court of Arbitration for Sport">CAS</span>, Stephan Netzle, war für den Fall der österreichischen Blutdoper (Salt Lake City 2002) und das Urteil im Jahr 2003 zuständig und hat mit der neuen Entscheidung der <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span> Schwierigkeiten, &#8220;das in Einklang mit der früheren Rechtssprechung zu bringen&#8221; (Seppelt, Kempe 12.5.2012). Netzle würde über die UV-Bestrahlung heute so wie damals urteilen &#8211; &#8220;und es als Dopingverstoß werten&#8221; (Ebenda). 2002/2003 galt der Olympic Movement Anti Doping Code (OMAC) mit der Regel M1, die Blutmanipulation unter Strafe stellte und als &#8220;Verbotene Methode&#8221; deklarierte. Ab 2004 gilt der Code der <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span>, der inhaltlich auf der Regel M1 aufbaut. Dirk Rainer Martens, der ebenfalls im Fall Salt Lake City 2002 Richter war, klassifiziert das UV-Blutdoping ebenfalls als verbotene Methode (Ebenda). Der frühere <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span>-Präsident Dick Pound urteilte zum Fall Erfurt: &#8220;Für mich ist das eine Blutmanipulation. Da gibt es keinen Zweifel&#8221; (Ebenda).<br />
Und nun erklärte plötzlich und unverständlicherweise die <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span>, dass die UV-Blutbestrahlung die Regel M1 nicht verletzen würde. Der <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span>-Generalsekretär David Howman bezieht zur überraschenden Richtungsänderung der <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span> seit Wochen keine Stellung.</p>
<p><strong><em>Der <span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span> triumphiert<br />
</em></strong><span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span>-Präsident Thomas Bach hatte von Anfang an die Linie vorgegeben, dass das UV-Doping erst ab 2011 verboten sei. Dies wurde nun zur offiziellen <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span>-Linie. Bach jubelte denn auch: “Diese Stellungnahme schafft Klarheit… Wir hoffen, dass die Verfahren zügig zum Abschluss gebracht werden…” (spiegelonline 27.4.2012).<br />
<em>Es muss im Hintergrund kräftig Druck vom <span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span> und dem für Sport zuständigen Bundesministerium des Innern, von deutschen Sportfunktionären und sportaffinen Politikern ausgeübt worden sein. Schließlich will man die hoch subventionierten deutschen Sportler bei London 2012 starten und wenn möglich siegen sehen.</em><br />
<span style="font-style: italic;">Es muss sich bei der nachträglichen Legalisierung des UV-Blutdopings eindeutig um den Einfluss <span style="font-weight: bold;">deutscher </span>Sportlobbyisten handeln, da derzeit weltweit kein ähnlich gelagerter Fall wie Erfurt bekannt ist. Die <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span> hat sich damit keinen Dienst erwiesen und ihre Glaubwürdigkeit eingebüßt. Gleichzeitig kann man über den weitreichenden Arm von <span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span> und ähnlichen deutschen Institutionen nur staunen. </span><br />
<strong>Und wieder ist eine Schranke gefallen&#8230;</strong><strong></strong></p>
<p><em>Quellen:</em><br />
Burkert, Andreas<br />
- Auch Pechstein Kunde in Erfurt? in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 30.1.2012<br />
- Plötzlich ist Schweigen, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 31.1.2012<br />
- “Diese Methode war schon immer verboten”, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 9.2.2012<br />
Catuogno, Claudio, Scharlatane im System, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 31.1.2012<br />
Catuogno, Claudio, Herrmann, Boris, “Wir werden Tacheles reden”, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 2.2.2012<br />
Ermittlungen bis Mai, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 4.4.2012<br />
Hacke, Detlef, Ludwig, Udo, Bestrahltes Blut, in Der Spiegel 6/6.2.2012<br />
Hartmann, Grit, <a title="Doping" href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/doping/">Doping</a> aus Steuermitteln finanziert, in Frankfurter Rundschau 3.2.2012<br />
Herrmann, Boris<br />
- Steuergelder für Doper? in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 22.3.2012<br />
- Kehrtwende der <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span>, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 28.4.2012<br />
Kistner, Thomas<br />
- Deutsche Nadel-Mentalität, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 22.3.2012<br />
- Druck vor Olympia, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 4.4.2012<br />
- Affäre um die <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span>, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 30.4.2012<br />
Probleme mit dem Kleingedruckten, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 1.2.2012<br />
Scharfe Kritik an <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span>, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span>&nbsp; 14.5.2012<br />
Seppelt, Hajo, Kempe, Robert, Nicht im Einklang mit der Rechtssprechung, in dradio.de 12.5.2012<br />
SPD fordert Aufklärung, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 9.3.2012<br />
SPD-Fraktion fordert Aufklärung zu “Vorgängen am Olympiastützpunkt Thüringen”, bundestag.de 8.3.2012<br />
“Verbotene Lichttherapie”, in “<a title="sport" href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/sport/">sport</a> inside”, wdr.de 30.1.2012<br />
Völker, Markus, Mutige Spezialisten, in zaz.de 8.2.2012<br />
“War uns bekannt”, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 8.2.2012<br />
<span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span> rudert in Blut-Affäre zurück, in spiegelonline 27.4.2012<br />
Weinreich, Jens, Blutbestrahlung im Olympiastützpunkt, in spiegelonline 19.3.2012<br />
Weinreich, Jens und Hartmann, Grit<strong></strong>: <a rel="nofollow" href="http://www.jensweinreich.de/2012/03/19/originale-lesen-pflichtlekture-zum-sportausschuss-das-bmi-zur-causa-erfurt/">Blog</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		</item>
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		<title>Motorsport in der Bahrain-Diktatur</title>
		<link>http://www.nolympia.de/2012/04/motorsport-in-der-bahrain-diktatur/</link>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 10:54:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Zängl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[20.4.2012, aktualisiert am 30.4.2012
Vorgeschichte 2011
Das Königreich Bahrain ist ein Inselstaat mit rund 750 Quadratkilometern im Persischen Golf. Es hat eine schiitische Mehrheit von 70 Prozent, wird aber von einer sunnitischen Herrscherfamilie regiert. Die Hälfte der eine Million Einwohner sind Bahrainer, die anderen 500.000 &#8220;hochbezahlte Ausländer und asiatische Billig-Gastarbeiter&#8221; (Brümmer, Avenarius 21.4.2012).
Im März <a href="http://www.nolympia.de/2012/04/motorsport-in-der-bahrain-diktatur/" class="read_more">... weiterlesen >></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>20.4.2012, aktualisiert am 30.4.2012</p>
<p><strong><em>Vorgeschichte 2011</em></strong><br />
Das Königreich Bahrain ist ein Inselstaat mit rund 750 Quadratkilometern im Persischen Golf. Es hat eine schiitische Mehrheit von 70 Prozent, wird aber von einer sunnitischen Herrscherfamilie regiert. Die Hälfte der eine Million Einwohner sind Bahrainer, die anderen 500.000 &#8220;hochbezahlte Ausländer und asiatische Billig-Gastarbeiter&#8221; (Brümmer, Avenarius 21.4.2012).<br />
Im März 2011 gab es Massenproteste gegen die Unterdrückung der Schiiten mit &#8220;mehr als 40 Toten, Massenverhaftungen, Folterungen und der Entlassung von Regimekritikern&#8221; (Formel 1 fährt in Bahrain, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 14.4.2012). Andere Quellen gehen von über 80 Toten aus (Mekhennet 20.4.2012).<br />
König Hamad bin Isa al-Khalifa konnte sich nur mit Hilfe von 1200 Soldaten aus Saudi-Arabien und militärischer Hilfe des Golf-Kooperationsrates (GCC) an der Macht halten (<span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 11.6.2011; Zekri 12.4.2012). Dieser besteht aus Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.<br />
&#8220;Die meisten Oppositionsführer und Regimekritiker sind inhaftiert, einige von Sondergerichten zum Tode verurteilt. Menschenrechtsorganisationen erheben zudem Foltervorwürfe&#8221; (Avenarius 4.6.2011).<br />
Und so unterdrückt das Militär &#8211; oft Söldner aus anderen islamischen Staaten -, bis heute weiter die Bevölkerung. In Bahrain ist zudem die 5. Flotte der USA stationiert und für die Sicherung der wichtigen Seewege am Golf zuständig. &#8220;Die US-Regierung sieht die Herrscherfamilie daher als einen wichtigen Verbündeten&#8221; (spiegelonline 21.4.2012).</p>
<p><span style="font-style: italic; font-weight: bold;">Verletzung der Menschenrechte</span><br style="font-style: italic; font-weight: bold;">Der Menschenrechtsaktivist Abd al-Hadi al-Chawadscha ist Mitte April 2012 seit 69 Tagen im Hungerstreik. Er forderte im Frühling 2011 demokratische Reformen: &#8220;Das Königshaus antwortete auf seine Weise: Polizisten schlugen ihn bewusstlos und zerrten ihn aus der Wohnung. Zurück blieb eine Blutlache auf dem Fußboden. Chawadscha wurde wenig später wegen &#8216;Organisierung und Führung einer terroristischen Organisation zu lebenslanger Haft verurteilt. Internationale Forderungen, ihn freizulassen, ignorierte das Könighaus&#8221; (Obermaier 17.4.2012). Bei Protesten gegen die Formel 1 wird sein Foto gezeigt. Seine Frau&nbsp; sagte der Nachrichtenagentur <span style="font-style: italic;">Reuters</span>: &#8220;Wütend machen mich Menschen wie Ecclestone, die entscheiden, nach Bahrain zu kommen, weil sie glauben, dass hier alle glücklich sind. Ich kann Ihnen versichern, dass meine Familie nicht glücklich ist&#8221; (Brümmer 20.4.2012).</p>
<p><em><strong>Grand Prix in Bahrain 2012</strong></em><br />
&#8220;Bahrain ist, was die Ölreserven angeht, der Sozialfall am Golf&#8221; (Avenarius 31.10.2009). Dennoch findet seit 2004 im Bahrain International Circuit ein Formel-1-Rennen statt. Treibende Kraft ist der Kronprinz Salman bin Hamad al-Chalifa, der auch Präsident der Bahrain Motor Federation ist: Er ließ für 150 Millionen Dollar die Rennstrecke bauen (Obermaier 21.4.2012).<br />
Der Grand Prix soll trotz der aktuellen Proteste in Bahrain auch dieses Jahr dort stattfinden: Termin ist der 22. April. Der Automobilweltverband FIA erklärte dazu: &#8220;Die FIA glaubt, dass die Austragung eines Grand Prix für die Überbrückung der Schwierigkeiten in Bahrain förderlich sein könnte&#8221; (Obermaier 2.3.2012). Und Formel 1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone tat die Proteste als &#8220;ein bisschen Gerangel&#8221; ab (Ebenda).<br />
Ein Sanitäter, der 2011 verletzten Demonstranten geholfen hatte und dafür ein halbes Jahr ins Gefängnis kam, sagte: &#8220;Die Rennwagen fahren über unser Blut&#8221; (Brümmer 20.4.2012).<br />
Amnesty International verurteilte die Vorgänge in Bahrain in einem aktuellen Bericht vom April 2012 heftig. Der Generalsekretär von <span style="font-style: italic;">Amnesty International Deutschland</span>, Wolfgang Grenz, äußerte zum Grand Prix: &#8220;Amnesty International rät der Formel 1, Bahrain weiträumig zu umfahren. 2011 ist es dort zu schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen gekommen. Mindestens 47 Menschen, die friedlich demonstrierten, sind getötet worden&#8230; Viele Demonstranten sind heute noch in Haft. Und bis heute gibt es bei Protestaktionen immer wieder Tote und Verletzte. Eine Absage des Rennens wäre ein Signal, dass die Lage weiter besorgniserregend ist&#8221; (Hofmann 12.4.2012). <span style="font-style: italic;">Ärzte ohne Grenzen</span> berichteten, dass die aktuell verletzten Demonstranten kaum noch staaliche Krankenhäuser in Anspruch nehmen: &#8220;aus Angst, dort diskriminiert, schikaniert, und absichtlich schlecht behandelt zu werden&#8221; (<span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 16.4.2012). Joe Stork von <span style="font-style: italic;">Human Right Watch</span> äußerte zum Grand Prix in Bahrain: &#8220;Für mich ist das ein schreckliches Klima, um ein festliches Sportereignis stattfinden zu lassen&#8221; (Formel 1 fährt in Bahrain, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 14.4.2012).<br />
Die Demonstranten erklärten die drei Renntage zu &#8220;Tagen des Zorns&#8221; (Brümmer, Avenarius 21.4.2012).</p>
<p><span style="font-weight: bold; font-style: italic;">Konzerne und Sponsoren</span><br style="font-weight: bold; font-style: italic;">Aber der Nahe Osten ist ein wichtiger Markt für Autohersteller und Sponsoren. Der Gesamtumsatz des Grand Prix in Bahrain soll bei 600 Millionen Dollar liegen (Avenarius 31.10.2009).<br />
Auf dem Rennanzug von Michael Schumacher stehen: Deutsche Vermögensberatung, PETRONAS, Mercedes-Benz, Autonomy, Navyboot, E@POSTBRIEF, aabar, Allianz, Pirelli, MIG Bank (Brümmer 21.4.2012). Die Boliden sind ähnlich bepflastert &#8211; fernsehtauglich. Der Schriftzug auf der Kappe des Ex-Rennfahrers Niki Lauda kostete vor 25 Jahren etwa 200.000 Euro pro Jahr; inzwischen liegt er bei etwa 1,2 Millionen Euro (<span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 9.7.2010).<br />
Bei den hohen Summen der Sponsoren werden Bedenken gegenüber autoritären Regimen und Diktaturen von den Motorsport-Funktionären schnell beiseite geschoben. Der Präsident des Automobilweltverbandes FIA, Jean Todt, formulierte dies vermeintlich pragmatisch: &#8220;Das Rennen wird so stattfinden. Es steht so im Kalender. Die FIA ist eine Sportorganisation. Wir interessieren uns für den Sport&#8221; (Sender meiden Bahrain, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 16.4.2012).<br />
Originalton des Formel-1-Chefs Bernie Eccelestone: &#8220;Wir mischen uns nicht in Politik oder Religion ein. Wir gehen dorthin&#8221; (Brümmer, Elmar, &#8220;Wir gehen dorthin&#8221;, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 13.4.2012). Es sei nicht die Aufgabe der Formel 1, &#8220;zu entscheiden, wie die Leute ihr Land führen&#8221; (Sender meiden Bahrain, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 16.4.2012).<br />
René Hofmann schrieb dazu in der <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span>: &#8220;Angesichts von Tränengaswolken und Bildern von angeschossenen Kindern ist es mehr als zynisch, wenn Formel-1-Vermarkter Bernie Ecclestone behauptet, in Bahrain gehe es demokratischer zu als in manch anderen Ländern. Und alles sei ruhig und friedlich&#8221; (Hofmann 14.4.2012).<br />
<em>Das ist leider ein weiterer Beweis für die Affinität Internationaler Sportverbände mit autoritären Regimes und Diktaturen.Vergleiche im Kritischen Olympischen Lexikon <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span> und Diktaturen: <a href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/ioc-und-diktaturen/">hier</a></em></p>
<p><span style="font-weight: bold; font-style: italic;">Renn-Teams und Rennfahrer</span><br />
Eine der wenigen kritischen Einwände kam im Frühjahr 2011 von Ex-Weltmeister Damon Hill: &#8220;Wenn die Formel 1 in Bahrain fährt, wird sie immer den Schatten tragen, mit den repressiven Methoden zum Erhalt der Ordnung in Verbindung zu stehen&#8221; (Avenarius 4.6.2011).<br />
Im Jahr 2012 ist nichts in der Richtung zu hören. &#8220;Auch wenn Bomben explodieren und die Polizei gegen Protestierer vorgeht: Fahrer und Verantwortliche der Formel 1 schauen weg, weil finanziell zu viel auf dem Spiel steht&#8221; (Ahrens 19.4.2012). Die Rennställe und ihre Fahrer halten den Mund: &#8220;Wegducken, schweigen: Auch den Stars der Branche &#8211; von Sebastian Vettel über Michael Schumacher bis hin zu Lewis Hamilton &#8211; ist kein Kommentar zu entlocken, ob ein Rennen unter solchen Umständen nicht deplatziert sei&#8221; (Ebenda). Dann sagte doch der eine oder andere etwas.<br />
McLaren-Chef Martin Whitmarsh: &#8220;Letztlich sind wir ein Renn-Team. Wir sind hier, um ein Autorennen zu fahren, das ist unsere höchste Priorität&#8221; (spiegelonline 20.4.2012; an MacLaren ist der Staat Bahrain zu etwa 50 Prozent beteiligt, siehe unten). Mercedes-Chef Norbert Haug stimmte umgehend zu.<br />
Sebastian Vettel: &#8220;Unser Job ist der Sport, sonst nichts&#8221; (Ebenda; das hätte man auch 1936 sagen können). Vettel bezeichnete die Lage in Bahrain noch als &#8220;großen Hype&#8221;. Darauf schrieb der britische <span style="font-style: italic;">Independent</span>: &#8220;Ist noch irgendwas von diesem alten Klischee eines moralischen Kompasses übrig?&#8221; und bezeichnete Vettel als &#8220;schändlichen Mann&#8221; (spiegelonline 21.4.2012).<br />
Chefvermarkter Bernie Ecclestone äußerte: &#8220;Wir sind nicht hier, um uns in dier&nbsp; Politik einzumischen&#8221; (Ebenda; das hätte man auch 1936 sagen können). Ecclestone war auch 2011 bereit, trotz der Unruhen des arabischen Frühlings in Bahrain das Rennen durchzuführen und äußerte, er sehe keine politischen Probleme: &#8220;Es gibt dort viele nette Leute&#8221; (Avenarius 4.6.2011).<br />
Red-Bull-Teamchef Christian Horner: &#8220;Die Formel 1 ist ein Sport. Es ist falsch, sie politisch zu benutzen&#8221; (Ebenda; was macht das Königshaus von Bahrain anderes?).<br />
FIA-Präsident Jean Todt: &#8220;Die Formel 1 ist eine starke Marke. Alle, mit denen ich im Fahrerlager gesprochen habe, sind sehr glücklich. Man sagte mir sogar, dass es ein Fehler gewesen wäre, wenn wir nicht hierher gekommen wären&#8221; (Brümmer, Zekri 23.4.2012).<br />
Die britische Zeitung <span style="font-style: italic;">The Observer</span> stellte dazu fest, dass sich Ecclestone und Todt aufführen würden wie die Bürgermeister einer Spielzeugstadt (Ebenda).<br />
<span style="font-style: italic;">Für die beiden ist die ganze Welt eine Spielzeugstadt &#8211; die sie kaputt machen.</span></p>
<p>Das Werbeplakat für den Grand Prix in Bahrain April 2012 zeigt einige Helden des Motorsports mit dem zynischen Text: &#8220;The Battle Begins&#8221;! Die Schlacht beginnt (Brümmer). Sicherheitskräfte parkten an der Zufahrtsstraße zum Rennkurs Dutzende gepanzerter Fahrzeuge; an der Straße wurde Stacheldraht installiert (sueddeutsche <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 21.4.2012). &#8220;Da teilte Fernando Alonso über Twitter mit, welche Musik er auf dem Weg zur Rennstrecke gehört hatte. Sein Ferrari-Team meldete auf dem gleichen Kanal kurz darauf, bei der Anfahrt habe es &#8216;keine besondderen Vorkommnisse gegeben&#8217;. Journalisten, die nur wenig später unterwegs waren, zählten aber mehr als 80 Polizeiautos und berichteten von waffenstarrenden Patrouillen&#8221; (Hofmann 23.4.2012).<br />
<span lang="FR">In der Nähe der Rennstrecke protestierten Demonstranten gegen das sunnitische Königshaus und für die Freilassung von al-Chawaja. Am 21.4.2012 wurde nach Zusammenstößen ein Demonstrant tot aufgefunden (spiegelonline 21.4.2012).<br />
Die Formel 1 wurde von den Demonstranten mit &#8220;Formula Gun&#8221; und &#8220;Kopf in den Sand&#8221; verspottet (Brümmer, Zekri 23.4.2012).</span></p>
<p>Am Sonntag, den 22.4.2012 wurde dann &#8211; unter größten Sicherheitsvorkehrungen &#8211; das Rennen durchgeführt. Die Besucher feierten die Rennfahrer. Die Motorjournalisten berichteten brav über den Rennverlauf. Die Fernsehsender übertrugen stundenlang. <span lang="FR">Ecclestone bekam Millionen überwiesen. </span>Business as usual&#8230;<br />
Vergleiche im Kritischen Olympischen Lexikon auch: <a href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/event/">Event<br />
</a></p>
<p><strong><em>Was der Premierinister von Bahrain erzählt</em></strong></p>
<p><span lang="FR">1971 wurde Premierminister Prinz Chalifa Bin Salman Al Chalifa von seinem Bruder in das Amt des Premierministers berufen &#8211; und hat seitdem diese Position inne. Zum Formel 1-Rennen 2012 äußerte er im Spiegel-Interview (</span>Mekhennet 28.4.2012):<br />
<span lang="FR">&#8220;Ich bin sehr froh, dass dieses Rennen stattgefunden hat&#8230; Es war ein glücklicher Event für alle Bahrainer.&#8221;<br />
Auf die Frage nach der Oppposition. &#8220;Wir reden hier von Leuten, die wir&nbsp; in der modernen Welt als Terrorgruppe bezeichnen würden.&#8221;<br />
Zu den Demonstrationen gegen die Regierung und den König: &#8220;Aber wir haben noch nicht all unsere Kräfte eingesetzt. Wir hatten bisher sehr viel Geduld mit der Opposition.&#8221;<br />
Zum Opositionellen </span>Abd al-Hadi al-Chawadscha: Sein Zustand ist nicht so schlecht, wie Sie&nbsp; es darstellen.&#8221;<br />
Zur Unterdrückung der schiitischen Mehrheit von 75 Prozent: &#8220;Wir haben sunnitische und schiitische Minister, wir haben Schiiten, die sehr reich sind.&#8221;<br />
Zur Frage, warum er bereits seit 1971 regiere: &#8220;Na und? Demokratische Systeme unterscheiden sich.&#8221;<br />
<strong><em>Formel 1 arabisch?</em></strong><br />
René Hofmann hat in der <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> eine interessante Zusammenstellung über die Besitzverhältnisse in der Formel 1 zusammengestellt (Hofmann 19.4.2012). &#8220;Eine der treibenden Kräfte hinter dem Projekt war stets Kronprinz Salman bin Hamad Al-Chalifa&#8221; (Ebenda).<br />
150 Millionen Dollar hat die Rennstrecke gekostet, die zu hundert Prozent dem Konzern Mumtalakat gehört. Dieser wurde 2006 auf Veranlassung von König Hamad bin Isa al-Khalifa gegründet. 2010 beteiligte sich der Konzern an der McLaren Group, der das gleichnamige Formel-1-Team gehört. Derzeit hält Mumtalakat vermutlich 50 Prozent. Als Ergebnis äußerte der Chef des McLaren-Teams, Martin Whitmarsh, dieser Tage dann wenig überraschend, dass McLaren zum Grand Prix in Bahrain 2012 stehe.</p>
<p>Weitere arabische Beteiligungen: Der Formel-1-Rennstall Williams hat ein Technologiezentrum im Emirat Katar. Die Investmenfirma Aabar aus Abu Dhabi war bis Mitte April 2012 nach eigenen Angaben ein &#8220;maßgeblicher Anteilseigner&#8221; des 2009 formierten Mercedes-Teams; Niki Lauda wirbt für das Unternehmen seit September 2011. Aabar ist auch an der Falcon Private Bank beteiligt, die das Formel-1-Team Toro Rosso sponsort. Ferrari kooperierte mit der Mumbada Development Co. des Emirats Abu Dhabi, wo auch ein Ferrari-Freizeitpark gebaut wurde.<br />
Die Vereinigten Emirate und Bahrain haben &#8211; im Gegensatz zu Deutschland &#8211; einen Sitz im World Motor Sport Council. Ein Königssohn aus Bahrain ist für den weltweiten Kartsport zuständig, ein anderer ist Partner bei ART Grand Prix, einem Team der Nachwuchs-Rennfahrer, dem auch Nicolas Todt angehört. Dessen Vater Jean Todt ist&nbsp; FIA-Präsident und natürlich auch ein Fürsprecher des Grand Prix in Bahrain 2012, siehe oben.<br />
<em>Wem gehört die Welt? Zum Beispiel den Ländern, die über Öl- und Erdgasvorkommen verfügen sowie den Automobilkonzernen und Sponsoren. Ihnen sind</em><em> Probleme wie Klimaerwärmung und zu Ende gehende fossile Rohstoffe egal. </em><em>Sie setzen mit ihren Aktivitäten im Motor-&#8221;Sport&#8221; vollkommen falsche Signale. Und Motorsport-Funktionäre ignorieren die Gewalttätigkeit des Bahrain-Regimes und machen nicht einmal den geringsten Versuch, die Einhaltung von Menschenrechten einzufordern. Geld regiert die Welt&#8230;</em></p>
<p>Vergleiche auch im <span style="font-weight: bold;">Kritischen Olympischen Lexikon</span>: <a href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/motorsport/">Motorsport</a></p>
<p><em>Quellen:<br />
</em>Ahrens, Peter, Motoren übertönen Granaten, in spiegelonline 19.4.2012<br />
Avenarius, Tomas<br />
- Ein sündhaft teurer Ring, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 31.10.2009<br />
- Großer Preis für Bahrain, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 4.6.2011<br />
Brümmer, Elmar<br />
- &#8220;Wir gehen dorthin&#8221;, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 13.4.2012<br />
- Allenthalben Alarmbereitschaft, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 20.4.2012<br />
- Der süße Punkt, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 21.4.2012<br />
Brümmer, Elmar, Avenarius, Tomas, Rennwagen und Schützenpanzer, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 21.4.2012<br />
Brümmer, Elmar, Zekri, Sonja, Späte Richtungsänderung, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 23.4.2012<br />
Erster Toter bei Protesten in Bahrain, in spiegelonline 21.4.2012<br />
Formel 1 fährt in Bahrain, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 14.4.2012<br />
Formel 1 meidet Bahrain, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 11.6.2011<br />
Fromm, Thomas, Formel 1 auf dem Parkett, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 22.3.2012<br />
Hagelüken, Alexander, Slavik, Angelika, &#8220;Ich habe keine Freunde. Was sind überhaupt Freunde?&#8221; in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 9.7.2010<br />
Hofmann, René<br />
- &#8220;Weiträumig umfahren&#8221;, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 12.4.2012<br />
- Rennen und Rebellion, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 12.4.2012<br />
- Tod und Spiele, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 14.4.2012<br />
- Der Königssohn investiert, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span>&nbsp; 19.4.2012<br />
- Schneller, höher, kritischer, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 23.4.2012<br />
Mekhennet, Souad<br />
- &#8220;Geht auf die Straße!&#8221; in spiegelonline 20.4.2012<br />
- Bahrains Premier vergleicht Opposition mit Terroristen, in spiegelonline 28.4.2012<br />
Obermaier, Frederik<br />
- Rasen statt wählen, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span>&nbsp; 2.3.2012<br />
- Abdehhadi al-Chawadscha, Regimekritiker im Hungerstreik gegen Bahrains Könighaus, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 17.4.2012<br />
- Prinz in Feierlaune, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 21.4.2012<br />
Proteste fordern erstes Todesopfer, in sueddeutsche.de 21.4.2012<br />
Sender meiden Bahrain, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 16.4.2012<br />
Zekri, Sonja, Hunger nach Freiheit, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 12.4.2012</p>
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		<title>Verspäteter Aprilscherz: München 2022/2026</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2012 13:32:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Zängl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[16.4.2012
Aus dem Münchner Rathaus und aus dem Münchner Olympiapark wurde am 15.4.2012 ein verspäteter Aprilscherz in die Welt gesetzt: München bewerbe sich um Olympische Winterspiele 2022 bzw. 2026. Der Geschäftsführer des Olympiaparks, Ralph Huber, teilte in einem Interview mit dem Focus mit, dass OB Ude und er gerade ein Bewerbungskonzept erarbeiten würden (München plant <a href="http://www.nolympia.de/2012/04/verspateter-aprilscherz-munchen-20222026/" class="read_more">... weiterlesen >></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>16.4.2012</p>
<p>Aus dem Münchner Rathaus und aus dem Münchner Olympiapark wurde am 15.4.2012 ein verspäteter Aprilscherz in die Welt gesetzt: München bewerbe sich um Olympische Winterspiele 2022 bzw. 2026. Der Geschäftsführer des Olympiaparks, Ralph Huber, teilte in einem Interview mit dem Focus mit, dass OB Ude und er gerade ein Bewerbungskonzept erarbeiten würden (München plant wohl doch neue Olympiabewerbung, in br.de 15.4.2012; München kämpft erneut um Olympia, in Münchner Merkur 16.4.2012).<br />
<em>Erstaunlich, was OB Ude alles gleichzeitig bewältigt: Kandidatur um den Posten des bayerischen Ministerpräsidenten, Vorkämpfer für die 3. Startbahn am Münchner Flughafen, Vorarbeiter einer Bewerbung München 2022/2026… Dabei ist er nicht zuletzt noch Münchner Oberbürgermeister.</em><br />
Nun ist die Olympiapark GmbH (Pächter der Münchner Stadtwerke) auch ohne München 2022/2026 schon in ziemlichen finanziellen Schwierigkeiten: Die dort geplanten Baumaßnahmen von 2007 bis 2021 werden auf fast 400 Millionen Euro geschätzt (Lenders, Julia, Millionen für die Oly-Halle, in abendzeitung-muenchen.de 16.4.2012).<br />
Huber berichtete, dass der Flughafen München (derzeit 2,5 Milliarden Euro Schulden) und die Messe München (eine von Udes Zwangsverpflichteten bei München 2018 und auch nicht gerade finanziell gut gepolstert) sowie mehrere Großkonzernen zu den Beteiligten gehörten. Genannt werden Lufthansa, BMW, Allianz und Siemens.</p>
<p>Selbst beim <span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span>  war man überrascht, um nicht zu sagen verärgert. Der Ex-Geschäftsführer von München 2018, Bernhard Schwank, äußerte: “Spekulationen heute helfen nicht weiter – im Gegenteil” (Haslauer, Andreas, Dabei sein ist alles! in focus 16.4.2012).<br />
<em>Die Bewerbungsfrist endet im Herbst 2013, genau dann, wenn <span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span>-Präsident Bach <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span>-Präsident werden will. Beides geht nicht. Oje…</em><br />
OB Ude ruderte umgehend olympisch zurück: Es werde an keinem Bewerbungskonzept gearbeitet. Es würden auch keine Sponsoren gesucht. “Falsch sei auch der in den Berichten erweckte Eindruck, man befinde sich schon auf der Suche nach Sponsoren für eine Bewerbung und erwarte baldige gute Nachrichten” (Olympia-Fans planen Auftritt in London, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 16.4.2012).<br />
<em>Scheint ja eine super Nummer zu werden, München 2022/2026!</em><br />
<em>Obwohl Nolympia den verzweifelten Versuch einer neuerlichen Bewerbung nicht versteht, würden wir natürlich auch diese neuerliche Bewerbung wieder kritisch begleiten!</em></p>
<p><em><br />
</em></p>
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		<title>Was ist der wahre Preis der Olympischen Spiele in London?</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Apr 2012 15:43:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Zängl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nolympia.de/?p=4995</guid>
		<description><![CDATA[Autor: Jules Boykoff, What is the real price of the London Olympics, aus The Guardian, 4.4.2012
Übersetzung: Gesellschaft für ökologische Forschung

Die Olympischen Spiele 2012 schimmern am Londoner Horizont, aber die Spiele sind mehr als ein „Sportstopia“ mit einem Smiley-Button. Die Kosten für die Ausrichtung der Olympischen Spiele sind in den Himmel geschnellt, während die <a href="http://www.nolympia.de/2012/04/was-ist-der-wahre-preis-der-olympischen-spiele-in-london/" class="read_more">... weiterlesen >></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Autor: Jules Boykoff, <a rel="nofollow" href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2012/apr/04/price-of-london-olympics">What is the real price of the London Olympics</a></strong><strong>, aus The Guardian, 4.4.2012<br />
Übersetzung: Gesellschaft für ökologische Forschung<br />
</strong></p>
<p>Die Olympischen Spiele 2012 schimmern am Londoner Horizont, aber die Spiele sind mehr als ein „Sportstopia“ mit einem Smiley-Button. Die Kosten für die Ausrichtung der Olympischen Spiele sind in den Himmel geschnellt, während die privaten Geldgeber verduftet sind und der Regierung die Steuerlast überlassen. Inzwischen haben die Sicherheitsbehörden grünes Licht für die Militarisierung des Öffentlichen Raumes gegeben. Die Spiele sind zur reinsten Bekundung des „celebration capitalism“ geworden, des Feier-Kapitalismus, die Wohlfühl-Ergänzung zu Naomi Kleins „disaster capitalism“, (Katastrophen-Kapitalismus – in Anklang an ihr 2007 auf deutsch erschienenes Buch <em>Die Schock-Strategie: Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus</em>).</p>
<p>Austragungsorte unterschätzen üblicherweise die Kosten und überbewerten den Nutzen der Spiele. London ist keine Ausnahme. Die Bewerbung der Stadt versprach: &#8220;Jeder Sektor der Wirtschaft wird vom&nbsp; der Durchführung der Olympischen Spiele profitieren.&#8221; Ursprünglich waren 2,4 Milliarden britische Pfund eingeplant; 2007 waren die Kosten schon auf 9,3 Milliarden Pfund hochgeschnellt. Der Nationale Rechnungshof stellte fest, dass sich die Ausgaben des staatlichen Sektors verdreifacht hatten, während, die Beiträge des privaten Sektors auf weniger als zwei Prozent schrumpften. Kürzlich hat der Rechnungshof des Unterhauses Kosten „in Richtung von elf Milliarden Pfund“ aufgezeigt. Inzwischen berechnete der Olympia Kritiker Julian Cheyne von <em>Games Monitor</em> die Kosten auf 13 Milliarden Pfund. Eine Untersuchung von <em>Sky Sports</em>, die auch erweiterte Ausgaben für den öffentlichen Verkehr beinhaltete, katapultierte die Kosten für die Fünf-Ringe auf 24 Milliarden Pfund.</p>
<p>Das Thema „Öffentlichkeit-zahlt-Private-sahnen-ab“ (pubic-pays-private-bails) kristallisiert sich im Bau des Olympischen Dorfes. Ursprünglich waren für das Kernstück der London-2012-Stadterneuerung Ausgaben in Höhe von einer Milliarde Pfund vorgesehen, dann musste das Dorf durch das australische Bauunternehmen <em>Lend Lease</em> vorfinanziert werden. (Der Deal stank nach Vetternwirtschaft &#8211; David Higgins, Vorstandsvorsitzender der <em>Olympic Delivery Authority</em> bis Februar 2011, leitete früher Lend Lease. Aber der wirtschaftliche Zusammenbruch 2008 und die Kreditkrise führte dazu, dass privates Kapital sich aus dem Projekt zurückzog und es der britischen Regierung überließ. Im Frühjahr 2009 verkündeten die olympischen Bosse, dass das Dorf &#8220;voll verstaatlicht&#8221; würde &#8211; das heißt, von den Steuerzahlern bezahlt wird.</p>
<p>Olympische Geschichte ist gekennzeichnet durch die Produktion von Metropolen-Dschungeln, in denen es von <a href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/white-elephants/"><em>white elephants</em></a> wimmelt. Die Organisatoren von London 2012 waren darauf bedacht, nichts zu dieser &#8220;Herde&#8221; hinzuzufügen, deshalb verkauften sie im August 2011 das Dorf mit einem Verlust von 275 Millionen Pfund für die Steuerzahler an eine Immobilienfirma der Herrscherfamilie von Katar. Merkwürdigerweise bezeichnete der Kulturminister Jeremy Hunt dieses Geschäft als „ein fantastisches Angebot, das den Steuerzahlern eine große Rendite bringen wird und beweist, wie wir ein Vermächtnis der Londoner Spiele sichern&#8221;. Solche heimlichen Subventionen sind gängige Praxis im Zusammenhang mit olympisch-induzierter Stadtentwicklung. Gastgeber-Regierungen haben die Tendenz, als (finanzieller) Kugelfang bei solchen Projekten zu dienen, um Peinlichkeiten auf globaler Bühne zu vermeiden, während private Unternehmen Verantwortung ablehnen, wenn es brenzlig wird.</p>
<p>Mittlerweile nutzen Sicherheitsbehörden die Olympischen Spiele als eine Gelegenheit, die sich nur einmal in einer Generation bietet, um ihre Waffenbestände zu vermehren und zu militarisieren und einen weiteren Schritt in Richtung Überwachungsstaat zu machen. Die Spiele rechtfertigen eine Sicherheitsarchitektur, um Terrorismus zu verhindern, aber diese Architektur kann Aktivitäten von politischer Meinungsverschiedenheit sowohl einschüchtern als auch unterdrücken. Die Olympische Charta verbietet sogar politischen Aktivismus; darin steht: „Keine Art von Demonstration oder politische, religiöse oder rassistische Propaganda in allen olympischen Stätten, Veranstaltungsorte oder in anderen Bereichen ist erlaubt&#8221;. Was &#8220;andere Bereiche&#8221; bedeutet, ist offen für eine weite Auslegung. Trotz der ganzen Rhetorik mit olympischen Menschenrechten diktiert die Charta &#8211; wenn auch indirekt -, dass die lokalen Behörden politischen Aktivismus unterdrücken. Wie auf Kommando gelobte die Londoner Polizei kürzlich, soziale Medien zu durchforsten, um alle Proteste oder Störungen aufzudecken.</p>
<p>Die Olympischen Spiele werden London militarisieren, mit scharfen Boden-Luft-Raketen, einem Kriegsschiff der Royal Navy in Küstennähe und Soldaten auf Patrouille. Nachdem zunächst eine Zahl von 10.000 Sicherheitsleuten als ausreichend erachtet wurde, ermittelte das Londoner Organisationskomitee, dass mehr als doppelt so viele erforderlich wären. Das Verteidigungsministerium füllt die Lücke mit etwa 13.500 Soldaten, das sind 4.000 mehr, als derzeit in Afghanistan stationiert sind. Dadurch nicht beschwichtigt erklärten die Vereinigten Staaten, sie würden ihre eigenen Sicherheitskräfte nach London schicken, einschließlich 500 FBI-Agenten.</p>
<p>Die Olympischen Spiele bieten eine Möglichkeit, &nbsp;die High-Tech-Ausrüstung in einem städtischen Umfeld auszuprobieren. Leichtbau-Drohnen werden in der Luft schweben, während „kombinierte bewaffnete Eingreiftruppen“ – ganze Polizei-Eliteeinheiten mit Scharfschützen &#8211; unten umherstreichen. Dadurch wird London 2012&nbsp; eine Hinterlassenschaft bieten, mit der nicht im Bid Boook geworben wurde: einen unterdrückungsbereiten Sicherheitsstaat. Die Militärtechnologien, die den von den Olympischen Spielen diktierten Ausnahmezustand absicherten, werden im Gefolge der Spiele zum Normalfall für die Alltagsüberwachung. Und dieser repressive Urbanismus ist teuer: eine dicke Milliarde Pfund und mehr.</p>
<p>In ihrem Buch <em>The Shock Doctrine: The Rise of Disaster Capitalism</em> erklärt Naomi Klein, wie Kapitalisten ungeniert aus Katastrophen Kapital schlagen. Katastrophen schaffen kollektive Schockzustände, die uns bis zu einem Punkt weichklopfen, wo wir etwas preisgeben, das wir ansonsten leidenschaftlich verteidigen würden. Im Gefolge dieser Katastrophe taumelt die allgemeine Bevölkerung im Chaos, während Unternehmen und ihre Mitarbeiter in der Regierung die Öffentlichkeit durchsucht und harte Schläge neoliberaler Politik auf den Sozialstaat verteilt.</p>
<p>Die Olympischen Spiele in London 2012 entwickeln sich wie ein Goldmedaillen-Drehbuch für den „Feier-Kapitalismus&#8221; – den leutseligen Cousin des Katastrophen-Kapitalismus. Beide treten in Ausnahmezuständen auf, die es beherzten Politikern und ihren verbündeten Kollaborateuren erlaubt, eine Politik durchzusetzen, die sie sich während normaler Zeiten nicht erträumen würden. Aber während der Katastrophen-Kapitalismus den Staat vernichtet, manipuliert der Feier-Kapitalismus die staatlichen Akteure als Partner und verschiebt selbst eingefleischte Wirtschaftswissenschaftler in „Public-Private Partnerships. Allzu oft sind diese öffentlich-private Partnerschaften einseitig: Die Öffentlichkeit bezahlt und die Privaten machen Gewinne. Mit einer Lockvogeltaktik, die in Jovialität eingehüllt ist, übernimmt die Öffentlichkeit die Risiken, und private Gruppen schöpfen die Gewinne ab.</p>
<p>Die Olympischen Spiele versprechen das Herbeizaubern von athletischem Geschick und brillanten Wettbewerben. Aber – man mag es mögen oder nicht: Die Olympischen Spiele entfesseln den Feier-Kapitalismus.</p>
<p style="font-style: italic;">Julian Boykoff ist außerordentlicher Professor für Politische Wissenschaften an der Pacific University in Oregon und beschäftigt sich mit Aktivismus, Klimawandel und Sportpolitik.</p>
<p>Vergleiche auch den Artikel von Jules Boykoff<a rel="nofollow" href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2012/apr/22/has-london-2012-been-greenwashed"> &#8220;Has London 2012&nbsp; been greenwashed?&#8221;</a> im Guardian vom 22.4.2012 und im Kritischen Olympischen Lexikon: <a href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/london-2012/">London 2012</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		</item>
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		<title>Der Bundesinnenminister, der DOSB und das Blutdoping</title>
		<link>http://www.nolympia.de/2012/03/der-bundesinnenminister-der-dosb-und-das-blutdoping/</link>
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		<pubDate>Mon, 26 Mar 2012 10:05:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Zängl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Stand: 26.3.2012
- “Lichttherapie” am Olympiastützpunkt
Ende Januar 2012 wurde bekannt, dass der Arzt Andreas Franke, der von 2005 bis 2011 am Olympiastützpunkt Erfurt tätig war, seit 2005 30 Athleten mit Bluttransfusionen “behandelte”. Das entnommene Athletenblut hatte er einer unzulässigen UV-Behandlung (“Lichttherapie”) unterzogen hat. Dies wurde bereits bei einer Polizeirazzia im Frühjahr 2011 festgestellt. Die <a href="http://www.nolympia.de/2012/03/der-bundesinnenminister-der-dosb-und-das-blutdoping/" class="read_more">... weiterlesen >></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Stand: 26.3.2012</p>
<p><strong><em>- “Lichttherapie” am Olympiastützpunkt</em></strong><em></em></p>
<p>Ende <a rel="nofollow" title="Januar 2012" href="../chronologie/januar-2012/">Januar 2012</a> wurde bekannt, dass der Arzt Andreas Franke, der von 2005 bis 2011 am Olympiastützpunkt Erfurt tätig war, seit 2005 30 Athleten mit Bluttransfusionen “behandelte”. Das entnommene Athletenblut hatte er einer unzulässigen UV-Behandlung (“Lichttherapie”) unterzogen hat. Dies wurde bereits bei einer Polizeirazzia im Frühjahr 2011 festgestellt. Die Welt-Anti-<a rel="nofollow" title="Doping" href="../kritisches-olympisches-lexikon/doping/">Doping</a>-Agentur <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span> hatte seit 2003 jede Art von Bluttransfusionen verboten. Im Punkt M 1.1. der <em><span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span></em><em> prohibited list</em> steht explizit: “Dabei gilt jede Entnahme von Blut und eine Wiedereinbringung in die menschliche Blutbahn als <a rel="nofollow" title="Doping" href="../kritisches-olympisches-lexikon/doping/">Doping</a>, wenn sie rote Blutzellen enthalten” (Burkert 9.2.2012).</p>
<p>Die Nationale Anti-<a rel="nofollow" title="Doping" href="../kritisches-olympisches-lexikon/doping/">Doping</a>-Agentur <span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span> wusste ebenfalls seit der Polizeirazzia von den Vorwürfen, die erst jetzt zum öffentlichen Thema wurden (wdr.de 30.1.2012; Burkert 30.1.2012; ders., Plötzlich ist Schweigen, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 31.1.2012).</p>
<p>“Acht Monate, nachdem eine Razzia der Ermittler in seiner Praxis und im Olympiastützpunkt Thüringen eine brisante Patientenliste zutage förderte, … fordert nun <a rel="nofollow" title="DOSB" href="../kritisches-olympisches-lexikon/dosb/"><span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span></a>-Präsident <a rel="nofollow" title="Thomas Bach" href="../kritisches-olympisches-lexikon/bach-thomas/">Thomas Bach</a>, ‘so schnell wie möglich reinen Tisch zu machen’. Bach urteilte beim Neujahrsempfang des Deutschen Olympischen Sportbundes, man habe ‘in diesen Tagen die Nachricht erhalten, dass ein Arzt offensichtlich oder möglicherweise verbotene Dopingpraktiken an Sportlern angewendet hat’” (<span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 1.2.2012). Bach äußerte zuvor im MDR zur umstrittenen UV-Blutbehandlungsmethode, “dass derartige Methoden seit dem 1. <a rel="nofollow" title="Januar 2011" href="../chronologie/januar-2011/">Januar 2011</a> verboten sind.”<br />
Bach informiert hier offensichtlich falsch: Das <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span>-Verbot besteht explizit bereits seit 2003, wie der Rechtsanwalt Georg Engelbrecht in einer schriftlichen Stellungnahme für den Sportausschuss des deutschen Bundestages im <a rel="nofollow" title="März 2012" href="../chronologie/marz-2012/">März 2012</a> mitteilte (Weinreich 19.3.2012).<br />
Die <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> schrieb dazu: “Nicht nur Athleten, Ärzte, Trainer und Stützpunktchefs haben sich – bestenfalls – in der Causa Erfurt als unkundig erwiesen” und verwies auf den Präsidenten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft, der ebenfalls den 1.1.2011 nannte (<span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 1.2.2012).<br />
Bekannt wurden als “Kunden” von Andreas Franke u.a. Nils Schumann, der frühere 800-Meter-Olympiasieger von Sydney 2000, James Beckford (Jamaika), der <span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span>-Zweite von 2005 im Weitsprung, Bahnrad-Nationalfahrer Jakob Steigmiller, Straßenrad-Sprinter Marcel Kittel, Radprofi Patrick Gretsch, die Eissprinterin Judith Hesse und die Eisschnelläuferin Claudia Pechstein (Burkert 9.2.2012). Pechstein veröffentlichte angeblich entlastende Emails der <span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span> und forderte den Rücktritt von <span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span>-Vorstand Lars Mortsiefer. Dieser hatte wiederholt, dass die Methode schon vor dem 1.1.2011 verboten war (<span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 8.2.2012). Der Generaldirektor der <span class="domtooltips" title="World Anti-Doping Agency">Wada</span>, David Howman, verwies im Zusammenhang mit Pechstein darauf, dass ein Athlet nach einem zweiten Vergehen mit einer verbotenen Substanz oder Methode von einer lebenslangen Sperre bedroht ist (Burkert 9.2.2012).</p>
<p>Viola von Cramon (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied des Bundes-Sportausschusses und andere fragten beim Bundesministerium des Innern (<span class="domtooltips" title="Bundesministerium des Inneren">BMI</span>) an, ob der Bund Steuermittel für <a rel="nofollow" title="Doping" href="../kritisches-olympisches-lexikon/doping/">Doping</a> einsetze. Das <span class="domtooltips" title="Bundesministerium des Inneren">BMI</span> nannte die Frage “definitiv unzulässig ja ungehörig”, musste dann aber Anfang Februar 2012 zugeben, dass <strong>die Blutmanipulationen der 30 <span class="domtooltips" title="The Olympic Partner">Top</span>-Athleten tatsächlich aus Steuermitteln finanziert</strong> wurden: “Der Arzt arbeitete auf Honorarbasis für den Olympiastützpunkt Thüringen. Nach Auskunft des OSP wurden die Behandlungen im Rahmen des bestehenden Honorarvertrages über den OSP abgerechnet” (Hartmann 3.2.2012). Die Behandlungsmethode wurde übrigens bereits im DDR-<a rel="nofollow" title="Sport" href="../kritisches-olympisches-lexikon/sport/">Sport</a> eingesetzt.<br />
Der aus Hamm in Nordrhein-Westfalen stammende Heinz-Jochen Spilker, Frankes Rechtsanwalt “war bis Ende 1990 Bundestrainer in der Leichtathletik, dann trat er zurück. Der SPIEGEL hatte aufgedeckt, dass er Sprinterinnen seines Vereins Eintracht Hamm mit Dopingmitteln versorgte…” (Hacke u. a. Der Spiegel 6.2.2012). Spilker hat es inzwischen zum Vizepräsidenten des Thüringer Landessportbundes geschafft.<br />
Fazit: “Am Ende werden – womöglich – ein Arzt angeklagt und mehrere Sportler gesperrt. Die betrübliche Nachricht ist, dass der restliche Sportbetrieb den Eindruck erweckt, als sei es damit getan… Im Bundesinnenministerium, dem Hauptfinanzier der Olympiastützpunkte, war man schon sehr zufrieden damit, wie rasch der betreffende Vertragsarzt suspendiert wurde – weiteren Überweisungen nach Erfurt steht damit nichts mehr im Weg” (Catuogno 31.1.2012).</p>
<p><strong><em>- Der Bundes-<a rel="nofollow" title="Sport" href="../kritisches-olympisches-lexikon/sport/">Sport</a>-Innenminister spricht</em></strong></p>
<p>Hans-Peter Friedrich gab der <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> Anfang Februar 2012 ein Interview (Catuogno, Herrmann 2.2.2012). Darin äußerte er u. a., “dass wir mit dem Leistungssport einen wichtigen Impuls nach innen geben, in den Breitensport, in die Gesellschaft hinein.”<br />
<em>So kann man es wörtlich auch vom <a rel="nofollow" title="DOSB" href="../kritisches-olympisches-lexikon/dosb/"><span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span></a> hören. Wir haben auf dieser Webseite mehrfach nachgewiesen, dass die Spitzensportförderungen fast immer zu finanziellen Lasten des Breitensportes gehen.<br />
</em>Auf die Frage der <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span>, warum die Nationale Anti-<a rel="nofollow" title="Doping" href="../kritisches-olympisches-lexikon/doping/">Doping</a>-Agentur <span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span> fast ein Jahr gebraucht hat, um die ersten beiden Fälle aus dem Erfurter UV-Blut-Fall vor das Sportschiedsgericht zu bringen, antwortete Friedrich, dass “ordnungsgemäße Verfahren eben eine gewisse Zeit” erforderten.</p>
<p><strong><em>- SPD im Bundestag fragt nach Blutdoping</em></strong></p>
<p>Die <span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span> ermittelte im Februar 2012 gegen die 30 Sportler. Die SPD-Bundestagsfraktion wollte Anfang März 2012 wissen, “ob direkt oder indirekt Steuergelder zur Unterstützung von <a rel="nofollow" title="Doping" href="../kritisches-olympisches-lexikon/doping/">Doping</a> eingesetzt wurden bzw. werden”. Außerdem sollen alle Olympiastützpunkte, Bundesleistungszentren und Bundesstützpunkte im Hinblick auf Blutmanipulation überprüft werden (SPD-Fraktion 8.3.2012; <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 9.3.2012. Zum UV-Blutdoping vergleiche auch den Blog-Beitrag von <a rel="nofollow" href="http://www.jensweinreich.de/2012/03/18/steuermittel-fur-eigenblutdoping-originale-lesen-pflichtlekture-zum-sportausschuss/">Jens Weinreich</a> und in <a rel="nofollow" href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,822349,00.html">spiegelonline</a>)</p>
<p>Die Aussage von <a rel="nofollow" title="DOSB" href="../kritisches-olympisches-lexikon/dosb/"><span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span></a>-Präsident Bach von Ende <a rel="nofollow" title="Januar 2012" href="../chronologie/januar-2012/">Januar 2012</a> beim Neujahrsempfang des <a rel="nofollow" title="DOSB" href="../kritisches-olympisches-lexikon/dosb/"><span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span></a>, dass die UV-Blutbehandlung “seit dem 1. <a rel="nofollow" title="Januar 2011" href="../chronologie/januar-2011/">Januar 2011</a> verboten sind”, ist falsch, siehe oben. Dies wurde bei der Anhörung im Sportausschuss des Deutschen Bundestages am 21.3.2012 noch einmal klar. Der Dopingexperte Fritz Sörgel erklärte, dass die UV-Bestrahlung von Eigenblut gemäß eines Urteils des <span class="domtooltips" title="Court of Arbitration for Sport">Cas</span> seit 2003 verboten ist. Da “jede medizinische Maßnahme” bei der <span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span> meldepflichtig ist, wird es spannend, was in den <span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span>-Fragebögen darüber zu finden sein wird (Kistner 22.3.2012).</p>
<p>Das Bundesinnenministerium erklärte dagegen noch dem Sportausschuss am 19.3.2012, dass es die Manipulationsvorwürfe in Zusammenhang mit dem OSP Erfurt weiterhin für ungeklärt hält (Herrmann 22.3.2012).</p>
<p>Vergleiche auch dazu die <a rel="nofollow" href="http://www.jensweinreich.de/2012/03/19/originale-lesen-pflichtlekture-zum-sportausschuss-das-bmi-zur-causa-erfurt/">Stellungnahme Bundesministerium des Inneren </a>bei Grit Hartmann und Jens Weinreich.<br />
<em>Das Bundesinnenministerium hat nachweislich die verbotene Dopingpraxis finanziell gefördert.</em></p>
<p><strong><em>- Neues vom Sportausschuss des Deutschen Bundestages</em></strong></p>
<p>Am 21.3.2012 traf sich der Sportausschuss des Deutschen Bundestages in wieder nichtöffentlicher Sitzung zum Thema Blutdoping in Erfurt mit den Dopingexperten Georg Engelbrecht und Fritz Sörgel. Sörgel schrieb in seiner Kurzstellungnahme vom 19.3.2012: „In dem vorliegenden Fall liegt ein klares Dopingvergehen des Sportarztes und der Sportler vor…“ (Blog Hartmann, Weinreich 19.3.2012).</p>
<p>Der CDU-Abgeordneten Klaus Riegert hatte augenscheinlich keinen Informationsbedarf und beschrieb die UV-Blutdopingaffäre in Erfurt als “Verkettung unglücklicher Umstände”. Er äußerte weiter: „Wir wehren uns gegen Vorverurteilungen“ (spiegelonline 21.3.2012).<br />
<em>Das Erfurter UV-Blutdoping wurde nur zu bewusst durchgeführt und war mitnichten eine „Verkettung unglücklicher Umstände“. Außerdem sollte dem Kriminalhauptkommissar a. D. Riegert bewusst sein, dass im Humansport Doping ein kriminelles Delikt ist.</em></p>
<p>Riegert beschimpfte Prof. Sörgel in der Sitzung als “Apotheker” und “selbsternannten Experten” (Herrmann 23.3.2012).</p>
<p>Fritz Sörgel ist seit 1994 Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Essen, u. a. seit 1987 Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg, seit 2002 Herausgeber der internationalen Fachzeitschrift “Chemotherapy” und war Richter am Internationalen Sportgerichtshof <span class="domtooltips" title="Court of Arbitration for Sport">Cas</span>. Er äußerte, der traurigste Aspekt seiner Reise nach Berlin zum Sportausschuss sei die Erkenntnis gewesen: “Die wollen keine Meinung hören, die ihnen nicht passt” (Ebenda).<br />
Der Molekularbiologe und Dopingexperte Prof. Perikles Simon berichtete im letzten Jahr ähnliches aus der deutschen Sportpolitik. Er war im <a rel="nofollow" title="September 2011" href="../chronologie/september-2011/">September 2011</a> von einer Gruppe deutscher Sportpolitiker eingeladen worden, denen er die Notwendigkeiten für einen effektiven Anti-<a rel="nofollow" title="Doping" href="../kritisches-olympisches-lexikon/doping/">Doping</a>-Kampf erläuterte: Er wurde von den Sportpolitikern ausgelacht und zog den Schluss: “Glauben Sie, da gehe ich noch einmal hin?” (Mebus 15.9.2011). Zum jetzigen Eklat im Sportausschuss äußerte Simon: “Man hat das Gefühl, dass alle Experten, die nicht ins Weltbild passen, verunglimpft werden” (Herrmann 23.3.2012).<br />
Es ist also kein Einzelfall, dass die MdB Klaus Riegert (CDU), Frank Steffel (CDU) und Eberhard Gienger (CDU) in der Sitzung am 21.3.2012 die Experten beleidigt und die Rolle der <a rel="nofollow" title="Sport" href="../kritisches-olympisches-lexikon/sport/">Sport</a>-Prolos gegeben haben: Das ist <a rel="nofollow" title="DOSB" href="../kritisches-olympisches-lexikon/dosb/"><span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span></a>-Kalkül. Der Vorgang in Erfurt hat juristische Konsequenzen, die den <a rel="nofollow" title="DOSB" href="../kritisches-olympisches-lexikon/dosb/"><span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span></a> teuer zu stehen kommen könnten. Denn Blutdoping ist, siehe oben, seit 2003 verboten. Das Bundesinnenministerium hat genau dieses UV-Blutdoping mit Bundesmitteln an den <a rel="nofollow" title="DOSB" href="../kritisches-olympisches-lexikon/dosb/"><span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span></a> bzw. den Olympiastützpunkt Erfurt unterstützt.<br />
<em>Das ist vermutlich die Strategie und Regie des <a rel="nofollow" title="DOSB" href="../kritisches-olympisches-lexikon/dosb/"><span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span></a>: Im Sportausschuss werden die Experten dumm angemacht, um das heikle Thema vom Tisch zu bekommen. Wie erwähnt nannte Riegert das verharmlosend eine “Verkettung unglücklicher Umstände”.</em><br />
Die <span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span> will die betreffenden 30 Sportler zur Rechenschaft ziehen; allerdings würde sich durch die dadurch entstehenden Kosten das Defizit der <span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span> auf 2,6 Millionen Euro verdoppeln (<span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 24.3.2012).<em><br />
</em><br />
Wer das <a rel="nofollow" href="http://www.jensweinreich.de/2012/03/06/pressehetze-ignorieren-originale-lesen-pflichtlekture-zum-sportausschuss/">Sportausschuss-Protokoll vom November 2011</a> liest (Dank an Jens Weinreich!), der erschrickt doch über die hemdsärmliche Vorherrschaft des <a rel="nofollow" title="DOSB" href="../kritisches-olympisches-lexikon/dosb/"><span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span></a> im Sportausschuss: Dessen Präsident Bach ließ es sich nicht nehmen, höchstpersönlich dort das Sportabzeichen an die teilnehmenden Ausschussmitglieder zu verteilen. Auch hier sind die Ausführungen des Abgeordneten Klaus Riegert (CDU/CSU) zur nichtöffentlichen Tagung des Ausschusses bemerkenswert, ebenso die Monologe von Bach vor dem Ausschuss zur gescheiterten Bewerbung München 2018: sie sei ein Opfer der eigenen Stärke geworden… “Alle seien genauso überrascht wie er auch”… Überhöhung der Grundstücksfragen in Garmisch-Partenkirchen&#8230; Die Mischfinanzierung sei zu 80 Prozent aus Mitteln der Wirtschaft gekommen… Die Bewerbung sei sehr sparsam finanziert gewesen (offiziell 33 Millionen Euro!) …, Bewerbung habe “trotz ihrer Erfolglosigkeit viel Gutes bewirkt”.<br />
M<em>it der CDU/CSU/FDP-Mehrheit endgültig zum Handlanger des <a rel="nofollow" title="DOSB" href="../kritisches-olympisches-lexikon/dosb/"><span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span></a> mutiert. Man könnte auch sagen: zum <strong>&nbsp;Spott-Ausschuss</strong>.</em></p>
<p><em>Quellen:</em><br />
Burkert, Andreas<br />
- “Diese Methode war schon immer verboten”, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 9.2.2012<br />
- Auch Pechstein Kunde in Erfurt? in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 30.1.2012<br />
- Plötzlich ist Schweigen, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 31.1.2012<br />
Catuogno, Claudio, Scharlatane im System, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 31.1.2012<br />
Catuogno, Claudio, Herrmann, Boris, “Wir werden Tacheles reden”, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 2.2.2012<br />
Eggers, Erik, Experten streiten über Blutdoping, in ftd 31.1.2012<br />
Fall Erfurt: Sportausschuss kommt nicht weiter, in focus.de 21.3.2012<br />
Hacke, Detlef, Ludwig, Udo, Bestrahltes Blut, in Der Spiegel 6/6.2.2012<br />
Hartmann, Grit, <a rel="nofollow" title="Doping" href="../kritisches-olympisches-lexikon/doping/">Doping</a> aus Steuermitteln finanziert, in Frankfurter Rundschau 3.2.2012<br />
Hartmann, Grit, Weinreich, Jens BLOG<br />
Herrmann, Boris<br />
- Steuergeld für Doper, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 22.3.2012<br />
- Boris, Unliebsame Wahrheiten, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 23.3.2012<br />
Kistner, Thomas, Deutsche Nadel-Mentalität, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 22.3.2012<br />
Mebus, Jörg (sid), <a rel="nofollow" title="Doping" href="../kritisches-olympisches-lexikon/doping/">Doping</a>-Jäger plagen Zweifel, in n-tv 15.9.2011<br />
<span class="domtooltips" title="Nationale Anti Doping Agentur">Nada</span> rudert zurück, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 24.3.2012<br />
Probleme mit dem Kleingedruckten, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 1.2.2012<br />
SPD-Fraktion fordert Aufklärung zu “Vorgängen am Olympiastützpunkt Thüringen”, bundestag.de 8.3.2012<br />
SPD fordert Aufklärung, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 9.3.2012<br />
Turbulente Tagung des Sportausschusses, in spiegelonline 21.3.2012<br />
“Verbotene Lichttherapie”, in “<a rel="nofollow" title="sport" href="../kritisches-olympisches-lexikon/sport/">sport</a> inside”, wdr.de 30.1.2012<br />
“War uns bekannt”, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 8.2.2012<br />
Weinreich, Jens<br />
- Blutbestrahlung im Olympiastützpunkt, in spiegelonline 19.3.2012<br />
- Blog: 2012/03/18/steuermittel-fur-eigenblutdoping, 18.3.2012<br />
Weinreich, Jens, Hartmann, Grit, Blog: pflichtlekture-zum-sportausschuss-das-<span class="domtooltips" title="Bundesministerium des Inneren">bmi</span>-zur-causa-erfurt, 19.3.2012</p>
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		<title>St. Moritz 2022 ?</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Mar 2012 14:33:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>yw</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[14.3.2012
Bei einem nationalen Vorausscheid am 11. August 2011 setzten sich Davos und St. Moritz mit 8:4 gegen die Bewerbung von Genf durch.
St. Moritz war bereits 1928 und  1948 Ausrichter von Olympischen Winterspielen. Im Dezember 2011 wurde entschieden, dass die Bewerbung 2022 nicht mehr unter dem Namen Davos/St. Moritz laufen wird, sondern nur <a href="http://www.nolympia.de/2012/03/st-moritz-2022/" class="read_more">... weiterlesen >></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.nolympia.de/wp-content/uploads/10-1245.jpg"><img class="aligncenter" title="© Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Sylvia Hamberger" src="http://www.nolympia.de/wp-content/uploads/10-1245.jpg" alt="" width="800" height="350" /></a></p>
<p>14.3.2012</p>
<p>Bei einem nationalen Vorausscheid am 11. August 2011 setzten sich Davos und St. Moritz mit 8:4 gegen die Bewerbung von Genf durch.</p>
<p>St. Moritz war bereits 1928 und  1948 Ausrichter von Olympischen Winterspielen. Im Dezember 2011 wurde entschieden, dass die Bewerbung 2022 nicht mehr unter dem Namen Davos/St. Moritz laufen wird, sondern nur noch im Namen von St. Moritz (Wikipedia)<em>. </em>Hinter der Bewerbung steht eine kleine Gruppe um Swiss Olympic.</p>
<p>Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung hatte den Untertitel: “Die Einheimischen fühlen sich vom Protz-Publikum immer mehr an den Rand gedrängt” (Koydl, Wolfgang, Darben im Champagnerklima, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 26.1.2012). Der Ort wurde zum Synonym einer Zwei-Klassengesellschaft.<br />
<em></em></p>
<p><em>Die zweite Klasse:</em><br />
“Zweieinhalbtausend Franken Miete für eine kleine Drei-Zimmer-Wohnung – das ist Züricher oder Genfer Niveau” (Ebenda). Bauplätze gibt es fast keine mehr – und wenn, dann zu unerschwinglichen Preisen. Der Mietwohnungsbau geht gegen Null: Für Einheimische bleibt kaum Wohnraum. “In der Nachbargemeinde Madulain gibt es schon mehr Zweitwohnungen als Einheimische” (Ebenda). Zum Einkaufen gibt es einen einzigen Coop-Supermarkt und Einzelhändler fast nicht mehr.<br />
Viele Beschäftigte können sich hier schon lange keine Wohnung mehr leisten: Sie kommen ab morgens 4.44 mit der ersten Bahn aus Zernez oder Scuol im Unterengadin. Oder täglich sogar bis aus Italien: über den Grenzübergang Castasegna durch das ganze Bergell zum Malojapass nach St. Moritz und zurück.</p>
<p><em>Die erste Klasse:</em><br />
Die Via Suvretta in St. Moritz ist die sechst-teuerste Wohnstraße der Welt. Hier liegen die Villen der Superreichen: u. a. der Dynastien Agnelli, Onassis, Niarchos, der IKEA-Eigner Ingvar Kamprad, der Stahlmagnat Lakshmi Mittal, der Chef des Rohstoffkonzerns Glencore, Ivan Glasenberg. Die Nobelboutiquen haben die Einzelhändler verdrängt. Sie liegen dicht an dicht.</p>
<p><a rel="nofollow" title="Olympische Spiele" href="../kritisches-olympisches-lexikon/olympische-spiele/">Olympische Winterspiele</a> 2022 in St. Moritz würden dieses ganze Dilemma noch einmal verschärfen: Denn an allen Austragungsorten steigen üblicherweise Immobilienpreise und Mieten.</p>
<p><strong>Volksinitiative «Schluss mit dem uferlosen Bau von Zweitwohnungen»</strong></p>
<p>Der Zweitwohnungsanteil in St. Moritz beträgt bereits über 50 Prozent. Eine gerade erst abgestimmte Volksinitiative «Schluss mit dem uferlosen Bau von Zweitwohnungen» wurde in der Schweiz positiv abgestimmt und verlangt, dass der Anteil Zweitwohnungen pro Gemeinde maximal 20 Prozent betragen darf.</p>
<p>In Gemeinden, in denen die 20-Prozent-Grenze bereits überschritten ist, wird die Bestimmung wahrscheinlich einen Baustopp für Zweitwohnungen bedeuten. Die Initianten hatten jene Nebenwohnsitze im Visier, die nur wenige Wochen pro Jahr von ihren Besitzern genutzt werden und ansonsten leer stehen („Zweitwohnungs-Initiative: Weber ist stolz auf die Schweiz» in tagesanzeiger.de, 11.3.2012)</p>
<p>&nbsp;</p>
<div class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://www.nolympia.de/wp-content/uploads/10-12461.jpg"><img class=" " title="© Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Sylvia Hamberger" src="http://www.nolympia.de/wp-content/uploads/10-12461.jpg" alt="" width="450" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Zweitwohnungsbau im Oberengadin, Sommer 2011</p></div>
<p>«Das Ja ist eine gute Sache. Es gibt kein grünes Stückchen Land mehr im Dorf.» Die Einheimische in St. Moritz hofft nun, dass die Initiative wie angekündigt umgesetzt werde. Ausnahmen dürfe es nicht oder zumindest nicht zu viele geben. «Sonst bekommen die Gegner doch wieder, was sie wollen.» Eine andere Einheimische erzählt, wie sie nur «durch Zufall und Vitamin B» zu einer neuen Wohnung gekommen sei – nach monatelanger Suche. «Ich habe nichts Bezahlbares gefunden. Währenddessen steht mehr als die Hälfte der Wohnungen leer.» Besonders schlimm sei es in der Zwischensaison, dann sei das Dorf «regelrecht tot» (Simone Rau: „Ratlosigkeit in St. Moritz“, in tagesanzeiger.de, 13.3.2012).</p>
<p>Im Abstimmungskampf engagierte sich auch die Bündner SP-Nationalrätin Silva Semadeni, die als Vertreterin ihres Kantons und Präsidentin von Pro Natura sowohl für die Interessen des Tourismus als auch für jene der Initianten kämpft. Für Semadeni kein Widerspruch. Denn: «Gerade ein so schöner Kanton wie Graubünden braucht eine qualitative touristische Entwicklung, nicht Investitionen in den Zweitwohnungsbau.»</p>
<p>Die Beschränkung des Zweitwohnungsbaus nutze dem Tourismus. Denn sie zwinge die Regionen, mit ihrem Grundkapital, «der Natur, der Ortsbilder», sorgfältig umzugehen. «Wir müssen zur Landschaft Sorge tragen und Authentizität pflegen. Wir müssen uns selber bleiben.» Dass die Gemeindepräsidenten der betroffenen Gebiete gegen die Initiative gekämpft haben, kann Semadeni nachvollziehen. «Sie sind unter starkem Druck der Baulobby, der Immobilienfirmen, der Bodenbesitzer. Es ist nicht einfach, einer solchen Gemeinde vorzustehen» (Claudia Blumer: „Mit 20 Prozent Zweitwohnungsbau kann eine Tourismusregion nicht leben“, in tagesanzeiger.de, 11.3.2012).</p>
<p><strong><em>St. Moritz 2022: fix und temporär</em></strong></p>
<p>Die Olympia-Macher arbeiten eifrig an der Bewerbung St. Moritz 2022. Ein Logo gibt es bereits, allerdings keine Zahlen über die Kosten, wie Gian Gilli, der “operative Leiter des Vereins Olympische Winterspiele Graubünden” einräumte.<br />
Gilli mahnte auch angesichts der Volksabstimmung in Graubünden “andere Denkmuster” an: “Das ist ein Generationenprojekt mit großem Entwicklungspotenzial für unseren Lebensraum im Berggebiet und unsere Kultur” (Gian Gilli: “Es braucht wieder die Denkweise der Pioniere”, in suedostschweiz.ch 23.2.2012).<br />
Da in Graubünden wenig Bedarf an den Olympischen Wettkampfstätten besteht, wird ein Teil als fixe Anlagen geplant, ein zweiter Teil als “kombinierte” fixe und temporäre Anlagen und ein dritter als rein temporärer Teil.<br />
So soll die Eissporthalle in Samedan während der Spiele 10.000 Plätze und danach 2.500 Plätze haben; die 120-Meter-Schanze in St. Moritz würde “nur für die Spiele zur Verfügung stehen” und dann ebenfalls des Rückbaus harren (Ebenda).<br />
“Olympia in der Schweiz ist nur denkbar, wenn das <a rel="nofollow" title="IOC" href="../kritisches-olympisches-lexikon/ioc/"><span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span></a> bereit ist, die Beschränkungen des Alpenraums zu akzeptieren. Dennoch wäre der Aufwand gewaltig und eine Portion Wahnsinn nötig, um diesen zu leisten” (Geisser, Remo, Eine Portion Wahnsinn nötig, in nzz.ch 12.2.2012).</p>
<p>Mitte März kündigte der &#8220;Verein Olympische Winterspiele Graubünden 2022&#8243; eine Machbarkeitsstudie an. Wie bei allen olympischen Bewerbungen der letzten Jahre war in dieser Medieninformation viel von Nachhaltigkeit, Respekt vor der Natur und ähnlichem die Rede (Medieninformation Graubünden 2022, 14.3.2012).<br />
<span style="font-style: italic;"> Bei der konkreten Durchführung der Spiele sieht es dann für gewöhnlich ganz anders aus.</span><br style="font-style: italic;" /><span style="font-style: italic;"><br />
</span>Der Architekt Rainer Quenzer erläuterte zum Sportstättenkonzept: &#8220;Nach den Spielen werden nur Sportstätten, Gebäude und Infrastrukturen stehenbleiben, für die ein eigentlicher Bedarf besteht und die dann sinnvoll und zu vernünftigen Kosten weiterbetrieben werden können. Alle anderen Bauten konzipieren wir schon heute so, dass sie nach den Spielen abgebaut und möglichst an einem anderen Ort wieder zum Einsatz kommen können&#8221; (Ebenda).<br />
<span style="font-style: italic;">Das bedeutet im Klartext, dass wohl die meisten olympischen Bauten 2022 wieder abgerissen bzw.  eingelagert würden. Mit der viel beschworenen Nachhaltigkeit hat dies nichts zu tun.</span></p>
<p>Am 25.11.2012 soll die Volksabstimmung für das Bündner Stimmvolk und die Bevölkerung von St. Moritz stattfinden. Bis dahin warten die von Gian Gilli als &#8220;begeistert&#8221; angekündigten Sponsoren ab. Damit steht bis zur Volksabstimmung überhaupt nicht fest, ob die angekündigte Finanzierung der Kandidatur zustande kommt: Je ein Drittel sollen Bund, Kantone und Privatwirtschaft aufbringen (Hofmann, Fadrina, Gian Gilli stellt sein Olympia-2022-Team vor, in Südostschweiz 15.3.2012).</p>
<p><strong>Widerstand gegen Olympia-Pläne</strong><strong><br />
</strong><strong>Das Komitee Olympiakritisches Graubünden wird sich gegen Pläne einer bündnerischen Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2022 und folgende zur Wehr setzen. siehe dazu:   </strong></p>
<p><strong><a href="http://www.umwelt-graubuenden.ch">www.umwelt-graubuenden.ch</a> </strong><strong></strong></p>
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		<title>Neues von Sotschi 2014</title>
		<link>http://www.nolympia.de/2012/02/neues-von-sotschi-2014/</link>
		<comments>http://www.nolympia.de/2012/02/neues-von-sotschi-2014/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 20 Feb 2012 14:59:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Zängl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[20.2.2012
Sicherheit in Sotschi
Olympischer Vorgeschmack: Im Februar 2012 war Premiere des Abfahrtslaufes in Sotschi. 5000 Bewaffnete sicherten die Sportveranstaltung &#8211; schließlich liegt Sotschi nicht weit von Georgiens Grenze entfernt. Die Generalsekretärin der FIS, Sarah Lewis, erklärte die Hintergründe: &#8220;Russland als Alpinland ist für die Zukunft des Skisports und der Industrie sehr wichtig&#8221; (Handschlag von <a href="http://www.nolympia.de/2012/02/neues-von-sotschi-2014/" class="read_more">... weiterlesen >></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>20.2.2012</p>
<p><strong><em>Sicherheit in Sotschi</em></strong><br />
Olympischer Vorgeschmack: Im Februar 2012 war Premiere des Abfahrtslaufes in Sotschi. 5000 Bewaffnete sicherten die Sportveranstaltung &#8211; schließlich liegt Sotschi nicht weit von Georgiens Grenze entfernt. Die Generalsekretärin der FIS, Sarah Lewis, erklärte die Hintergründe: &#8220;Russland als Alpinland ist für die Zukunft des Skisports und der Industrie sehr wichtig&#8221; (Handschlag von Medwedjew, in faz.net 13.2.2012).<br />
Da muss wohl noch etwas für die Zukunft geübt werden: Bei diesem Abfahrtslauf in Sotschi belegte der beste Russe den 44. Platz!</p>
<p><strong><em>Zerstörungen</em></strong><br />
Der WWF Russland rügte die Zerstörung der Natur und die unzähligen abgeholzten Bäume: &#8220;Die Schäden sind noch größer als wir erwartet haben und können nicht mehr gut gemacht werden&#8221; (Aumüller, Johannes, Heißer Schnee, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 15.2.2012). &#8220;Die Stadien &#8211; fünf an der Zahl -, werden direkt am Meer in einem ehemaligen Vogelschutzgebiet&nbsp; errichtet&#8230; Eine Million Kubikmeter Holz ist den Bauarbeiten bisher zum Opfer gefallen&#8221; (Pichler-Hausegger, Barbara, Bau-Stelle: Milliardenprojekt Sotschgi, tv.orf.at 20.2.2012).<br />
Die österreichische Seilbahnfirma Doppelmayr baut hier 40 Seilbahnen; mit einer kann man sogar Autos transportieren.<br />
&#8220;Keinen Augenblick denkt ein großer Macher an das Leid, das Umsiedlungen von Menschen nach sich ziehen, an den Kater nach dem großen Fest, an die Schuldenlast, die Jahrzehnte drücken wird. In einer Zeit, in der Staaten vor dem finanziellen Kollaps stehen, ist diese Haltung bedenklich&#8221; (Geisser, Remo, Eine Portion Wahnsinn nötig, in nzz.ch 12.2.2012).<br />
Sotschi 2014 kostet nicht nur Landschaft und Natur, sondern auch weit mehr als 24 Milliarden Euro und wird damit zu den bislang teuersten Winterspielen &#8211; Pyeongchang 2018 wird sich anstrengen müssen!<br />
<em>München 2018 ist glücklicherweise in diesem olympischen Preiskarussell nicht mehr dabei!</em></p>
<p><strong><em>Oligarchen-Bauten</em></strong><br />
Fünf Oligarchen und russische Konzerne wurden &#8220;eingeladen&#8221; und bauen nun die fünf Wintersportressorts. Der von Wladimir Putin geförderte vielfache Nickel-Milliardär Wladimir Potanin baut Rosa Khutor, der Mischkonzern von Milliardär (und Anteilseigner des österreichischen Strabag-Konzerns) Oleg Deripaska baut das Olympische Dorf, Gazprom baut das Skizentrum mit Langlauf und Biathlon.<br />
Russland muss &#8211; unabhängig von den Investitionen der fünf Firmengebilde &#8211; geschätzte 24 Milliarden Euro für Infrastrukturmaßnahmen aufbringen: für z.B. das Olympiastadion (44.000 Plätze), das Olympische Dorf mit vorgelagertem Yachthafen, Flughafen, Elektrizitätswerk, Medienzentrum, Themenpark, Schnellbahn etc. Offiziell arbeiten 50.000 Arbeiter daran, inoffiziell wird von 200.000 Arbeitern geredet (Smejkal, Michael, Disneylands Härten, in sueddeutsche.de 13.2.2012). Allein die neuen Verkehrswege kosten sechs Milliarden Euro.</p>
<p><strong><em>Sotschi feiert, Russland friert</em></strong><br />
Mitte Februar 2012 gab es schon <strong>215 Kältetote in Russland</strong>, 5500 Menschen wurden wegen Unterkühlung behandelt. &#8220;Besonders betroffen war demnach der Süden des Landes, wo auch das völlig verarmte Konfliktgebiet Nordkaukasus liegt&#8221; (Immer mehr Kälteopfer in Russland, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 14.2.2012). Sotschi liegt an der Schwarzmeerküste des Nordkaukasus.<br />
<em>Die Olympische Familie und die Athleten feiern, die Bevölkerung erfriert&#8230;</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Italien zieht Olympische Bewerbung 2020 zurück</title>
		<link>http://www.nolympia.de/2012/02/italien-zieht-olympische-bewerbung-2020-zuruck/</link>
		<comments>http://www.nolympia.de/2012/02/italien-zieht-olympische-bewerbung-2020-zuruck/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 15 Feb 2012 09:53:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Zängl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nolympia.de/?p=4958</guid>
		<description><![CDATA[15.2.2012
Die italienische Regierung unter Ministerpräsident Mario Monti stieg am 14.2.2012 aus dem Rennen
um Olympische Sommerspiele 2020 aus. Letzter möglicher Anmeldetermin wäre der 15.2.2012 gewesen, um die vom IOC geforderten staatlichen Garantien in Lausanne abzuliefern. 60 italienische Spitzenathleten appelierten kurz zuvor an die Regierung, die Kandidatur zu unterstützen.
Die Begründung von Mario Monti: Die <a href="http://www.nolympia.de/2012/02/italien-zieht-olympische-bewerbung-2020-zuruck/" class="read_more">... weiterlesen >></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>15.2.2012</p>
<p>Die italienische Regierung unter Ministerpräsident Mario Monti stieg am 14.2.2012 aus dem Rennen<br />
um Olympische Sommerspiele 2020 aus. Letzter möglicher Anmeldetermin wäre der 15.2.2012 gewesen, um die vom <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span> geforderten staatlichen Garantien in Lausanne abzuliefern. 60 italienische Spitzenathleten appelierten kurz zuvor an die Regierung, die Kandidatur zu unterstützen.<br />
Die Begründung von Mario Monti: Die schlechte Wirtschaftslage erlaube es nicht, Steuergelder in Olympische Spiele zu investieren und finanzielle Garantien abzugeben. Die schwierige Situation der italienischen Wirtschaft könne nicht ignoriert werden. Es wäre “nicht konsequent, eine derartige Garantie abzugeben und Gelder der Steuerzahler zu riskieren” (Piller, Tobias, Kein Geld für Rom, in faz.net 14.2.2012).<br />
Das abschreckende Beispiel der Olympischen Sommerspiele 2004 in Athen mit inzwischen auf 30 Milliarden Euro geschätzten Kosten und einem milliardenschweren Defizit sowie die Vervielfachung der Kosten von London 2012 schreckten die italienische Regierung ab (Roma 2020, il governo dice no, in corriere della sera 12.2.2012).<br />
Die Kosten für eine Ausrichtung der Spiele Rom 2020 wurden mit 9,5 Milliarden Euro angesetzt. London 2012 kostet schon jetzt knapp das Dreifache und nach Sky TV sogar das Zehnfache der ursprünglich angesetzten Summe! Jens Weinreich schrieb zu den stets weitaus zu niedrig angegebenen olympischen Kosten: &#8220;Dass diese Summen nichts mit der Realität gemein haben, gehört zu den olympischen Grundgesetzen &#8211; nicht nur in Italien. Am Ende dieses Abenteuers &#8211; gerade auch in Italien &#8211; wäre ein Vielfaches dieser neuneinhalb Milliarden verprasst worden&#8221; (Weinreich, Jens, Rom und die Olympia-Finanzen, in dradio.de&nbsp; 19.2.2012).<br />
Diesen Prozess, der bei München 2018 identisch ablief, beschrieb Weinreich so: &#8220;An derlei Wahrheitsbeugungen beteiligen sich stets auch so genannte Wissenschaftler und Wirtschaftsberatungsgesellschaften, die mit bezahlten Gutachten die Öffentlichkeit täuschen, selbst gut daran verdienen und den Olympia-Kreislauf in Gang halten. Mahnende Stimmen gibt es kaum. Es ist nun gewissermaßen ein historisches Verdienst des Wirtschaftswissenschaftlers Mario Monti, die Spirale des Wahnsinns punktuell zu stoppen&#8221; (Ebenda).</p>
<p>Das <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span> verlangt von allen Bewerbern um Olympische Spiele umfangreiche Garantien, welche die italienische Regierung angesichts der wirtschaftlichen Situation nicht abgeben kann&nbsp; (Italien zu klamm für Olympische Spiele, in spiegelonline 14.2.2012; Sportpolitik – <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span>: Rom zieht Olympia-Kandidatur für 2020 zurück, in sueddeutsche.de 14.2.2012).<br />
<span style="font-style: italic;">Bravo! Eine weise Entscheidung – und ein <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span>-Opfer weniger!</span></p>
<p><span class="domtooltips" title="Deutscher Olympischer Sportbund">DOSB</span>-Präsident Bach sagte hingegen: “… aber meiner Ansicht nach hat die italienische Regierung eine Chance versäumt, ein Signal für wirtschaftliches Wachstum zu senden” (Grohmann, Karolos, Wieder ostwärts?, in wienerzeitung.at 16.2.2012). Weinreich bezeichnete das Statement Bachs als &#8220;üblichen olympischen Singsang&#8221; (Weinreich 19.2.2012).<br />
<em> Schwer zu glauben, dass Bach seine Aussage ernst nimmt!</em></p>
<p>Als olympische Kandidaten 2020 verblieben schließlich noch&nbsp; Baku (Aserbeidschan, Erdöl, Erdgas), Doha (Katar, Erdöl, Erdgas), Madrid, Tokio und Istanbul.<br />
Spanien ist in einer ebenso schlechten finanziellen Situation wie Italien: Und Madrid ist derzeit mit 6,4 Milliarden Euro verschuldet. Treibende Kraft der spanischen Bewerbung ist <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span>-Mitglied Juan Antonio Samaranch junior &#8211; der Senior <a rel="nofollow" href="../kritisches-olympisches-lexikon/samaranch-juan-antonio/">Juan Antonio Samaranch</a> war 21 Jahre <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span>-Präsident. Also bewirbt sich Madrid offiziell um 2020 (Cáceres, Javier, Alles für Olympia, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 21.2.2012). Und Japan bräuchte die Milliarden für Olympische Spiele wahrlich dringender für die Opfer desTsunami und dem Atom-Gau von Fukushima.<br />
Warum die autoritären Staaten Katar und Aserbeidschan auf Olympische Spiele setzen? Das ist historisch betrachtet nicht neu: Diktatorische Regimes wie Hitler-Deutschland mit den Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen und Berlin 1936, der UDSSR (Moskau 1980), China (Peking 2008) etc. frönen dem olympischem Sportsgeist.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Sein oder Nichtsein: Die Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen</title>
		<link>http://www.nolympia.de/2012/01/sein-oder-nichtsein-die-ski-wm-in-garmisch-partenkirchen/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 13:31:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sylvia Hamberger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[30-1-2012

Der Organisator der teuren Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen, Peter Fischer, hat sich für eine neue WM-Bewerbung des Ortes für 2021 oder 2023 ausgesprochen: “Sonst fallen wir infrastrukturell wieder in ein Loch wie nach 1978″ (Fellner, Christian, Fischer fordert neue WM-Bewerbung, in Münchner Merkur 21.1.2012). Außerdem, so Fischer, der auch 1. Vorsitzender des Skiclub Garmisch <a href="http://www.nolympia.de/2012/01/sein-oder-nichtsein-die-ski-wm-in-garmisch-partenkirchen/" class="read_more">... weiterlesen >></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p title="Garmisch-Partenkirchen"><strong><em>30-1-2012<br />
</em></strong><br />
Der Organisator der teuren Ski-<span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span> 2011 in Garmisch-Partenkirchen, Peter Fischer, hat sich für eine neue <span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span>-Bewerbung des Ortes für 2021 oder 2023 ausgesprochen: “Sonst fallen wir infrastrukturell wieder in ein Loch wie nach 1978″ (Fellner, Christian, Fischer fordert neue <span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span>-Bewerbung, in Münchner Merkur 21.1.2012). Außerdem, so Fischer, der auch 1. Vorsitzender des Skiclub Garmisch ist, sei Garmisch-Partenkirchen  “jetzt ein anderer Ort als vor der <span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span>, viel selbstbewusster” (Ebenda).</p>
<p title="Garmisch-Partenkirchen">Am 25.1.2012, nur wenige Tage vor den vier Weltcup-Rennen in Garmisch-Partenkirchen, stellte der Präsident des deutschen Skiverbandes (DSV), Alfons Hörmann, die erneute Bewerbung für eine Alpine Ski-<span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span> in Frage und äußerte dazu, der DSV müsse “sehr grundsätzlich diskutieren, ob wir als DSV dauerhaft in Garmisch-Partenkirchen gut aufgehoben sind” (Holzapfel, Matthias, Verliert Garmisch-Partenkirchenden Ski-Weltcup? in Münchner Merkur 25.1.2012).</p>
<p title="Garmisch-Partenkirchen">Er nannte auch schon andere Austragungsorte: „Wir haben uns klar zum Ausbau des Jenner bekannt, wir haben Oberjoch und prüfen ein, zwei weitere Alternativen.“ Auch Zwiesel mit dem Arber-Skigebiet im Bayerischen Wald ist wieder im Gespräch. Denn man könne sich auf Garmisch-Partenkirchen „nicht mehr verlassen. Der Ort müsse “in Wort und Taten dokumentieren, dass er unabdingbar hinter dem Spitzensport” stehe.</p>
<p title="Garmisch-Partenkirchen">Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Peter Fischer (OK) und dem Garmisch-Partenkirchner Bürgermeister Thomas Schmid sollten die Wogen geglättet werden.  Schmid äußerte: Der Weltcup „hat sich rentiert und wird sich weiter rentieren“ (Ebenda).</p>
<p title="Garmisch-Partenkirchen">Fragt sich nur – für wen eigentlich?</p>
<p><strong>Das Geld</strong></p>
<p>Als Kritikpunkt nannte Hörmann, dass die Bayerische Zugspitzbahn AG vom Organisationskomitee 30.000 Euro für Tickets der Helfer und Sportler und 50.000 Euro für Parkgebühren und weitere Leistungen der BZB berechnen würde. “Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie sich die Frage der Finanzierung zunehmend auf unsere Seite verschiebt” (Holzapfel, Matthias, Verliert Garmisch-Partenkirchen den Ski-Weltcup? in Münchner Merkur 25.1.2012).</p>
<p>Da die Kommune Garmisch-Partenkirchen zur Entlastung ihres Haushalts ihre Schneekanonen und den Pistendienst an ihre Tochter Bayerische Zugspitzbahn AG verkauft hat, ist diese nun zuständig, muss aber als Aktiengesellschaft schwarze Zahlen schreiben. „Es sei nicht vordringliche Aufgabe einer AG, mit Gratis-Leistungen für Weltcuprennen das Vermögen des bestens ausgestatteten Skiclubs Garmisch als Ausrichterverein noch zu vermehren“ wird der BZB-Vorstand Peter Huber dazu zitiert (Effern, Heiner, Neudecker, Michael, „Das macht die Leute mürben“ in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span>, 301.2012).</p>
<p>Zur Erinnerung<strong>: </strong>Die <span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span> 2011 erbrachte ein positives finanzielles Ergebnis von mindestens 5 Millionen Euro, die trotz hoher Unkosten nicht der Gemeinde- oder der Staatskasse zugute kamen, sondern dem <span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span>-OK als 100-prozentiger Tochter des Deutschen Skiverbands. Der Chef des Deutschen Skiverbandes wurde 2011 dazu zitiert: „Wir haben den Beweis erbracht. Das Vorurteil, dass Großsportveranstaltungen nur Geld kosten, stimmt nicht“ (Effern, Heiner „Garmisch beschert dem Skiverband einen Millionengewinn“, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 18.4.2011).</p>
<p>Die <span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span> selbst kostete mindestens 31 Millionen Euro – fast ausschließlich aus Steuergeldern, sowie 1,5 Millionen Euro von der Bundesregierung für das “Kulturprogramm” (ursprünglich war dieses Geld für den Breitensport in den neuen Bundesländern eingeplant!) – und wurde fast vollständig in für das opulente Eröffnungsspektakel der <span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span> 2011 ausgegeben.<em> </em></p>
<p>Allein der Ausbau des Gudibergs für die <span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span> kostete 6,1 Millionen Euro – davon zahlten Bund und Land 4,1 Millionen Euro. Die Pisten wurden auf 15 Meter verbreitert; neben der Piste wurden Strom- und Wasserleitungen und die Beschneiungsanlagen installiert.<strong> </strong></p>
<p>Bürgermeister Schmid betonte bei der Pressekonferenz mit Hörmann, durch die <span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span> 2011 habe der Ort das hohe Einnahmeniveau aus dem Jahr 2010 halten können. Kein Wunder: Die Zeche zahlt jetzt vor allem die Zugspitzbahn.</p>
<p>Die bayerische Zugspitzbahn (BZB) als Betreiberin des Skigebiets, fuhr bereits mit der <span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span> ins Minus. In der <span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span>-Zeit fuhren so gut wie keine Skifahrer auf der Zugspitze, obwohl die Gemeinde schon früh informiert hatte, dass der normale Skibetrieb dort von der <span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span> nicht betroffen sei (<span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 7.2.2011). Der kaufmännische Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn, Peter Theimer, sagte: “Allein auf der Zugspitze haben wir im Vergleich zum Vorjahr die Hälfte der Gäste verloren. Die Leute haben den Ort während der <span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span> gemieden” (Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 19.3.2011).</p>
<p>Die Gemeinde muss für den Weltcup 2012 nach eigenen Angaben etwa 400.000 Euro zahlen, der DSV steuert angeblich einen ähnlichen Betrag bei. Die Bayerische Zugspitzbahn geht aber von deutlich höheren Unkosten aus (Höb, Christian, Neudecker, Michael, „Sie wollen uns hier einfach nicht haben“, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span>, 28<ins cite="mailto:Wolfgang%20Zängl" datetime="2012-01-30T14:17">.</ins>1.2012). Nach Hintergrundinformationen dürften die bisher bekannten Kosten nur die Spitze des finanziellen Eisberges sein.</p>
<p><strong>Der Klimawandel</strong></p>
<p>Als weiteren Grund seiner Kritik an Garmisch-Partenkirchen nannte DSV-Chef Hörmann den Pisten-Zustand. Eine Fokussierung auf den Touristenskilauf, die die BZB beabsichtigt, hält er für problematisch. Nicht den normalen Skifahrern sollen die Hänge zugute kommen. Denn man müsse sehen, dass der <span style="text-decoration: underline;">gute Zustand des Skigebietes</span> erst durch den Leistungssport ermöglicht worden ist. Nach den getätigten Investitionen in Millionenhöhe – na, wer hats gezahlt? – sei „das Skigebiet ja nicht wiederzuerkennen gewesen“ (Effern, Heiner, Neudecker, Michael, „Das macht die Leute mürben“ in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span>, 301.2012).</p>
<p>Wie wahr: Über den brachialen <a rel="nofollow" href="http://www.goef.de/Olympische%20Winterspiele%202018?DokuWiki=a54f7180147b61257ad37d47294eb0d5">Ausbau der Kandahar</a> haben wir eine Fotodokumentation mit der Vorgeschichte der Kandahar veröffentlicht.</p>
<p>Die Kritik am Zustand der Pisten durch DSV-Präsident Hörmann geht offenbar in die falsche Richtung. Der Pistenzustand hat globale Gründe &#8211; den Klimawandel:</p>
<p>„Es war zu warm in Garmisch, noch in der vergangenen Woche war die Piste grün. Dann schlug das Wetter um, es wurden Schneekanonen eingesetzt, doch dann spülte der Regen Teile des Kunstschnees wieder weg. Auch deshalb werden die Rennen nicht auf dem für die <span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span> neu gebauten Abschnitt mit dem spektakulären „Freien Fall“ ausgetragen, sondern auf der alten Strecke“ (Höb, Christian, Neudecker, Michael, „Sie wollen uns hier einfach nicht haben“, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span>, 281.2012). Mit einem Gefälle von 90 % ist der sogenannte &#8220;Freie Fall&#8221; die steilste Stelle im gesamten Weltcup. Für diesen Pistenabschnitt wurde sogar gesetzlich ausgewiesener Schutzwald gerodet. Aber nicht nur Skifahrer kommen hier schnell runter. Auch der Hang selbst ist rutschgefährdet.</p>
<p>Die schnellen Wechsel zwischen Starkschneefällen und Tauwetter sind bereits Folgen des <a rel="nofollow" href="http://www.nolympia.de/grunde-gegen-olympia-2018/klimawandel/">Klimawandels</a>. Diese Folgen werden sich von Jahr zu Jahr verstärken. Der IPCC-„Sonderbericht Extremwetter“ 2011 (<a title="http://www.ipcc.ch" href="http://www.ipcc.ch/" target="_blank">www.ipcc.ch</a>) sagt eine deutliche weitere Zunahme extremer Wetterlagen voraus.</p>
<p>Kein Ski- und Ski-<span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span>-Gebiet bleibt davon verschont.</p>
<p>Das sollte sich Herr Hörmann klarmachen, bevor er auch am Jenner und anderen Berghängen der Mittelgebirge und Alpen den <span class="domtooltips" title="Weltmeisterschaft">WM</span>-tauglichen Ausbau mit massiven ökologischen und ökonomischen Schäden fordert.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Olympische Jugend-Verführungen</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 15:57:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Zängl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[19.1.2012, aktualisiert 25.1.2012

Warum Olympische Jugendspiele?
Im Juli 2007 beschlossen die IOC-Mitglieder bei ihrer Session in Guatemala auf Vorschlag von Jacques Rogge einstimmig eine Jugendversion der Olympischen Spiele. Bei den Olympischen Sommer-Jugendspielen sollen maximal 3500 Jungsportler und 875 Betreuer mitmachen, bei den Olympischen Winter-Jugendspielen 1000 Jungsportler und 500 Betreuer.
Die ersten Olympischen Jugend-Sommerspiele fanden 2010 <a href="http://www.nolympia.de/2012/01/olympische-jugend-verfuhrungen/" class="read_more">... weiterlesen >></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>19.1.2012, aktualisiert 25.1.2012<em><strong><br />
</strong></em></p>
<p><em><strong>Warum Olympische Jugendspiele?</strong></em><br />
Im Juli 2007 beschlossen die <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span>-Mitglieder bei ihrer Session in Guatemala auf Vorschlag von Jacques Rogge einstimmig eine Jugendversion der Olympischen Spiele. Bei den Olympischen Sommer-Jugendspielen sollen maximal 3500 Jungsportler und 875 Betreuer mitmachen, bei den Olympischen Winter-Jugendspielen 1000 Jungsportler und 500 Betreuer.<br />
Die ersten Olympischen Jugend-Sommerspiele fanden 2010 in Singapur statt, die ersten Olympischen Jugend-Winterspiele 2012 in Innsbruck/Österreich. Dann ist 2014 Nanjing/China 2014 dran, und so weiter. Der Dollar/Euro/Rubel rollt. Und die Gelder für die Fernsehrechte fließen, ebenso wie die Sponsorengelder: &#8220;Die Sponsoren waren nicht zu übersehen in Innsbruck&#8230;&#8221; (Hahn, Thomas, Hoffnungsfabrik Innsbruck, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 24.1.2012).<br />
Die Olympischen Jugendspiele sind ein Lieblingskind des <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span>-Präsidenten Jacques Rogge und sollen sich als weitere Cash Cow entwickeln. Sie sollen sich aber auch behaupten gegen <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span>-ferne Aktivitäten wie die X-Games, die Ticket-To-Ride-Tour (TTR) etc.<br />
Und sie bieten eine weitere Möglichkeit für das <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span>, “um abgelehnte Bewerberstädte für Olympische Sommerspiele und Winterspiele zu vertrösten” (Michalek 15.1.2012).<br />
Dabei birgt diese neue <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span>-Spezialität für die jungen Sportler vielfältige Gefahren, nicht zuletzt &#8220;eine immer frühere Ausrichtung der jugendlichen Athleten auf Großereignisse und Spitzenergebnisse&#8221; (Bauer 23.1.2012). Auch hier gibt es &#8211; aus gutem Grund &#8211; Dopingkontrollen.</p>
<p><em><strong>Die Kosten trägt der Steuerzahler</strong></em><br />
Vom 13. bis 22. 1.2012, also zehn Tage lang, kämpfen in Innsbruck 1000 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren aus 70 Nationen in sieben Sportarten und 15 Disziplinen um Medaillen.<br />
Die Kosten der ersten Olympischen Sommer-Jugendspiele 2010 in Singapur lagen bei hohen 220 Millionen Dollar. 23,7 Millionen Euro kosteten die ersten Olympischen Winter-Jugendspiele: mit einem Minus von acht Millionen Euro wird gerechnet. &#8220;Doch auch die bescheidene Variante finden in Tirol nicht alle toll, <span style="font-weight: bold;">auch weil einigen Sportvereinen Fördermittel gestrichen wurden, um die Spiele finanzieren zu können</span>&#8221; (Rüthenauer 13.1.2012; Hervorhebung W.Z.).<br />
Der Veranstalter Innsbruck, das Land Tirol und der Bund haben die Hauptkosten zu tragen: Sie zahlen je fünf Millionen Euro. Dazu kommen Sponsoren. Das <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span> trägt gerade sechs Millionen Euro bei (Krutzler 13.1.2012) „Das <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span> muss nur für Kost, Logis und Fahrtkosten der Sportler und Betreuer aufkommen“ (Michalek 15.1.2012).<br />
Bei Olympischen Jugendspielen wird aber der selbe Trick wie bei normalen Olympischen Spielen angewendet: Es gibt ein Durchführungsbudget und ein (nicht darin enthaltenes) Infrastrukturbudget. Zu letzterem gehören u. a. ein Wohnkomplex mit 444 Wohnungen, ein Freestyle-Zentrum mit permanenter Halfpipe in Kuhtai, eine 108-Meter-Schanze und eine 75-Meter-Schanze in Seefeld, ein neues Nordisches Zentrum mit Langlauf- und Biathlon-Anlage für 4,4 Millionen Euro (Krutzler 13.1.2012).</p>
<p><span style="font-style: italic; font-weight: bold;">Sponsor McDonald’s</span><span style="font-style: italic; font-weight: bold;"><br />
</span>Am 13.1.2012 wurden in Innsbruck die ersten Olympischen Jugend-Winterspiele eröffnet. Und am 13.1.2012 verkündete der Fastfood-Konzern und <span class="domtooltips" title="The Olympic Partner">TOP</span>-Sponsor McDonald&#8217;s die Verlängerung des Sponsorenvertrages mit dem <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span> bis 2020. Geschätzter Geschäftsumfang: 200 Millionen Dollar (Rüthenauer 13.1.2012). <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span>-Präsident Jacques Rogge spazierte persönlich mit dem Präsidenten von McDonald&#8217;s, Don Thompson, in ein McDonald&#8217;s-Fastfood-Restaurant, um sich zu einem Werbetermin mit den Konzernabgeordneten zu treffen und den Deal pressewirksam zu verkündigen (Heinrich 13.1.2012).<br />
Das <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span> braucht Geld, und das <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span> braucht die Jugend. Also verjüngt man das Geschäftsmodell und &#8220;hat in Innsbruck ein Erziehungslager für heranwachsende Athleten organisiert&#8221; (Rosner 13.1.2012). Hier werden die Jugendlichen auch mit den olympischen Werten versorgt: Dazu gehört auch Fastfood von McDonald&#8217;s und Süßgetränke von Coca-Cola.</p>
<p><span style="font-style: italic; font-weight: bold;">Schwere Bobs</span><span style="font-style: italic; font-weight: bold;"><br />
</span>Da das neue Geschäftsmodell Olympische Jugend-Winterspiele recht überstürzt entwickelt wurde, müssen die 17- bis 18-jährigen Bobfahrer in den schweren Erwachsenenbobs starten, die 170 Kilogramm und mehr wiegen, das macht mit Piloten 360 Kilogramm. Leichtere Bobs hätten mehr als die 40.000 Euro gekostet, die ein schwerer Bob kostet. „Normal brauchen wir einen anderen Schlitten“, sagte Thomas Schwab vom Bob- und Schlittenverband Deutschland BSD (Kreisl&nbsp; 5.10.2011). Die Jugendlichen werden also in den schweren Zweierbobs mit bis zu 130 km/h zu Tal rasen. Dabei haben einige erst vor wenigen Wochen angefangen, Bob zu fahren (Michalek 15.1.2012).<br />
&#8220;Unbedingt wollte der Bob-Weltverband FIBT unter seiner mittlerweile abgelösten Führung ein Jugend-Olympiarennen haben &#8211; obwohl viele Experten dagegen waren, denn als der Olympiawettkampf beschlossen wurde, da hatte er noch gar keine Jugendlichen&#8221; (Kreisl 20.1.2012). Deshalb schrieb Volker Kreisl schon im Oktober 2011: „Die Idee, Schüler in Erwachsenenbobs fahren zu lassen, gilt als Schnapsidee” (Kreisl <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 5.10.2011).<br />
<span style="font-style: italic;">Schon für erwachsene Bobfahrer erweisen sich die Rennen als sehr gefährlich, siehe den Tod des georgischen Rodlers in Vancouver 2010. Wieso wird eine so gefährliche Sportart für so junge Menschen zugelassen?</span></p>
<p><strong><em>Alte und junge Zeremonien</em></strong><br />
Volker Kreisl schrieb in der <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span>, dass Innsbruck ein Elitetreff ist, &#8220;der so tut, als ob er nicht spitze ist&#8230; Medaillen werden zwar mit Hymne und allem drum und dran überreicht, aber, zumindest offiziell, nicht gezählt.&#8221; Es bestünde die Gefahr, dass das junge Olympia nur ein Ableger dessen sei, &#8220;was das alte längst ist: ein Theater&#8221; (Kreisl 13.1.2012).<br />
Marc Heinrich schrieb in der FAZ: &#8220;Doch die Frischzellenkur ist in sich noch längst nicht schlüssig, denn sie verzichtet eben nicht auf all die Insignien des großen Sports. Es wird Siegertreppchen geben, Nationalhymnen erklingen für die Gewinner, Fahnen werden gehisst &#8211; und ohne Dopingproben geht es selbstverständlich auch bei den Teenagern schon nicht mehr. Nur auf den Medaillenspiegel wird verzichtet. zumindest offiziell&#8221; (Heinrich 13.1.2012).<br />
Zu den Medaillen äußerte der &#8220;Chef de Mission&#8221;, Ulf Tippelt: &#8220;Wir wollen kein Medaillenzählen veranstalten&#8221;, um sogleich zu ergänzen: &#8220;Natürlich geht es um Bestleistungen, natürlich kämpfen die Sportler um Medaillen.&#8221; Und: &#8220;Die olympischen Jugendspiele sind ein wichtiger Schritt auf der Leiter eines Spitzensportlers&#8221; (Rüthenauer 13.1.2012).<br />
Der Saarbrücker Profesor für Sportökonomie, Eike Emrich hat den Verdacht, &#8220;dass das <span class="domtooltips" title="International Olympic Committee">IOC</span> über die Jugendspiele eigentlich versucht, anschlussfähig zu bleiben gegenüber der Jugend der Welt. Es geht ja um künftige Märkte. Man muss neue Sportarten gerieren. Und man muss auch seinen eigenen Nachwuchs und seine Anhängerschaft produzieren.&#8221; Emrich zufolge sind &#8220;die betreuenden Systeme außerhalb der Vereine wichtiger geworden (.) als die Athleten selbst. Extrem formuliert: Der Athlet dient nur noch als Mittel zum Zweck der Aufrechterhaltung eines Fördersystems&#8221; (Hahn 13.1.2012).</p>
<p>Vergleiche auch im Kritischen Olympischen Lexikon: <a href="http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/olympische-jugendspiele/">Olympische Jugendspiele</a></p>
<p><em>Quellen:</em><br />
Bauer, Florian, &#8220;Olympische Verjüngungskur&#8221;, in wdr.de 23.1.2012<br />
Hahn, Thomas<br />
- Balanceakt mit Werten, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 13.1.2012<br />
- Unter die Ringe gekommen, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 16.1.2012<br />
- Im Namen des Vaters, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 17.1.2012<br />
- Olympische Worte, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span>&nbsp; 18.1.2012<br />
Hecker, Arno, Crashcurs für Bob-Novizen, in faz.net 16.11.2011).<br />
Heinrich, Marc, Frühstück mit Rogge: Junge Küche, volle Kasse, in faz-net 13.1.2012<br />
Köhn, Rüdiger, Burger für Olympia, in faz.net 13.1.2012<br />
Kreisl, Volker<br />
- Experiment im Eiskanal, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 5.10.2011<br />
- Theater mit doppeltem Boden, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 13.1.2012<br />
- ABC lernen bei Tempo 130, in <span class="domtooltips" title="Süddeutsche Zeitung">SZ</span> 20.1.2012<br />
Krutzler, David, Spiele der Jugend, Symbolik der Sparflamme, in Der Standard 13.1.2012<br />
Michalek, Gerd, Kleines Olympia – Was steckt hinter der Idee von Jugendspielen? in dradio.-de 15.1.2012<br />
Rosner, Simon, McOlympia in Innsbruck, in wienerzeitung.at 13.1.2012<br />
Rüthenauer Andreas, Mitmachzirkus für die Kleinen, in taz.de 13.1.2012</p>
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