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Februar 2012

Besucher der Webseite

Im Januar 2012 hatten wir 13.257 Besucher, das sind 427 Besucher pro Tag . Insgesamt haben wir damit seit Februar 2010 über 325.000 Besucher auf unserer Webseite.
Wir sind immer wieder erstaunt über das große Interesse angesichts der Tatsache, dass Olympische Spiele derzeit in Deutschland – glücklicherweise – kein aktuelles Thema sind.

„Lichttherapie“ am Olympiastützpunkt

Ende Januar 2012 wurde bekannt, dass Andreas Franke, Arzt am Olympiastützpunkt Erfurt, seit 2005 30 Athleten mit Bluttransfusionen „behandelte“, wobei er das Athletenblut einer unzulässigen UV-Behandlung („Lichttherapie“) unterzogen hat. Dies wurde bereits bei einer Polizeirazzia im Frühjahr 2011 festgestellt. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hatte seit 2005 jede Art von Bluttransfusionen verboten. Im Punkt M 1.1. der Wada prohibited list steht explizit: „Dabei gilt jede Entnahme von Blut und eine Wiedereinbringung in die menschliche Blutbahn als Doping, wenn sie rote Blutzellen enthalten“ (Burkert, Andreas, „Diese Methode war schon immer verboten“, in SZ 9.2.2012).
Die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada wusste ebenfalls seit der Polizeirazzia von den Vorwürfen, die erst jetzt zum öffentlichen Thema wurden („Verbotene Lichttherapie“, in „sport inside“, wdr.de 30.1.2012; Burkert, Andreas, Auch Pechstein Kunde in Erfurt? in SZ 30.1.2012; ders., Plötzlich ist Schweigen, in SZ 31.1.2012).
Die juristischen Sportmühlen mahlen langsam!

„Acht Monate, nachdem eine Razzia der Ermittler in seiner Praxis und im Olympiastützpunkt Thüringen eine brisante Patientenliste zutage förderte, … fordert nun DOSB-Präsident Thomas Bach, ’so schnell wie möglich reinen Tisch zu machen‘. Bach urteilte beim Neujahrsempfang des Deutschen Olympischen Sportbundes, man habe ‚in diesen Tagen die Nachricht erhalten, dass ein Arzt offensichtlich oder möglicherweise verbotene Dopingpraktiken an Sportlern angewendet hat'“ (Probleme mit dem Kleingedruckten, in SZ 1.2.2012). Bach äußerte zuvor im MDR zur umstrittenen UV-Blutbehandlungsmethode, „dass derartige Methoden seit dem 1. Januar 2011 verboten sind.“
Bach informiert hier völlig falsch: Das Wada-Verbot besteht bereits seit 2003, wie der Rechtsanwalt Georg Engelbrecht in einer schriftlichen Stellungnahme für den Sportausschuss des deutschen Bundestages im März 2012 mitteilte (Weinreich, Jens, Blutbestrahlung im Olympiastützpunkt, in spiegelonline 19.3.2012; vgl. auch SPD im Bundestag fragt nach Blutdoping, in März 2012).
Die SZ schrieb dazu: „Nicht nur Athleten, Ärzte, Trainer und Stützpunktchefs haben sich – bestenfalls – in der Causa Erfurt als unkundig erwiesen“ und verwies auf den Präsidenten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft, der ebenfalls den 1.1.2011 nannte (Ebenda).
Bekannt wurden als „Kunden“ von Andreas Franke u.a. Nils Schumann, der frühere 800-Meter-Olympiasieger von Sydney 2000, James Beckford (Jamaika), der WM-Zweite von 2005 im Weitsprung, Bahnrad-Nationalfahrer Jakob Steigmiller, Straßenrad-Sprinter Marcel Kittel, Radprofi Patrick Gretsch, die Eissprinterin Judith Hesse und die Eisschnelläuferin Claudia Pechstein (Ebenda). Pechstein veröffentlichte angeblich entlastende Emails der Nada und forderte den Rücktritt von Nada-Vorstand Lars Mortsiefer. Der hatte wiederholt, dass die Methode schon vor dem 1.1.2011 verboten war („War uns bekannt“, in SZ 8.2.2012). Der Generaldirektor der Wada, David Howman, verwies im Zusammenhang mit Pechstein darauf, dass ein Athlet nach einem zweiten Vergehen mit einer verbotenen Substanz oder Methode von einer lebenslangen Sperre bedroht ist (Burkert 9.2.2012).

Viola von Cramon (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied des Bundes-Sportausschusses und andere fragten beim Bundesministerium des Innern (BMI) an, ob der Bund Steuermittel für Doping einsetze. Das BMI nannte die Frage „definitiv unzulässig ja ungehörig“, musste dann aber Anfang Februar 2012 zugeben, dass die Blutmanipulationen der 30 Top-Athleten tatsächlich aus Steuermitteln finanziert wurden: „Der Arzt arbeitete auf Honorarbasis für den Olympiastützpunkt Thüringen. Nach Auskunft des OSP wurden die Behandlungen im Rahmen des bestehenden Honorarvertrages über den OSP abgerechnet“ (Hartmann, Grit, Doping aus Steuermitteln finanziert, in Frankfurter Rundschau 3.2.2012). Die Behandlungsmethode wurde übrigens bereits im DDR-Sport eingesetzt.
Heinz-Jochen Spilker, Frankes Rechtsanwalt (der aus Hamm/NRW stammte), „war bis Ende 1990 Bundestrainer in der Leichtathletik, dann trat er zurück. Der SPIEGEL hatte aufgedeckt, dass er Sprinterinnen seines Vereins Eintracht Hamm mit Dopingmitteln versorgte…“ (Hacke, Detlef, Ludwig, Udo, Bestrahltes Blut, in Der Spiegel 6/6.2.2012). Spilker hat es inzwischen zum Vizepräsidenten des Thüringer Landessportbundes geschafft.
Fazit: „Am Ende werden – womöglich – ein Arzt angeklagt und mehrere Sportler gesperrt. Die betrübliche Nachricht ist, dass der restliche Sportbetrieb den Eindruck erweckt, als sei es damit getan… Im Bundesinnenministerium, dem Hauptfinanzier der Olympiastützpunkte, war man schon sehr zufrieden damit, wie rasch der betreffende Vertragsarzt suspendiert wurde – weiteren Überweisungen nach Erfurt steht damit nichts mehr im Weg“ (Catuogno, Claudio, Scharlatane im System, in SZ 31.1.2012).

Der Bundes-Sport-Innenminister spricht

Hans-Peter Friedrich gab der SZ Anfang Februar 2012 ein Interview (Catuogno, Claudio, Herrmann, Boris, „Wir werden Tacheles reden“, in SZ 2.2.2012). Darin äußerte er u. a., „dass wir mit dem Leistungssport einen wichtigen Impuls nach innen geben, in den Breitensport, in die Gesellschaft hinein.“
So kann man es wörtlich auch vom DOSB hören. Wir haben auf dieser Webseite mehrfach nachgewiesen, dass die Spitzensportförderungen fast immer zu finanziellen Lasten des Breitensportes gehen.
Auf die Frage der SZ, warum die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada fast ein Jahr gebraucht hat, um die ersten beiden Fälle aus dem Erfurter UV-Blut-Fall vor das Sportschiedsgericht zu bringen, antwortete Friedrich, dass „ordnungsgemäße Verfahren eben eine gewisse Zeit“ erforderten.
Auf das „gute Gefühl“ vor der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 in Durban angesprochen, entgegnete der bekennende München-2018-Fan: „Das gute Gefühl war dadurch begründet, dass unsere Bewerbung – und das sehe ich heute noch so – für sich genommen perfekt war.“
Und zur Frage, dass München nie eine Chance hatte gegen Pyeongchang hatte, entgegnete Friedrich: „Ich habe mich damit getröstet, dass wir verdammt viel aufgeholt haben.“
Aufgehol? Die Niederlage Münchens ging mit 25 IOC-Stimmen gegen 63 für Pyeongchang aus: eine merkwürdige Aufholjagd!
Friedrich hätte sich auch gern mehrmals beworben: „Andere haben auch drei Anläufe gebraucht.“
Die Südkoreaner haben allein in die drei Bewerbungen rund 150 Millionen Dollar investiert!

Olympisches Chaos um München 2022

Am Montag, den 6.2.2012 stellte sich der Münchner Olympiapark-Chef Ralph Huber vor die Presse und gab bekannt, dass ein Kreis von Interessierten, Lobbyisten und Sponsoren der München-2018-Bewerbung existiert, der für München 2022 trommeln würde. Auf die Frage nach den Unterstützern bzw. Hintermännern äußerte Huber: „Da können Sie mich löchern, wie Sie wollen – das halten wir noch geheim“ (Kristlbauer, Matthias, Olympiapark-Chef: „X-Games sind greifbarer als Winterspiele“, in Münchner Merkur 13.2.2012). Es soll sich um Wirtschaftsunternehmen, ideelle Träger und Sportler handeln.
Bei den Olympischen Sommerspielen in London 2012 wird sich München zum Jubiläum 40 Jahre nach den Olympischen Sommerspielen 1972 im „Deutschen Haus“ präsentieren und Werbung betreiben: „Wir wollen zeigen, was hier alles möglich war und vielleicht auch zukünftig möglich ist“, so Huber (Neuer Anlauf für Winterspiele, in SZ 7.2.2012). Er sagte weiter: „Wir treten einfach nochmal an und gewinnen im zweiten Anlauf“ (Kristlbauer 13.2.2012).
Es ist schon erstaunlich, dass der Chef des seit Jahrzehnten mit Millionen gepäppelten Zuschussbetriebes Olympiapark GmbH so unverfroren Werbung machen darf für eine neuerliche Verschuldungsfalle. Zum Olympiapark siehe auch hier.
Vancouver 2010 wurde um ein Vielfaches teurer, die Kosten von Sotschi 2014 stiegen von zunächst geplanten neun Milliarden Euro auf über 25 Milliarden Euro (Windisch, Elke, Feuern auf belastetem Boden, in Der Tagesspiegel 7.2.2012). In Pyeongchang 2018 wird über die nächste Kostenexplosion zu berichten sein. Und die Kosten von London 2012 wurden 2005 zunächst mit 2,37 Milliarden Pfund angegeben und stiegen bis 2012 auf 24 Milliarden Pfund (Chennaoui, Orla, Hervey, Lia, Sky Investigation: Olympics Bill Tops Pound 12 billion, in news.sky.com 26.1.2012). Das ist das Zehnfache der ursprünglich vom London Organising Committee of the Olympic Games (LOCOG) angesetzten Summe, die IOC-üblich viel zu niedrig gerechnet wurde.
Auch die Kosten für München 2018 waren viel zu niedrig angesetzt (z.B. 32 Millionen Euro für „Sicherheit“). Und die Kosten von München 2022 würden genauso explodieren wie in den genannten Austragungsstädten – nicht abgesehen von der von Nolympia ausführlich beschriebenen ökologischen, ökonomischen und sozialen Schäden.

Selbstverständlich sekundierte DOSB-Generalsekretär Vesper umgehend: „Wir begrüßen alle Initiativen für olympische Bewerbungen, auch diese, unabhängig von der genauen Jahreszahl“ (Offen für neue Bewerbung, in SZ 8.2.2012). Und OB Ude billigt die Initiative selbstverständlich ebenso (München 2022? „Begrüßen alle Initiativen“, in Münchner Merkur 8.2.2012). Vespers Chef Bach reagierte taktisch: „Ohne Antworten auf Fragen wie nach einer internationalen Chancenabwägung, wie ist die Unterstützung der Bevölkerung und der Politik und wer bezahlt’s wäre das von Seiten des DOSB keine verantwortungsvolle Politik“ (Sportpolitik-Konferenzen: DOSB-Chef: Weiter abwartende Haltung zu München 2022, in sueddeutsche.de 13.2.2012).
Von Interesse ist natürlich, wer’s bezahlt – der DOSB wie üblich nicht. Interessant auch, dass die Unterstützung der Bevölkerung plötzlich von Interesse sein soll. Aber schließlich will Bach sich die Anwartschaft auf den IOC-Prässidentenstuhl offen halten.

Neues vom Münchner Olympiapark

– Im Dezember 2011 lobte der Chef des Olympiaparks, Ralph Huber, angesichts des 40jährigen Jubiläums des Parks dessen „Nachhaltigkeit“: „München ist das erfolgreichste Beispiel für eine nachhaltige nacholympische Nutzung“ (Staudinger, Melanie, Olympiapark im Mittelpunkt, in SZ 14.12.2011).
Der Münchner Olympiapark hat bisher einige hundert Millionen Euro gekostet und wird in den nächsten 20 Jahren nochmals 234 Millionen Euro für Sanierungen erforden (Ebenda). Und zur „nacholympischen Nachhaltigkeit“ gehörte für Huber natürlich auch die deutsche Tourenwagenmeisterschaft in den Jahren 2011 bis 2013.

– Der Olympiapark hat sich, wie schon im Januar 2012 beschrieben, um die Ausrichtung der X-Games 2013 bis 2015 beworben. Das X steht für „Extreme“: Auch hier geht es um immer höher, immer weiter, immer schneller, immer spektakulärer. Die Disziplinen sind BMX (Bicycle Moto Cross, Motocross), Skateboard und Rally Car Racing. Letzteres würde in München entfallen (Meyer, Lisa, Das nächste Level, in SZ 13.2.2012).
Der Münchner Stadtrat hat mit großer Mehrheit und den Stimmen der Grünen die Bewerbung bewilligt, obwohl wie bei Olympischen Spielen jede Menge Garantien abgegeben werden müssen. Dazu soll der Olympiasee wieder einmal abgelassen werden: In ihm wird eine riesige Rampe mit Halfpipe für BMW und Skateboard errichtet (Tögel, Ralf, Olympias kleine Schwester, in SZ 13.2.2012).
15 Disziplinen mit Motocross in der Olympiahalle und Skateboard und BMX im Olympiastadion sind geplant. Begründung von Park-Chef Huber: „Aber sehen Sie die Fernsehzuschauerquoten der X-Games in Los Angeles an“ (Kristlbauer, Matthias, Olympiapark-Chef: „X-Games sind greifbarer als Winterspiele“, in Münchner Merkur 13.2.2012). Konkurrenten sind in Europa Lissabon und Barcelona.

– Bis mindestes bis 2013 müssen die  Anwohner des Olympia-Parks Lärm und Abgase der Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) jeweils im Juli ertragen. Der Anwohner und CSU-Sprecher Erich Tomsche sagte, er habe „das Gefühl gehabt, dass ein Formel-Eins-Rennwagen durch das eigene Wohnzimmer fährt“ (Kronewiter, Thomas, Rennstrecke im Wohnzimmer, in SZ 10.2.2012).
Welch hehrer olympischer Sport-Geist „weht“ hier durch den Olympiapark!

– Vom 20. bis 26. Mai 2012 finden die „Special Olympics“ mit 5000 geistig Behinderten statt, die in 19 Sportarten antreten werden. Schüler der 400 Münchner Schulen sind als Helfer vorgesehen (Warta, Christa, Die besonderen Spiele, in SZ 16.2.2012).
Als ehemaliger Zivildienstleistender (Körperbehinderte, Pfennigparade) sehe ich diese „Sportwettkämpfe“ von geistig Behinderten sehr kritisch.

– Mitte April 2012 fällt die Entscheidung, ob im Olympiapark eine neue Multifunktionshalle anstelle des alten Radsportstadions gebaut werden soll. Nutznießer wären die Basketballer des FC Bayern und die Eishockeyspieler des EHC. Die Steuerzahler hätten dagegen 80 Millionen Euro aufzubringen (Wimösterer, Martin, Sport-Bürgermeisterin erklärt das Hallenprojekt, in tz 17.2.2012).

– Millionengrab Olympiapark: Anfang März 2012 wurde dann bekannt, dass für die Sanierung des Olympiaparks bereits 118 Millionen Euro für Um- und Neubauten fällig wurden und nun noch einmal über
85 Millionen Euro
benötigt werden.
Einzelpunkte sind: Neue Eishalle, 78 Millionen Euro; Olymppiahalle: Brandschutz etc. 34 Millionen Euro; Zeltdach: „bis zu dreistelliger Millionenbetrag“; Olympiastadion: 48 Millionen Euro; dazu Sanierungen am
Fernsehturm und den Außenanlagen (Welte,  Johannes, Olympiapark: So teuer wird die Sanierung, in tz 6.3.2012; Olympiapark: Stadt verteidigt die Kosten, in sueddeutsche.de 6.3.2012). Kommentar im BR: „Der Olympiapark wird immer ein Verlustgeschäft bleiben – so sieht das auch die Olympiapark München GmbH“ (Olympiapark wird zum Millionengrab, in br.de 6.3.2012).
Nachtrag Olympiahalle:  Im April 2012 belaufen sich die Sanierungskosten der Halle – ohne Zeltdach – schon auf 49 Millionen Euro (Hutter, Dominik, Teurer als geplant, in SZ 14.4.2012).
Das olympische Erbe 1972 wird nahezu unbezahlbar!

Neues vom zerstörten MarienhofDer Tunnel zur zweiten S-Bahn-Stammstrecke sollte bis spätestens 2017 fertiggestellt werden. Er war und ist verkehrstechnisch sehr umstritten und stand in keinem inhaltlichen Zusammenhang mit München 2018. OB Ude stellte dies aber so dar und trieb das Projekt noch vor dem Zuschlag der Olympischen Winterspiele 2018 eiligst voran, um Fakten zu schaffen. Die Münchner Bürger und Touristen schauen seither in das öde Bau-Loch. Die Olympische Winterspiele 2018 kamen nicht nach München, und die inzwischen 2,3 Milliarden teure zweite Stammstrecke kommt hier weniger denn je (Bock, Willi, Marienhof bleibt noch Monate Grab-Stelle, in abendzeitung-muenchen.de 20.2.2012)..

Der Stadtrat ging bei der Genehmigung der Grabungen am Marienhof im April 2011 von einer Dauer von sechs bis acht Monaten aus. Nun wollen die Archäologen noch bis Juli 2012 im Marienhof graben – niemand weiß, was sie noch finden möchten. Die Münchner Bürger und Touristen schauen derweilen in das öde Bau-Loch. „Auch die Geschäftsleute in der Innenstadt haben die Nase voll vom ‚Pingpong-Spiel der Politik‘, wie Wolfgang Fischer von der Händlervereinigung City Partner berichtet… Letztlich, so ist im Rathaus zu hören, wird es wohl auf ein Provisorium am Marienhof hinauslaufen. Die Grube zuschütten, einige Bäume draufpflanzen, ein paar Bänke aufstellen – fertig“ (Völklein, Marco, In der Versenkung, in SZ 11.2.2012).
Die dort befindlichen japanischen Schnurbäume – im Juni 2011 ausgegraben – sind vermutlich längst eingegangen. Zumindest hat man der Abendzeitung im Sommer 2011 den Zugang zu den Bäumen verwehrt –
aus Sicherheitsgründen!

Da die Verwaltung im Münchner Rathaus der Bahn ein Betretungsrecht für den Marienhof gegeben hatte, aber es versäumte, eine Frist in den Gestattungsvertrag aufzunehmen, hat die Stadt wohl das Recht am Marienhof verloren. „Ein Ende der Betretungserlaubnis wurde nicht festgelegt“, betonte ein Sprecher der Bahn im Februar 2012 (Kristlbauer, Matthias, Stadt hat Recht am Marienhof verloren, in Münchner Merkur 17.2.2012). Damit bleibt die Bahn auf dem Marienhof, bis die zweite Stammstrecke offiziell für tot erklärt wird.
Bravo!
Vergleiche auch: Vom Marienhof zum 
Christian-Ude-Hof

Dopende Radfahrer: Alberto Contador, Lance Armstrong, Jan Ullrich

Der Radprofi und Gewinner der Tour de France 2007 und 2009 und des Giro d’Italia 2008 und 2011, Alberto Contador, wurde wegen Dopings mit Clenbuterol zwei Jahre gesperrt; die Titel wurden ihm aberkannt. Contador hatte behauptet, die Substanz sei in einem Kalbsfilet enthalten gewesen. “Der Radsportweltverband UCI und Contadors spanische Funktionärsfreunde haben “nicht mehr verhindern können, dass der 29 Jahre alte Radprofi von nun an unwiderruflich in jener Kategorie zu führen ist, in die er schon 2007 einzuordnen gewesen wäre: in die Liste der Betrüger. 566 Tage nach seiner positiven Dopingprobe auf Clenbuterol … sperrte ihn der Internationale Sportgerichtshof Cas in Lausanne … rückwirkend für zwei Jahre” (Burkert, Andreas, Cas verurteilt Contador, in SZ 7.2.2012).

Im Februar 2012 beendete der US-Bundesanwalt André Birotte im Alleingang und ohne Angaben von Gründen die Ermittlungen gegen Lance Amstrong, obwohl die Staatsanwaltschaft von Los Angeles Klageerhebung in mindestens vier Punkten empfahl. Birotte verweigerte jede Erklärung zu seiner umstrittenen Einstellung des Verfahrens. “Von 1999 bis 2001 praktizierte er in einer Kanzlei, die unter ihren Kunden den Sportkonzern Nike führt, der auch Armstrong ausrüstet” (Kistner, Thomas, Der Radler und der Fitness-Trainer, in SZ 18.2.2012). – „Als Amerika Armstrongs letzte Tour-Siege feierte, arbeitete Birotte als Rad-Fitnesscoach in einem Center in Hollywood“ (Kistner, Thomas, Supermann hinterlässt einen Krater, in SZ 31.12.2012).
Doping im Sport ist in den USA nicht strafbar. Deshalb hatte die Staatsanwaltschaft wegen Betrug und Mißbrauchs von Steuergeldern gegen Armstrong ermittelt. Denn der Hauptsponsor, die amerikanische Post bzw. ihr Rennstall Postal Team, hatte zwischen 2001 und 2004 rund 32 Millionen Dollar investiert und sich vertraglich zusichern lassen, dass die Radprofis sauberen, d.h. dopingfreien Sport betreiben (Ebenda).

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Bund Deutscher Radfahrer wiegeln die Dopingproblematik nach wie vor ab. Dabei sind viele deutsche Radsporthelden von Sydney (2000), Athen (2004) und Peking (2008) schon überführt.
Beim deutschen Radsportler Jan Ullrich, Tour-de-France-Sieger von 1997 und Goldmedaillengewinner im Straßenrennen und Silbermedaillengewinner im Zeitfahren der Olympischen Sommerspiele 2000 in Sydney (Wikipedia), wurden 2002 Amphetamine festgestellt. Ullrich gab an, dass ihm jemand zwei Ecstasy-Tabletten zugesteckt hätte, die er dummerweise genommen habe (Aumüller, Johannes, Rudis Sohn will reden, in SZ 10.2.2012).
Ullrich, der von 1995 bis 2002 für den Bonner Radrennstall Telekom und von 2004 bis 2006 für T-Mobile fuhr, hatte enge Verbindungen zum spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes, der von ihm einen DNA-Abgleich mit Blut eingelagert hatte (Ullrich-Prozess fraglich, in SZ 24.8.2011). Erst seit das Bundeskriminalamt viele Termine von Ullrich mit dem spanischen Dopingarzt Fuentes festgestellt hatte, gab Ullrich diese zu. Am 30.6.2006 wurde er einen Tag vor Beginn der Tour de France gesperrt. 2007 gab Ullrich seinen Rücktritt bekannt und bestritt alle Dopingvorwürfe.
Am 9.2.2012 hat das Cas Ullrich rückwirkend vom 22.8.2011 an für zwei Jahre gesperrt; seine Platzierungen seit Mai 2005 wurden gestrichen (Sechs Jahre Wahrheitssuche, in SZ 10.2.2012). Auf seiner Webseite gab Ullrich an, auf Anraten seiner Anwälte geschwiegen zu haben und durch dieses Thema krank geworden zu sein (Erklärung von Jan Ullrich zum Cas-Urteil – Schlussstrich unter die Vergangenheit, www.janullrich.de 9.2.2012). Der Nürnberger Pharmakologe Fritz Sörgel bemerkte dazu: „Er hat jahrelang gedopt. Sich jetzt mit einem Sorry zu verabschieden, ist natürlich relativ wenig“ (Aumüller, Johannes, Ein unvollendeter Schlussstrich, in SZ 11.2.2012).
Fazit: “Mittlerweile stehen in Deutschland Radprofis unter Generalverdacht” (Ahrens, Peter, Ein erledigter Fall, in SZ 9.2.2012). – “Wann kommt endlich die Akte Lance Armstrong auf den Tisch?” (Kistner, Thomas, Der letzte Schatten, in SZ 10.2.2012).

Siehe auch im Kritischen Olympischen Lexikon: Doping

Neues von der Katar-Olympia-Ausstellung

(Vergleiche zur Vorgeschichte Januar 2012: Katar besticht auch olympisch)

Am 13.2.2012 inszenierte die Leitung des Berliner Martin-Gropius-Baus eine Pressekonferenz zur Ausstellung „Olympia, Kult und Spiele“ , deren Hauptsponsor nunmehr Katar ist. Nachdem der Direktor Gereon Sievernich im Vorfeld alle Anfragen mit Hinweis auf die Pressekonferenz abgeschmettert hatte, erbrachte die Pressekonferenz selbst kaum Neues. Alle Fragen zur Finanzierung der Ausstellung durch Katar wies Sievernich zurück (Schaper, Rüdiger, Sport für die Welt, in Der Tagesspiegel 14.2.2012)..
„… mit Journalisten reden will man nur bedingt. Nur auf deren Nachdruck werden Fragen überhaupt erst zugelassen… Offenbar orientiert die Leitung der Ausstellung ihr Verständnis von Transparenz am Gastgeber der vorigen Olympischen Spiele, Peking“ (Fritsch, Oliver, Die verkaufte Olympia-Ausstellung, in zeitonline 14.2.2012). Die Konferenz wurde dann abrupt beendet und Nachfragen nicht gestattet.
Antworten der Veranstalter zum Hinauswurf von fünf kritschen Wissenschaftlern: „I am not commenting these things.“ – „Entspricht nicht den Tatsachen, was Sie da schildern.“ – „Das kommentiere ich nicht.“ – „The interview right now is finished.“ (Ebenda).

Der zentrale Inhalt der Ausstellung sieht laut dem Archäologen Prof. Wolf Dieter Heilmeyer so aus: „“Wir werden Zeus in den Mittelpunkt der Ausstellung stellen“ (Hessenland, Frank, Nicht auf Medaillenkurs, in dradio.de 13.2.2012). Die Punkte Doping, Korruption, Kommerzialisierung und Politik fänden sich in „noch nicht bearbeiteten Unterkapiteln“, sagte der Direktor des „Qatar Olympia and Sports Museum“, Christian Wacker, der auch als Ausstellungsleiter von „Olympia, Kult und Spiele“ fungiert.
„Der Eindruck, dass es sich bei der Ausstellung „Mythos Olympia – Kult und Spiele“ um ein Projekt handelt, bei dem mit 30 Prozent Finanzierung durch den Bund in Wirklichkeit die Olympia-Bewerbung des Emirats Katar unterstützt wird, wurde heute nicht ausgeräumt. Er hat sich noch verstärkt“ (Hessenland, ebenda).
Doha, die Hauptstadt Katars, hatte sich bereits für die Olympischen Sommerspiele 2016 beworben und war an Rio de Janeiro gescheitert: Das IOC hatte damals eine hitzebedingte Verlegung der Spiele in den September abgelehnt. Für 2020 hat das IOC dieser Verlegung aber schon zugestimmt (Grohmann, Karolos, Wieder ostwärts? in wienerzeitung.at 16.2.2012).
Katar wird die Handball-WM 2015 und die Fußball-WM 2022 ausrichten – beides zwielichtige Entscheidungen. Und Katar hat gerade einen Sponsorenvertrag mit dem FC Barcelona abgeschlossen: Bis 2016 fließen 165 Millionen Euro – für den Trikot-Aufdruck „Qatar Foundation“.
Vergleiche zur olympischen Katar-Ausstellung auch Januar 2012.

Neues vom DOSB-Generalsekretär Michael Vesper

Mitte Februar 2012 legte Vesper die Ziele des DOSB für die Olympischen Sommerspiele London 2012 fest und betonte gleichzeitig die Bedeutung des Medaillenspiegels und der Nationenwertung: „Platz fünf wie in Peking – darunter sollte es nicht sein… Und ich will möglichst oft die deutsche Hymne hören“ (Vesper gibt Platz fünf als Ziel aus, in spiegelonline 15.2.2012).
Das klang reichlich nationalistisch – wie der olympische Sport eben ist.

Sicherheit in Sotschi

Olympischer Vorgeschmack: Im Februar 2012 war Premiere des Abfahrtslaufes in Sotschi. 5000 Bewaffnete sicherten die Sportveranstaltung – schließlich liegt Sotschi nicht weit von Georgiens Grenze entfernt. Die Generalsekretärin der FIS, Sarah Lewis, erklärte die Hintergründe: „Russland als Alpinland ist für die Zukunft des Skisports und der Industrie sehr wichtig“ (Handschlag von Medwedjew, in faz.net 13.2.2012).
Da muss wohl noch etwas für die Zukunft geübt werden: Bei diesem Abfahrtslauf in Sotschi belegte der beste Russe den 44. Platz!
Der WWF Russland rügte die Zerstörung der Natur und die unzähligen abgeholzten Bäume: „Die Schäden sind noch größer als wir erwartet haben und können nicht mehr gut gemacht werden“ (Aumüller, Johannes, Heißer Schnee, in SZ 15.2.2012).
Sotschi 2014 kostet weit mehr als 24 Milliarden Euro und wird damit zu den bislang teuersten Winterspielen  – Pyeongchang 2018 wird sich anstrengen müssen!
München 2018 ist glücklicherweise in diesem olympischen Preiskarussell nicht mehr dabei!

Italien zieht Olympische Bewerbung 2020 zurück

Die italienische Regierung unter Ministerpräsident Mario Monti stieg am 14.2.2012 aus dem Rennen um Olympische Sommerspiele 2020 aus. Letzter möglicher Anmeldetermin wäre der 15.2.2012 gewesen, um die vom IOC geforderten staatlichen Garantien in Lausanne abzuliefern. 60 italienische Spitzenathleten appelierten kurz zuvor an die Regierung, die Kandidatur zu unterstützen.
Die Begründung von Mario Monti: Die schlechte Wirtschaftslage erlaube es nicht, Steuergelder in Olympische Spiele zu investieren und finanzielle Garantien abzugeben. Die schwierige Situation der italienischen Wirtschaft könne nicht ignoriert werden. Es wäre „nicht konsequent, eine derartige Garantie abzugeben und Gelder der Steuerzahler zu riskieren“ (Piller, Tobias, Kein Geld für Rom, in faz.net 14.2.2012).
Das abschreckende Beispiel der Olympischen Sommerspiele 2004 in Athen mit einem milliardenschweren Defizit und die Verdoppelung der Kosten von London 2012 schreckten die italienische Regierung ab (Roma 2020, il governo dice no, in corriere della sera 12.2.2012). Die Kosten für eine Ausrichtung der Spiele Rom 2020 wurden mit 9,5 Milliarden Euro angesetzt. London 2012 kostet schon jetzt knapp das Dreifache und nach Sky TV sogar das Zehnfache der ursprünglich angesetzten Summe! (Vergleiche oben: Olympisches Chaos um München 2022)

DOSB-Präsident Bach sagte hingegen: “… aber meiner Ansicht nach hat die italienische Regierung eine Chance versäumt, ein Signal für wirtschaftliches Wachstum zu senden” (Grohmann, Karolos, Wieder ostwärts?, in wienerzeitung.at 16.2.2012). Weinreich bezeichnete das Statement Bachs als „üblichen olympischen Singsang“ (Weinreich, Jens, Rom und die olympia-Finanzen, in dradio.de 19.2.2012).
Schwer zu glauben, dass Bach seine Aussage ernst nimmt!


Das IOC verlangt von allen Bewerbern um Olympische Spiele umfangreiche Garantien, welche die italienische Regierung angesichts der wirtschaftlichen Situation nicht abgeben kann (Italien zu klamm für Olympische Spiele, in spiegelonline 14.2.2012; Sportpolitik – IOC: Rom zieht Olympia-Kandidatur für 2020 zurück, in sueddeutsche.de 14.2.2012).

Eine weise Entscheidung – und ein IOC-Opfer weniger!

Als offizielle Olympische Kandidaten 2020 vermeldete das IOC dann am 16.2.2012: Istanbul/Türkei, Tokyo/Japan, Doha/Katar (Erdöl, Erdgas), Baku/Aserbaidschan (Erdöl, Erdgas) und Madrid/Spanien. Die Vergabe erfolgt Anfang September 2013 in Buenos Aires.
Spanien ist in einer ebenso schlechten finanziellen Situation wie Italien: Und Madrid ist derzeit mit 6,4 Milliarden Euro verschuldet. Treibende Kraft der spanischen Bewerbung ist IOC-Mitglied Juan Antonio Samaranch junior – der Senior Juan Antonio Samaranch war 21 Jahre IOC-Präsident. Also bewirbt sich Madrid offiziell um 2020 (Cáceres, Javier, Alles für Olympia, in SZ 21.2.2012).
Und Japan, das die Milliarden, die es für Olympische Spiele ausgeben müsste, wahrlich dringender für die Opfer und die Schäden von Tsunami und dem Atomgau von Fukushima bräuchte, „will mit den Olympischen Spielen die Folgen der Natur- und Reaktorkatastrophe des vergangenen Jahres aufarbeiten“ (Weinreich, Jens, Olympia 2020: Rom zieht zurück, in dradio.de 16.2.2012).
Ein unverständliches Vorgehen!
Zur Bewerbung von Doha schreibt Jens Weinreich: „Doha, die Hauptstadt des winzigen, aber steinreichen Emirats Katar, schickt sich an, die Welthauptstadt des Sports zu werden… Die Unternehmen des  Emirats, ob nun Qatar Foundation oder andere, kaufen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, auch den FC Barcelona“
(Weinreich, Jens, Zu heiß? in dradio.de 21.2.2012).
Warum die autoritären Staaten Katar und Aserbaidschan auf Olympische Spiele setzen? Das ist historisch betrachtet nicht neu: Diktatorische Regimes wie Hitler-Deutschland mit den Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen und Berlin 1936, der UDSSR mit den Olympischen Sommerspielen 1980 in Moskau, China (Peking 2008) etc. frönen dem olympischen Sportsgeist und inszenieren sich in der weltweiten unkritischen olympischen Aufmerksamkeit.
Siehe auch unter Aktuelles.

Ringier folgt auf Skandalfirma ISL

Swiss Olympic will die Vermarktung der Olympia-Bewerbung Graubünden 2022 mit Infront Ringier durchführen. Infront Ringier tritt auch als Beraterin von Swiss Olympic auf.
Die Agentur hieß ursprünglich Infront und wurde von Sepp Blatters FIFA gegründet: Deren Präsident und CEO ist der Neffe Blatters, Philippe Blatter. Inzwischen gehört sie zur Hälfte dem Ringier Verlag, der sich damit auch als Unterstützer der Bewerbung outet.
Der Schweizer Nationalrat Felix Müri sorgt sich deshalb um die journalistische Unabhängigkeit der Presseorgane von Ringier. „Welche finanzielle Gegenleistung die Agentur hierfür und für die Beratung erhält, darüber schweigen die Vertragspartner. Wie sich die Gesamtkosten derzeit zusammensetzen, verrät Swiss Olympic auch nicht“ (Tischhauser, Pascal, Harte Kritik am Olympia-Deal mit Ringier, in sonntagszeitung.ch 12.2.2012).
Pikant ist der berufliche Werdegang des Infront-Ringier-Mitarbeiters Sven C. Zehnder. Er hat schon für die vormalige Skandalfirma ISL, eine Sportrechte-Vermarktungsagentur, gearbeitet, war dann Projektleiter für die Olympiakandidatur von St. Moritz/Davos und ist seit Gründung des Vereins „Olympische Winterspiele Graubünden“ dessen Generalsekretär. Nationalrat Roland Nüchel stellt zu Infront Ringier die Frage, „ob man mit einer Agentur zusammenspannen solle, die auch Rechte innehabe, die einst der zusammengebrochenen Sportmarketingfirma ISL gehörten… Schließlich operiere „Infront Ringier“ aus demselben Zuger Büro heraus wie die ISL, die mindestens zwei aktuelle IOC-Mitglieder bestochen hat“ (Ebenda).

London 2012/6: Olympische Miethaie

Der Londoner Mietmarkt ist in normalen Zeiten schon hart. Im Olympiajahr 2012 schlagen die Makler und Vermieter erst recht zu.
400 Prozent mehr Miete für die olympischen Wochen ist fast schon Durchschnitt. Viele Immobilieneigentümer vermieten nur bis zu den Spielen, weil sie die teuren Mieten der olympischen Gäste kassieren wollen. Mieter müssen vor den Spielen ausziehen oder mehr Miete zahlen: „weil Olympia-Jahr ist“. Die Mietervereinigung Shelter berichtete: „Viele Makler schreiben Klauseln in Mietverträge, dass der Mieter die Wohnung während der Olympia-Wochen zu verlassen hat“ (Volkery, Carsten, Londons Miethaie spekulieren auf Olymmpia-Reiach, in spiegekonline 14.2.2012).

Vancouver wurde – auch „dank“ der Olympischen Winterspiele 2010 – bei Immobilien das teuerste Pflaster Kanadas (Calonego, Bernadette, Angst in der Sandburg, in SZ 14.2.2012).
Vancouver teilt damit das Schicksal aller olympischer Austragungsorte: Neben dem IOC profitieren nur die Immobilienbranche und die Bauwirtschaft wirklich.

Weitere Kehrseite der olympischen Medaille: Der Tourismusverband VisitBritain warnte kürzlich die Londoner Hoteliers vor zu hohen Erwartungen: „Die Zahl der London-Besucher werde dieses Jahr stagnieren… Die Erfahrung zeigt: Während die Spiele die sportbegeisterten Massen anziehen, machen andere potentielle Besucher in der Zeit einen weiten Bogen um die Stadt“ (Ebenda).
Das war auch 2004 in Griechenland der Fall: eines der schlechtesten Tourismusjahre – trotz bzw. wegen der Olympischen Sommerspiele.

London 2012/7: Maskottchen-Skandal

Die Olympia-Maskottchen von London 2012 heißen Wenlock und Mandeville und sind Phantasiewesen ohne Charme, die von der Financial Times „einäugige Klöpse“ genannt wurden (Skandal um olympische Maskottchen, in ftd 14.2.2012). Die „Sun“ berichtete Mitte Februar 2012, dass der britische Vertreiber die Plüschfiguren in China unter katastrophalen sozialen Bedingungen herstellen lässt. Die chinesischen Arbeiter der Firma Rainbow Arts & Crafts sind ohne Vertrag und ohne festes Grundgehalt und stellen die Figuren für 31 Cent Stundenlohn her. Überstunden werden nicht gesondert bezahlt, und um Hygiene und Gesundheit der Näherinnen sei es schlecht bestellt. Rainbow Arts & Crafts hatte auch schon für die olympischen Winterspiele in Vancouver 2010 produziert.
Das London 2012 Organizing Committee (Locog) hatte zwar strenge Ethik-Richtlinien für Zulieferer erlassen; diese scheinen aber nicht kontrolliert zu werden.
Der erwartete Umsatz mit den olympischen Souvenirs soll umgerechnet über eine Milliarde Euro betragen; die Plüschfiguren kosten 12 Pfund (14 Euro) und mehr (Ebenda).

London 2012/8: Dow und kein Ende

Eine ein Kilometer lange und sieben Millionen Pfund teure Plastik-Umhüllung um das Londoner Olympia-Stadion sorgte für Ärger. Zunächst sollten berühmte Künstler wie Damien Hirst angesprochen werden, die aber nicht teilnahmen. Der Hauptgrund war wohl, dass der Sponsor des Textilwerkes der Chemiekonzern Dow ist. Dow hatte u.a. Union Carbide gekauft, den Verursacher der schlimmsten Chemiekatastrophe im indischen Bhopal.
Der Labour-Abgeordnete Barry Gardiner warnte, der Ruf jedes britischen Künstlers werde durch eine teilnahme an der Dow-Aktion beschädigt (School sports legacy increasingly at risk as olympic draw near, in guarduan.co.uk 8.2.2012).
Der konservative Abgeordnete Zak Goldsmith, ein früherer Umweltberater von Premierminister David Cameron, griff die Vergabe an Dow scharf an und nannte den Konzern einen der größten globalen Umweltsünder. Der Labour-Abgeordnete Andrew Smith verurteilte Dows Umweltverhalten und forderte die Regierung auf, den Vorgang zu stoppen.
Die härteste Attacke kam vom Labour-Abgeordneten Barry Gardiner, der auch Vorsitzender der „Labour Friends of India“ ist und die Debatte beantragt hatte. Er betonte, dass der Genehmigungsvorgang für die riesige Stoff-Umhüllung fehlende Transparenz zeige und untersucht werden sollte. Die Antragsfrist betrug nur zehn Tage. Die Vergabe an Dow sei unter Druck des IOC erfolgt. Außerdem bezweifelte Gardiner, dass Dow keine Verantwortung für die Giftgaskatastrophe in Bhopal trage. Die Regierung müsse dieses Schlamassel unterbinden und Dow aus den Olympischen Spielen entfernen.
Meredith Alexander, ein führender Umweltschützer, verließ die Ethikkommission der Spiele aus Protest über die Dow-Beteiligung und beschuldigte die Veranstalter, als „Vertreter“ des Chemiekonzerns zu agieren (Suroor, Hasan, MPs ask Britain to kick Dow Chemical out of London Olympics, in thehindu.com 22.2.2012).
Die indische Mannschaft wird unter Protest an den Spielen London 2012 teilnehmen. Das indische Sportministerium protestierte in einem Brief an das IOC scharf gegen das Dow-Engagement. Amnesty International hatte schon im Dezember 2011 die Protestierer unterstützt (Simeoni, Evi, Indien startet nur unter Protest, in faz.net 28.2.2012).

Garmisch-Partenkirchen: „Vergebliche Hoffnung“

In „sport inside“ des WDR wurde am Montag, 27.2.2012 von 22.45 bis 23.15 ein Film von Katharina Studthoff über die Ski-WM im Februar 2011 in Garmisch-Partenkirchen, die damit verbundenen Hoffnungen und die Ernüchterung danach gezeigt.
„Auf rund 100 Millionen Euro beläuft sich der Schuldenberg der Kleinstadt. Dabei hatten die Stadtväter gehofft, dass die Investitionen in die Infrastruktur sich bezahlt machen würden. Eine Rechnung, die seit Jahren nicht aufgeht. Zwar hat Garmisch-Partenkirchen dank der WM nun teure Beschneiungsteiche und neue Skipisten, die modernsten Standards genügen – doch auch damit lässt sich keine Schneesicherheit kaufen.“
Außerdem erwähnte der Filmbetrag, dass die Gemeinde 2011 einen Vertrag mit dem Deutschen Skiverband abgeschlossen hat: Sie muss jedes Jahr eine FIS-taugliche Skipiste zur Verfügung stellen. Dies kostet derzeit eine Million Euro. Der Vertrag läuft: fünfundzwanzig Jahre – also bis 2036!
Zum Film hier.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat, Sigrid Meierhofer, kritisierte anlässlich der Haushaltsdiskussion Bürgermeister Thomas Schmid Ende Februar 2012 bezüglich falscher Angaben zur Gemeindeverschuldung: Schmid erwähnte nur 34 Millionen Euro, welche sich auf die Geschäftstätigkeit der Gemeinde beziehen und ließ die 47 Millionen Euro der BZB und der Gemeindewerke unter den Tisch fallen. Allein die Investitionskosten in den Wintersport lagen seit Amtsantritt von Schmid bei 65 Millionen Euro. Die tatsächlichen Kosten der Ski-WM 2011 würden bewusst verheimlicht. Dafür wird das „Tafelsilber“ der Gemeinde verscherbelt: „Am Ende des Jahres (2012; W.Z.) werden wir also bei rund 33 Mio. Euro liegen, die seit Amtsübernahme unseres BM aus Liegenschaftsverkäufen erlöst wurden – eine traurige Bilanz, wie wir finden“ (Meierhofer, Sigrid, Rede zum Haushalt, 28.2.2012).

Deutscher Skiverband baut Berchtesgaden um

Der DSV will den Jenner zu einem Bundesleistungszentrum für Ski und Snowboard ausbauen – oder besser: ausbauen lassen.
Denn Bund, Land und die Gemeinde Schönau am Königssee sollen dafür 6,3 Millionen Euro investieren. Zur Finanzierung ihres Anteils von zwei Millionen Euro will die Gemeinde das frühere Bahnhofs-Areal verkaufen: Investoren für ein Vier-Sterne-Hotel werden gesucht. Schönaus Bürgermeister Stefan Kurz (CSU) kündigte an, dass der Ort Königssee in Ufernähe „ein neues Gesicht“ bekommen würde (Effern, Heiner, Aufrüstung am Königssee, in SZ 25.2.2012).
Ein fester Parcours für Skicross und eine Buckelpiste sollen gebaut werden – nebst Beschneiungsanlage. Der DSV betonte aber, dass der Bau einer Abfahrtsstrecke eher unwahrscheinlich sei.
Als Drohkulisse gegenüber Garmisch-Partenkirchen lässt sich dies natürlich bestens verwenden, vergleiche hier.
Der Nachbarort Bischofswiesen war das bisherige Leistungszentrum des DSV: „Dort investierte alleine das Bundesinnenministerium Ende der 1990er Jahre ebenfalls mehr als zwei Millionen Euro“ (Ebenda). Hier wollte der DSV weiter ausbauen, wogegen sich die Gemeinde wendete – vermutlich aus sehr vernünftigen Gründen
Also zieht der DSV weiter und baut den nächsten Ort um – mit öffentlichen Geldern.
Für Sportprojekte scheint nach wie vor Geld in Hülle und Fülle bereitzustehen.
So werden am Jenner für eine neue 10er Kabinenbahn15 bis 20 Millionen Euro Investitionen gebraucht. Praktischerweise ist Bürgermeister Kurz auch Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG. Mögliche Investoren sollen eine deutliche Mehrheit von der Gemeinde an der Bergbahn AG erhalten (Ebenda).
Das alte Spiel: Eine Gemeinde setzt – unter Anleitung des DSV – auf den (versiegenden) Wintertourismus, verkauft ihr Tafelsilber und verschandelt ihre Natur – genau wie in Garmisch-Partenkirchen und vielen anderen Orten.

Luxusort St. Moritz

St. Moritz soll nach dem Willen einer kleinen Gruppe um Swiss Olympic Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2022 werden. Ein SZ-Zeitungsartikel hatte den Untertitel: „Die Einheimischen fühlen sich vom Protz-Publikum immer mehr an den Rand gedrängt“ (Koydl, Wolfgang, Darben im Champagnerklima, in SZ 26.1.2012). Der Ort wurde zum Synonym einer Zwei-Klassengesellschaft.
Die zweite Klasse:
„Zweieinhalbtausend Franken Miete für eine kleine Drei-Zimmer-Wohnung – das ist Züricher oder Genfer Niveau“ (Ebenda). Bauplätze gibt es fast keine mehr – und wenn, dann zu unerschwinglichen Preisen. Der Mietwohnungsbau geht gegen Null: Für Einheimische bleibt kaum Wohnraum. „In der Nachbargemeinde Madulain gibt es schon mehr Zweitwohnungen als Einheimische“ (Ebenda). Zum Einkaufen gibt es einen einzigen Coop-Supermarkt; Einzelhändler gibt es fast nicht mehr.
Die Arbeitenden können sich hier schon lange keine Wohnung mehr leisten: Sie kommen ab morgens 4.44 mit der ersten Bahn aus Zernez oder Scuol im Unterengadin. Oder täglich aus Italien von Chiavenna oder noch weiter: über den Grenzübergang Castasegna durch das ganze Bergell zum Malojapass nach St. Moritz und zurück.
Die erste Klasse:
Die Via Suvretta in St. Moritz ist die sechst-teuerste Wohnstraße der Welt. Hier liegen die Villen der Superreichen: u. a. der Dynastien Agnelli, Onassis, Niarchos, der IKEA-Eigner Ingvar Kamprad, der Stahlmagnat Lakshmi Mittal, der Chef des Rohstoffkonzerns Glencore, Ivan Glasenberg.
Die Nobelboutiquen haben die Einzelhändler verdrängt. Sie liegen dicht an dicht und werden von Omnibusladungen reicher Osteuropäer leergekauft.
Olympische Spiele 2022 in St. Moritz würden dieses ganze Dilemma noch einmal verschärfen: Denn an allen Austragungsorten steigen üblicherweise Immobilienpreise und Mieten.

St. Moritz: fix und temporar

Derweilen arbeiten die Olympia-Macher eifrig an der Bewerbung St. Moritz/Davos 2022. Ein Logo gibt es bereits, allerdings keine Zahlen über die Kosten, wie Gian Gilli, der „operative Leiter des Vereins Olympische Winterspiele Graubünden“ einräumte.
Gilli mahnte auch angesichts der Volksabstimmung in Graubünden „andere Denkmuster“ an: „Das ist ein Generationenprojekt mit großem Entwicklungspotenzial für unseren Lebensraum im Berggebiet und unsere Kultur“ (Gian Gilli: „Es braucht wieder die Denkweise der Pioniere“, in suedostschweiz.ch 23.2.2012).
Man würde die Austragungsorte danach vermutlich kaum wiedererkennen.
Da in Graubünden wenig Bedarf in Graubünden an den Olympischen Wettkampfstätten besteht, wird ein Teil als fixe Anlagen geplant, ein zweiter Teil als „kombinierte“ fixe und temporäre Anlagen und ein dritter als rein temporärer Teil.
So soll die Eissporthalle in Samedan während der Spiele 10.000 Plätze und danach 2.500 Plätze haben; die 120-Meter-Schanze in St. Moritz würde „nur für die Spiele zur Verfügung stehen“ und dann ebenfalls des Rückbaus harren (Ebenda).
Mit wirklicher Nachhaltigkeit hat das Ganze nichts zu tun, ob fix, fix-temporär oder temporär.

“Olympia in der Schweiz ist nur denkbar, wenn das IOC bereit ist, die Beschränkungen des Alpenraums zu akzeptieren. Dennoch wäre der Aufwand gewaltig und eine Portion Wahnsinn nötig, um diesen zu leisten” (Geisser, Remo, Eine Portion Wahnsinn nötig, in nzz.ch 12.2.2012).
Im Fall von St. Moritz 2022 wird außerdem ein weiterer Ausbau des Flughafens Samedan wahrscheinlich (vergleiche hier).

Der Präsident von Swiss Olympic, Jörg Schild im August 2011: „Ich bin überzeugt, dass die Schweiz in verschiedenster Hinsicht von Olympischen Spielen profitieren würde. Ich denke da nicht nur an den Tourismus oder an nachhaltige Infrastrukturprojekte, die realisiert werden könnten, sondern auch an die einzigartige Chance, gemeinsam etwas anzupacken. Zudem würde auch die Bedeutung des Sports in unserem Land gestärkt“ (Swiss Olympic will Olympia-Kandidatur in Davos und St. Moritz, in www.swissolympic.ch 11.8.2011).
Man kann direkt Thomas Bach vom DOSB zu München 2018 reden hören! Tourismus gestärkt, nachhaltige Infrastrukurprojekte, etc. Nur die weitere „Stärkung des Sports“ stimmt.

Am 24.5.2012 entscheiden die Vertreter der Schweizer Sportverbände, ob St. Moritz für die olympischen Winterspiele 2022 kandidieren wird.
Da braucht man nicht gespannt sein, wie das ausgehen wird!

Aktuelle Sportsplitter von IOC, Fifa etc. in Februar 2012

– Nachtrag zur Bewerbung von Salzburg um Olympische Winterspiele 2014: Das österreichische Justizministerium und die Staatsanwaltschaft Salzburg werden Anklage wegen Untreue gegen den Ex-Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Comité (ÖOC), Heinz Jungwirth, sowie seine damalige Stellvertreterin erheben.. Es geht um eine Schadenshöhe der Veruntreuung von rund 2,7 Millionen Euro. Ermittelt wird auch gegen drei frühere Bewerbungschefs, zwei Kassiere, einen Strategieberater und Ex-ÖOC-Präsident Leo Wallner (Grünes Licht für eine Anklage, in Salzburger Nachrichten 3.2.2012).

– In der italienischen ersten Fußballliga Serie A wurde in der Saison 2010/2011 in großem Ausmaß Wettmanipulationen vorgenommen. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass mindestens 14 Erstligaspiele manipuliert waren. Ein Mafiaclan aus Bari soll Initiator gewesen sein (Schönau, Birgit, 14 Spiele manipuliert, in SZ 4.2.2012).

– Der frühere Stabhochspringer und jetzige Präsident des NOK der Ukraine, IOC-Mitglied Sergey Bubka, bemüht sich, die Ukraine in die Bewerbung um Olympische Winterspiele 2022 hineinzutreiben: Austragungsort wäre Lviv. Die Spiele sollen helfen, den unterprivilegierten Westteil der Ukraine zu „entwickeln“. Bubka gibt selbst zu: „Ukraine is a sporting nation but it is not a winter sport nation right now“ (Degun, Tom, Ukraine targeting 2022 Winter Olympics to help underprivileged areas, reveals Bubka, in www.insidethegames 6.2.2012).
Also braucht die Ukraine nichts dringender als Olympische Winterspiele 2022!

– Neues aus Sotschi 2014: Fünf Oligarchen und russische Konzerne wurden „eingeladen“ und bauen fünf
Wintersportressorts. Der von Wladimir Putin geförderte vielfache Nickel-Milliardär Wladimir Potanin baut Rosa Khutor, der Mischkonzern von Milliardär (und Anteilseigner des österreichischen Strabag-Konzerns),
Oleg Deripaska, baut das Olympische Dorf, Gazprom baut das Skizentrum mit Langlauf und Biathlon.
Russland muss – unabhängig von den Investitionen der fünf Firmengebilde – geschätzte 24 Milliarden Euro für Infrastrukturmaßnahmen aufbringen: für z.B. das Olympiastadion (44.000 Plätze), das Olympische Dorf mit vorgelagertem Yachthafen, Flughafen, Elektrizitätswerk, Medienzentrum, Themenpark, Schnellbahn etc. Offiziell arbeiten 50.000 Arbeiter daran, inoffiziell wird von 200.000 Arbeitern gesprochen (Smejkal, Michael, Disneylands Härten, in sueddeutsche.de 13.2.2012). Allein die neuen Verkehrswege kosten sechs Milliarden Euro.
„Keinen Augenblick denkt ein grosser Macher an das Leid, das Umsiedlungen von Menschen nach sich ziehen, an den Kater nach dem grossen Fest, an die Schuldenlast, die Jahrzehnte drücken wird. In einer Zeit, in der Staaten vor dem finanziellen Kollaps stehen, ist diese Haltung bedenklich“ (Geisser,  Remo, Eine Portion Wahnsinn nötig,  in nzz.ch 12.2.2012). Vergleiche auch hier.

– Sotschi feiert, Russland friert
Mitte Februar 2012 gab es schon 215 Kältetote in Russland, 5500 Menschen wurden wegen Unterkühlung behandelt. „Besonders betroffen war demnach der Süden des Landes, wo auch das völlig verarmte Konfliktgebiet Nordkaukasus liegt“ (Immer mehr Kälteopfer in Russland, in SZ 14.2.2012). Sotschi liegt an der Schwarzmeerküste des Nordkaukasus.
Die Olympische Familie und die Athleten feiern, die Bevölkerung erfriert…

– Die Fifa beschuldigte ihren ehemaligen Vizepräsidenten Jack Warner Mitte Februar 2012, dass von 250.000 Dollar Erdbebenhilfe für Haiti, die Anfang 2010 an Warner überwiesen wurden, nur 60.000 Dollar auf der insel angekommen seien. Das wurde erst nach zwei Jahren bekannt – kurz nachdem Warner den jüngsten Angriff gegen seinen Ex-Verbündeten, Fifa-Präsident Sepp Blatter, gestartet hatte. Warner, der seit 1990 bis 2011 Chef des nord- und mittelamerikanischen Fußballverbandes Concacaf war, hatte Blatter bei dessen Wiederwahlen stets mit dem Paket von 35 Fifa-Stimmen unterstützt (Kistner, Thomas, Späte Recherche für Haiti, in SZ 16.2.2012).

– Ricardo Teixeira ist seit 1989 Präsident des brasilianischen Fußballverbandes CBF, Chef des Organisationskomitees COL für die Fußball-WM 2014 in Brasilien und sitzt im Exekutivkomitee der Fifa. Der ehemalige Schwiegersohn des brasilianischen Fifa-Präsidenten Joao Havelange steht offenbar kurz vor der Ablösung. „Teixeiras zweite Frau und die 11-jährige Tochter warten bereits in Florida auf den Nachzügler“ (Kistner, Thomas, Frau und Tochter warten in Florida, in SZ 17.2.2012). Die Tochter Antônia bekam bereits im Juni 2011 umgerechnet 1,7 Millionen Euro überwiesen – vom Vereinspräsident des FC Barcelona, Sandro Rosell. Dieser hat wiederum die Qatar Foundation (siehe oben) als Sponsor für den FC Barcelona angeworben: für 165 Millionen Euro bis zum Jahr 2022 (Kistner, Thomas, Millionen für die Tochter, in SZ 18.2.2012).
Die Vorwürfe gegen Teixeira gehen u. a. in Richtung Korruption, Geldwäsche, etc. 2011 wurde bekannt, dass Teixeira mit sich selbst einen denkwürdigen Vertrag abgeschlossen hat: Von den WM-Gewinnen 2014 sollte er die Hälfte erhalten; eventuelle Verluste hätte der brasilianische Fußballverband CBF selbst tragen müssen.

– Nordamerikanische Olympische Winterspiele: Salt Lake City und Denver in den USA, Quebec City in Kanada werden von den jeweiligen Olympischen Komitees für 2022 oder 2026 in Stellung gebracht (Evensen, Jay, Think twice before another Olympic Leap, in desertnews.com 9.2.2012; Trentelman, Charles F., Let the games begin, but let someone else foot the bill, in standard.net 11.2.2012; White, Marianne, Quebec City takes a pass on 2022 Games, in montrealgazette.com 16.2.2012).