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November 2009

Die Bewerbungsgesellschaft stellte ihr Logo vor: Es heißt bezeichnenderweise „Berge bei Föhn“. Am 1.11.2009 überwies sie 150.000 Dollar an das IOC und erklärte damit verbindlich die Kandidatur München 2018.

Rücktritt

Anfang November 2009 trat Prof. Wolfgang Seiler als Umwelt- und Verkehrsexperte im Organisationskomitee für die alpine Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen zurück. Es war geplant, dass 70 Prozent der Besucher mit Bus und Bahn  befördert werden sollten: Dies fand nicht die Zustimmung des Organisationskomitees. Ein absolutes Verkehrschaos sei nun 2011 zu erwarten. (Interview in SZ 5.11.2009)

Es ist unverständlich, dass Prof. Seiler von seinem Posten bei der Ski-WM 2011 zurücktritt, aber nach wie vor den Posten des Garmisch-Partenkirchner Umweltbeauftragten für die Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 einnimmt. Das dort zu erwartende Desaster würde ungleich schlimmer als die sich nun konkret abzeichnenden verheerenden ökologischen und ökonomischen Folgen der Ski-WM 2011.

Kritik am Umwelt-Konzept

(Siehe auch 18 Gründe: Dialog)

Der Bund Naturschutz und der Verein zum Schutz der Bergwelt luden am 9.11.2009 zu einem Pressegespräch, um gemeinsam die Gründe für den Ausstieg aus der Fachkommission Umwelt des DOSB zu erläutern. Der Vorsitzende des Bund Naturschutz, Prof. Hubert Weiger sah in dieser Mitarbeit eine Feigenblatt-Funktion und hielt das Etikett „grüne Spiele“ für eine Mogelpackung. Nach dem Bund Naturschutz, CIPRA und Mountain Wilderness trat auch der Verein zum Schutz der Bergwelt aus der Fachkommission Umwelt aus. Der zweite Vorsitzende und frühere Chef des Landesamtes für Umweltschutz, Christoph Himmighoffen begründete dies so: „Hier werden Schlachten gegen die Natur geschlagen, und wir dürfen lediglich den Verbandsplatz einrichten. Das ist nicht unsere Aufgabe, für uns gilt: Vermeiden geht vor reparieren.“ Der Vorsitzende Prof. Michael Suda stellte fest, dass manche Aussagen in das offizielle Protokoll gelangen, andere nicht: „Wenn etwas der vorgegebenen Richtung nicht entspricht, fällt es unter den Tisch.“ Man trägt mit dem freiwilligen Partizipationsverfahren „strukturell zum Gelingen der Bewerbung bei – auch wenn man dies nicht will oder zumindest Neutralität anstrebt“. (Pressemitteilungen des BN; Verein zum Schutz der Bergwelt (VzSB), Erklärung zum Rückzug aus der Fachkommission Umwelt der Bewerbungsgesellschaft München 2018, München, im Oktober 2009).vgl. auch Effern, Heiner, Immer mehr Zweifel an grünen Spielen, in SZ 10.11.2009) Auch im DAV kam langsam Diskussionsbedarf über die weitere Mitarbeit auf.

Vorläufige Auflistung der geplanten Aus- und Umbauten:

München

(Siehe auch 18 Gründe: „Münchner Pläne“ und „Verkehr“)

Abriss der intakten Gebäude der Bundeswehrverwaltung und deren Neubau an der Dachauer Straße und Landshuter Allee; Neubau des Olympischen Dorfes zwischen Olympiapark, Dachauerstraße und Landshuter Allee durch Bauträger auf 36 Hektar für 3.500 Sportler, Trainer und Funktionäre, Medien-Dorf für 1500 Journalisten am Leonrodplatz; temporäre Gemeinschaftsräume wie Speisesaal, Sozialräume, Gebetsräume, Büros und Parkplätze auf dem Tollwood-Gelände. (Bielicki, Jan, Tollwoodgelände wird Olympisches Dorf, in SZ 2.2.2010)

Abriss des Radstadions für eine neue Mehrzweck-Arena mit 11.000 Plätzen für den olympischen Eissport (80 bis 120 Millionen Euro); Ersatz der alten Eissporthalle durch eine neue Eissport-Arena für 7.000 Zuschauer (40 bis 60 Millionen Euro); neue Eissschnelllauf-Halle mit 8.000 Plätzen auf dem Gelände der Zentralen Hochschulsportanlage (40 Millionen Euro mit vermutlichem Abriss nach den Winterspielen); Umbau der Olympiaschwimmhalle für Curling-Wettbewerbe.

Friedbert Greif, geschäftsführender Gesellschafter des für die Planungen „München + 2“ verantwortlichen AS&P Albert Speer & Partner GmbH, äußerte in diesem Zusammenhang in einer Broschüre des Referates für Stadtplanung und Bauordnung: „Die Spiele sollten auch Anlass sein, … über Flächenpotenziale im unmittelbaren Bereich des Olympiaparks nachzudenken, über die ohne Olympia seit längerer Zeit nicht mehr nachgedacht werden durfte.“

Das ist leider richtig: Vom ehemaligen Oberwiesenfeld würden die zweiten Olympischen Spiele kaum noch unbebauten Boden übriglassen – ganz im Gegensatz zum propagierten Leitprojekt 14: „Olympisches Grün. Grün bewegt.“

Der zitierte Aufsatz trägt übrigens den schönen Titel: „Großveranstaltungen als Motor für die Stadtentwicklung“.

Straßenbau München

(Siehe auch 18 Gründe: Verkehr)

Vierspuriger Ausbau des Föhringer Rings für die Fahrten der „Olympischen Familie“ zu ihren Hotels im Arabellapark (die so genannte absperrbare „Kremlspur“ – für 13 Millionen Euro); Ausbau des Autobahnrings A 99, der so genannten Südtrasse (22 Kilometer, etwa 1300 Millionen Euro); eventuelle Tieferlegung der Landshuter Allee. Und natürlich kommen Olympische Winterspiele (18 Tage Dauer!) auch den Plänen für eine Dritte Startbahn der Flughafen München GmbH entgegen.

(Bielicki, Jan, Olympia an drei Orten, in SZ 14.5.2009; „Wir brauchen unbedingt eine neue Halle“, in SZ 27.6.2009, – Betten und Arenen, in SZ 27.6.2009; – Der Olympiapark als Zentrum der Spiele, in SZ 10.7.2009; – Tollwoodgelände wird Olympisches Dorf, in SZ 3.2.2010; Warta, Christina, „Das muss die nächsten 30 Jahre halten“, in SZ 31.10.2009; Effern, Heiner, Bielicki, Jan, Olympia 2018 – die Milliardenspiele, in SZ 5.11.2009; Schaulauf für Olympia, in SZ 8.1.2010)

Garmisch Partenkirchen

(Siehe auch 18 Gründe: Naturschutz )

Die große Schanze könnte gerade noch den Kriterien im Jahr 2018 genügen. Die kleine Schanze müsste einem Neubau weichen, da die Sprünge um etwa zehn Meter zu kurz sind (acht bis zwölf Millionen Euro). Dazu kommen neue Skitrassen am Gudiberg und am Hausberg (drei bis vier Millionen Euro). Ob die für die Ski-WM 2011 in den Berg- und Schutzwald geschlagenen Kandahar-Skipisten den IOC-Anforderungen sieben Jahre später genügen, ist äußerst unwahrscheinlich. Das zweite Olympische Dorf auf 13 Hektar für 2500 Athleten und Funktionäre; neue Halle und ein zentrales Mediendorf oder mehrere dezentrale Mediendörfer an der St.-Martin-Straße für 3700 Journalisten (176 bis 233 Millionen Euro; soll nach den Winterspielen wieder abgebaut werden). Allein die Kosten für die Umwelt-Ausgleichsprojekte würden 36 bis 54 Millionen Euro betragen. (Effern, Heiner, Große Sprünge sind schon möglich, in SZ 31.10.2009; Effern, Heiner, Bielicki, Jan, Olympia 2018 – die Milliardenspiele, in SZ 5.11.2009)

Straßenbau Garmisch-Partenkirchen

Die Auflistung aller Verkehrsprojekte, die im Windschatten der Spiele gebaut werden sollen, finden sich unter: 18 Gründe:Verkehr

Bahnausbau

Siehe Link 18 Gründe: Verkehr

Insgesamt ist das Verhältnis Straßenprojekte mit mehr als zwei Milliarden Euro zu Schieneninfrastruktur mit etwa 350 Millionen Euro etwa 6 : 1.

Oberammergau

(Siehe auch 18 Gründe: Naturschutz und Sportstätten)

Die geplanten Loipen auf der Romanshöhe liegen in der Sonne und müssen aufwendig gekühlt und beschneit werden. Die Anlage von Speicherseen sei „derzeit nicht vorgesehen“, äußerte die Bewerbungsgesellschaft. 64 Hektar landwirtschaftlicher Grund von 188 Grundstückseigentümern werden benötigt: Die Flächen können von Frühjahr 2016 bis Herbst 2018 nicht genutzt werden. Die Bewerbungsgesellschaft versicherte den Bauern, dass die Felder „nach ein, zwei Vegetationsperioden“ wieder wie vorher aussehen. Alle geplanten Anlagen, also alle Loipen und die zwei geplanten Stadien, sollen nach den Winterspielen wieder zurückgebaut werden. 3000 Parkplätze sind geplant. (Loipen statt Felder, in SZ 31.10.2009)

Königssee

Die Bob-, Rodel- und Skeletonbahn wird 2010 für 22 Millionen Euro (aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung!) renoviert: für ein neues Zielhaus, eine neue Schlusskurve und die Anpassung der ganzen Strecke auf höhere Geschwindigkeiten und neueste Technik. Dazu muss die marode Ammoniak-Anlage für die Vereisung der Bahn für zwei Millionen Euro erneuert werden. Die Verbindungsstraßen zum Eiskanal (ausschließlich für Sportler und IOC-Funktionäre) würde drei Millionen Euro kosten. Eine neue Sporthalle für die Bobfahrer zum Anschub-Trainieren würde ebenfalls drei Millionen Euro kosten – die nach der Winterolympiade wieder rückgebaut werden müsste. Dazu kommen 1700 temporäre Parkplätze. (Vgl. Effern, Heiner, Eiskanal Deluxe, in SZ 31.10.2009)

Zusammensetzung des Etats

(Siehe auch 18 Gründe: Finanzrisiko und „Verträge“)

Die Organisationskosten (OCOG-Etat) sollen bei 1,18 Milliarden Euro liegen, die Einnahmen von nationalen Sponsoren bei 390 Millionen Euro, über Eintrittskarten sollen 160 Millionen Euro, über Souvenirvertrieb 30 Millionen Euro eingenommen werden, dazu sollen andere Einnahmen von 170 Millionen Euro hinzu kommen. Eine halbe Milliarde Euro soll angeblich das IOC über Einnahmen von Fernsehlizenzen und Sponsoren beitragen: Der IOC-Zuschuss ist bisher ein undefinierter und nicht garantierter, quasi freiwilliger Obolus. Die Gesamtkosten der Spiele werden auf 2,9 bis 3,5 Milliarden Euro geschätzt. (Effern, Heiner, Bielicki, Jan, Olympia 2018 – die Milliardenspiele, in SZ 5.11.2009)

(Siehe auch 18 Gründe: Sicherheit)

Mit Sicherheit sind die Organisationskosten weitaus zu niedrig angesetzt. Zur Erinnerung: In Vancouver lagen allein die Kosten für Sicherheit anfangs bei 117 Millionen Dollar und liegen im Februar 2010 bei einer Milliarde Dollar. Die Münchner Bewerbungsgesellschaft setzt diese Kosten noch am 22.11.2009 mit 21 Millionen Euro an – auch angesichts des Anschlags bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München  irreführend gering.

Landesparteitag Bündnis 90/Die Grünen

Der Landesparteitag von Bündnis 90/Die Grünen in Bayern lehnte am 22.11.2009 mit deutlicher Mehrheit die Bewerbung als „unökologisch, klimafeindlich und zu teuer“ ab. Die Münchner Stadtratsfraktion betonte dagegen den „Mehrwert“ für die Region München und behauptete unrichtigerweise, dass in Garmisch-Partenkirchen für die Winterspiele 2018 nur zwei Prozent mehr Fläche verbraucht würde; sie verwies auch auf den geplanten zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (der inzwischen nur noch bis Murnau geplant ist). Außerdem dürften die Grünen nicht zur „Spaßbremse-Partei“ werden. (merkur-online 23.11.2009: Grüne gegen Münchner Olympia-Bewerbung)

„Spaßbremse-Partei“: was ist dies für ein Politik-Begriff? Auch „Spieleverderber“ geht als Angstbegriff um. Diese Spiele sind aber längst verdorben – vor allem vom IOC selbst.

Willy Bogner GmbH & Co. KGaA

Willy Bogner wurde auf Vorschlag von DOSB-Präsident Bach Anfang November zum Vorsitzenden der Geschäftsführung der Bewerbungsgesellschaft ernannt. Er übernahm das DOSB-Amt zum symbolischen Gehalt von einem Euro – vom Werbeeffekt für seine Sportmodenfirma einmal abgesehen.

Der Vater von Willy Bogner hatte 1932 die gleichnamige Sportbekleidungsfirma gegründet, die seit 1936 deutsche Nationalmannschaften bei Olympischen Winterspielen ausrüstet. Er hatte 1936 als Teilnehmer der Winterspiele auch den Olympischen Eid gesprochen.

Willy Bogner jun. drehte neben Ski-Filmen auch den Präsentationsfilm für die Kandidatur von Sotschi 2014. (Bielicki, Jan, Willy Bogner und der Ein-Euro-Job für Olympia, in SZ 7.11.2009; Ein Bayer mit Visionen, in SZ 7.11.2009; Weinreich, Jens, München 2018: Christian Ude und die „Kniffe der propagandistischen Darstellung“,  26.1.2010)

Investitionen in München

Zwischen 820 und 1100 Millionen Euro sollen anlässlich der Olympischen Winterspiele 2018 in Münchens Infrastruktur gesteckt werden; davon sollen zwischen 272 und 435 Millionen aus Steuergelder von Bund, vom Land Bayern und der Stadt bezahlt werden. (Entscheidung im Stadtrat, in SZ 7.11.2009)

Dagegen wird am 9.11.2009 bekannt, dass München beim Bau der Sportstätten für die Olympischen Winterspiele 2018 nicht auf Sondermittel des Bundes rechnen könne. Eine Sonderfinanzierung sei „wenig wahrscheinlich“. Nur 270 bis 430 Millionen Euro würden aus Steuergeldern kommen, aber welche Summen Bund, Freistaat und Stadt aufzubringen hätten, müsste verhandelt werden. (Keine Sondermittel für Olympia 2018, in SZ 10.11.2009)

Garmisch-Partenkirchen Albert Speer & Partner

Anfang November 2009 fand in Garmisch-Partenkirchen eine CSU-Klausur „Olympia 2018“ statt. Geschäftsführer Schwank von der Bewebungsgesellschaft nannte keine konkreten Zahlen der Kosten, die auf die Gemeinde entfallen würden. Er stellte fest, dass das Infrastrukturpaket mit 1,990 Milliarden Euro gerade zwischen DOSB, Freistaat Bayern, Landeshauptstadt München, Garmisch-Partenkirchen und Landkreis Berchtesgadener Land verhandelt würde.

Der Planer Matthias Schöner vom Büro Albert Speer & Partner versuchte die Zuhörer mit dem Neubau der Kongresshalle und der Multifunktionshalle zu ködern: Wenn deren Bau notwendig sei, „dann ist die Überlegung jetzt günstig, dann können die Projekte mit der olympischen Bewegung mitbefördert werden“. Schöner widersprach den Aussagen der Gemeindeverwaltung, dass die Bauern ihre Flächen drei Jahre zur Verfügung stellen sollten und sprach von „neun Monaten“.

Der Zeitraum wurde in den offiziellen Unterlagen von Frühjahr 2016 bis Herbst 2018 angegeben; frühestens 2019 könnte die Wiesen wieder als landwirtschaftliche Flächen genutzt werden, siehe oben.

Kritik an der Bewerbung

Die betroffenen 100 Bauern kritisierten, dass der olympische Flächen-Bedarf nur scheibchenweise herauskäme und fragten sich, wo ihre Tiere drei Jahre grasen sollten: „Unser Ortsbild wird unwiederbringlich zerstört. Wegen 14 Tagen wird eine jahrhundertealte Kulturlandschaft zerstört.“ (Effern, Heiner, Bürgerprotest gegen Olympische Spiele, in SZ 6.11.2009)

Die CSU-Fraktion teilte mit, dass sie ein Ratsbegehren prüfe. Axel Doering vom Bund Naturschutz regte auch einen Bürgerentscheid an; Thomas Bausch vom Alpenforschungsinstitut sprach sich ebenfalls für einen fairen und offenen Dialog aus. Laut Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) sei es aber für eine Grundsatzdebatte zu spät, da inzwischen alle wichtigen Beschlüsse gefasst sind. (Holzapfel, Matthias, Kostenfrage bleibt ungeklärt, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 6.11.2009; Wirbel um Olympia, 6.11.2009; Effern, Heiner, Bürgerprotest gegen Olympische Spiele, in SZ 6.11.2009)

(Siehe auch 18 Punkte: Tourismus und Erfahrungen)

Der Kreisverband Garmisch-Partenkirchen von Bündnis 90/Die Grünen warnte vor einem ökologischen und ökonomischen Fiasko der Winterspiele. Oberstdorf hatte 2005 die Nordische Ski-WM ausgerichtet und ist seitdem finanziell am Ende. Die Informationspolitik über die geplanten Winterspiele sei „unter aller Sau“. Der Vorsitzende des Bund Naturschutz München, Christian Hierneis, forderte das Ende der Bewerbung.  Bürgermeister Schmid hielt den Gemeinderat für „quasi erpresst“ und ein Bürgerbegehren für nicht mehr zulässig. (Holzapfel, Matthias, Schützenhilfe für Olympia-Gegner, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 10.11.2009)

„Zukunft des Wintersports“

Bei dieser Fachtagung vom Bund Naturschutz referierten in Garmisch-Partenkirchen der Vorsitzende Axel Doering, CIPRA-Präsident Dominik Siegrist und Prof. Thomas Bausch vom Alpenforschungsinstitut, der vor einseitigen Investitionen in den Wintersport warnte. Der Olympia-Kritiker Willi Rehberg aus Salzburg, der mit einer dortigen Bürgerinitiative erfolgreich gegen die Salzburger Bewerbungen vorgegangen war, informierte über die vom IOC praktizierten Tricks wie fingierte Kostenaufstellungen, falsche Gewinnaufstellungen (z. B. 500 Millionen Euro Gewinn für die Region), falsche Angaben über Zahlungen vom IOC für Fernsehrechte und Sponsorengelder. Dazu würde das IOC völlig unverbindliche Zusagen über Zuschüsse machen. Die Salzburger Bewerbung wurde schließlich von 60 Prozent der Bevölkerung abgelehnt. (Kaiser, Wolfgang, Striktes Nein zur Olympia-Bewerbung, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 10.11.2009; Unrealistische Zahlungen, in SZ 11.11.2009)

Zustimmung der beteiligten Orte

Am 9.11.2009 sprach sich der Kreistag des Berchtesgadener Landes mit großer Mehrheit für das Bewerbungskonzept aus. Am 11.11. fand eine Abstimmung im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat über ein Ratsbegehren für einen Bürgerentscheid statt. Der Münchner OB Ude kommentierte im Vorfeld: „Für ein Rats- oder Bürgerbegehren ist es jetzt viel zu spät…“ Der Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen befürwortete mit 20 zu 10 Stimmen die Olympiabewerbung und lehnte ein Ratsbegehren ab. (Holzapfel, Matthias, Anspannung wächst – Druck auf CSU nicht, in merkur-online 11.11.2009)

Es ist das alte Spiel der Amtsinhaber und Funktionäre und sonstiger Offizieller in München und Garmisch-Partenkirchen: Erst kommen die Einwände und Bürgerbegehren zu früh, weil es noch keine Informationen und Fakten gibt, und kurz danach ist es zu spät für Einwände und Bürgerbegehren.

Auch der Gemeinderat von Oberammergau billigte mit 16 zu einer Stimme die Bewerbung. (Bielicki, Jan, Politik gibt Garantien für Olympia, in SZ 21.11.2009)

Host City Contract

(Siehe auch 18 Gründe: Verträge)

Der Münchner Stadtrat befasste sich am 11.11.2009 mit den Vorgaben des IOC und stimmte mit nur vier Gegenstimmen für die Olympia-Bewerbung samt den implizierten rigiden finanziellen und rechtlichen Garantien.

Die Juristen des Bundeslandes Salzburg hatten bei der Bewerbung für 2014 diese Verträge begutachtet und waren zu dem Schluss gekommen, dass dort „ein minimales Ausmaß an Verpflichtungen und Verbindlichkeiten für das IOC“ stand und dass „nach den Grundsätzen des österreichischen Zivilrechts eine derartige Ansammlung von Einseitigkeiten zur Nichtigkeit einer solchen Vereinbarung wegen Verstoßes gegen die guten Sitten führen würde“.

So muss die Stadt als Gesamtschuldner für den Olympia-Etat haften. Sie muss umfangreiche Garantien abgeben, die über den Host City Contract in 74 Paragraphen und 16 Anhängen geregelt sind. Die Stadt haftet als Gesamtschuldner, wenn der Spiele-Etat ins Minus rutscht. Die Zuschüsse des IOC liegen allein im Ermessen des IOC, das auch Gelder über Marketing und Eintrittskarten, Briefmarken und Münzen kassiert. Von eventuellen Gewinnen haben öffentliche Haushalte nichts: Je 20 Prozent erhalten IOC und DOSB, der Rest soll in den Sport fließen. Von der Steuer müssen das IOC, seine Firmen und die Sportler freigestellt werden, was wiederum noch die Einführung spezieller Gesetze durch den Bundestag erfordern würde. (U. a. Bielicki, Jan, Effern, Heiner, „Verstoß gegen die guten Sitten“, in SZ 11.11.2009)

Der Münchner OB Ude verteidigte trotzdem im Münchner Stadtrat die Garantieerklärungen an das IOC, obwohl er die Verteilung von Kosten, Chancen und Risiken „für eine Zumutung“ hielt. Gleichzeitig beschimpfte er erneut die Bewerbungsgegner in München und Garmisch-Partenkirchen. Die Münchner Stadträtin der Grünen Sabine Krieger lobte das „ehrgeizige und zukunftsweisende Umweltkonzept“ der Spiele, die „ein großer Gewinn für München und Garmisch“ seien. (Effern, Heiner, Bielicki, Jan, Klares Votum für Olympia, in SZ 12.11.2009)

Am 20.11.2009 gaben DOSB, der Freistaat Bayern sowie München, Garmisch-Partenkirchen und Berchtesgadener Land die vom IOC geforderten Garantieerklärungen ab. (Bielicki, Jan, Politik gibt Garantien für Olympia, in SZ 21.11.2009)

(Siehe 18 Gründe: Klimawandel)

Bisher haben Olympische Winterspiele in den letzten 20 Jahren allen ausrichtenden Städten und Gemeinden ein kräftiges Defizit eingebracht: Das wird in München mit Sicherheit nicht anderes sein. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass die Winterspiele in der Fön-Stadt München und im bayerischen Oberland  auf 700 Meter Höhe und auf sonnigen Oberammergauer Wiesen wegen Schneemangel und Klimawandel negativ in die Schlagzeilen geraten würden.

Aber 2018 wird OB Ude seit vielen Jahren nicht mehr im Amt  sein und das Zurückzahlen der Kredite den nachfolgenden Generationen überlassen. Und das alles für 18 Tage Olympisches Hully Gully. Ebenso wie SPD und CSU beschlossen die Münchner Grünen Stadträte einstimmig das Bewerbungskonzept und stellten sich gegen die eigene Grüne Landespartei.  Sie sollten sich dringend fragen, ob sie nicht in einer anderen Partei besser aufgehoben wären.

Landesparteitag der Grünen

Der Parteitag der bayerischen Grünen stimmte in Bamberg am 22.11.2009 mit deutlicher Mehrheit gegen die Bewerbung 2018. Der Landtagsabgeordnete Martin Runge warnte: „Mit der Bewerbung werden die Grundsätze der Grünen mit Füßen getreten… Wer gegen umweltzerstörerische Straßenprojekte ist, kann nicht für Olympia sein.“ Die Münchner Grünen verwiesen dagegen auf den zweispurigen Ausbau der Bahnstrecke bis nach Garmisch (der bereits auf Murnau reduziert war) und wiederholten das „Argument“, dass die Grünen nicht zur Spaßbremse werden dürften.

Oberammergau

Am 30.11. setzte ein Notar in Garmisch-Partenkirchen einen Vertragsentwurf auf, der die Nutzung der landwirtschaftlichen Grundstücke für die temporären Bauten in Oberammergau regeln sollte. Darin stand unter anderem, dass der Grundstückseigentümer sich ausdrücklich einverstanden erklären muss, falls das Grundstück zu anderen als dem derzeit vorgesehenen Nutzungszweck verwendet wird sowie sonstige Einschränkungen zu Lasten des Grundbesitzers. Gebaut werden dürfen z.B. Langlaufloipen, Tribünen, Stadien, Bauten für Organisation, Zuschauer und Medien, Beschneiungseinrichtungen, Telekommunikationsleitungen, Pumpleitungen, Zapfstellen, Verteilereinrichtungen etc. „Die Berechtigte verpflichtet sich nach Durchführung der Olympischen Spiele das Grundstück, soweit technisch möglich wieder unverzüglich in den ursprünglichen Zustand zu versetzen bzw. versetzen zu lassen.“ (Hervorhebung W.Z.)

„Die Gemeinde Oberammergau trägt das volle Haftungsrisiko. Sie leistet dem Grundstückseigentümer für alle Schäden Ersatz, die … durch die Durchführung der Olympischen Spiele am Grundstück entstehen und trotz einem Rückbau eventuell verbleiben (z.B. evtl. Kontamination oder verbleibende Bodenverdichtung).“ Die schon jetzt hoch verschuldete Gemeinde soll auch noch die Kosten der Beurkundung tragen. (Entwurf „Angebot auf Abschluss einer Nutzungsvereinbarung“ vom 30.11.2009)