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Dezember 2011

Besucher

Im November 2011 hatten wir 11.364 Besucher. Seit Februar 2010 bis einschließlich 30. November 2011 hatten wir insgesamt 300.088 Besucher. Das Interesse ist also nach wie vor groß, vermutlich auch wegen der Diskussionen um eine neuerliche Bewerbung für Olympische Winterspiele München 2022 oder München 2026, siehe unten.

Skirennen im Klimawandel

Die Klimaerwärmung zeigt sich auch und gerade bei den derzeit von der FIS im November und Dezember 2011 geplanten Skirennen.
– Im finnischen Levi sollte am 12. und 13.11.2011 ein Ski-Weltcup-Rennen stattfinden. (Suche nach Schnee, in SZ 4.11.2011). Die FIS musste absagen – es war zu warm für die Beschneiung.
– Auch der Weltcup-Auftakt der Langläufer im norwegischen Beitostölen am 19. und 20.11.2011 entfiel wegen zu warmer Temperaturen (Ebenda).
– Schon im November 2011 war es in den Alpen und in großen Teilen Europas zu warm und zu trocken. Das Allgäu war schneefrei, in Obertauern in Österreich liefen keine Skilifte, in Südtirol wurde der Saisonstart am 16.11. abgesagt. Auch für den Kunstschnee war es an vielen Orten zu warm (Skigebiete verschieben Saisonstart, in spiegelonline 28.11.2011).
– Auf der Zugspitze musste wegen gerade einmal 20 Zentimetern Schnee der Start der Skisaison abgesagt werden (Zugspitze: Schneemangel verhindert Saisonauftakt, in merkur-online 21.11.2011). Auf Deutschlands höchstem Berg gab es im November 2011 zwei „Jahrhundertrekorde“: Seit 1900 war kein November wärmer und kein November trockener! (merkur-online 2.12.2011).
– In Ruhpolding wurden im November 2011 Schnee vom Frühjahr mit schweren Fahrzeugen aus dem Depot geholt und verteilt, um eine eher lächerliche Schneebahn für die Biathleten zu formen (Schnee aus dem Depot, in SZ 30.11.2011).
– Der Ski-Weltcup in Val d’Isère Anfang Dezember 2011 musste wegen Schneemangels bei 11 Grad plus abgesagt und in die USA verlegt werden (Val d’Isère-Rennen nach Beaver Creek verlegt,in sport.oe24.at 30.11.2011).
– In Lillehammer wurde Anfang Dezember 2011 das erste Training des Skispringens abgesagt. Bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt konnte kein Kunstschnee produziert werden. Der Kunstschnee wird nun im 30 Kilometer entfernten Sjusjoen produziert und mit Lkws nach Lillehammer gefahren! (Lillehammer: Schneemangel! Erstes Training abgesagt, in www.skijumping.de 1.12.2011).
– In Annecy war ein Weltcup im Biathlon vom 9. bis 11.12.2011 geplant: er musste wegen Schneemangels nach Hochfilzen in Österreich verlegt werden (Annecy – Schneemangel sorgt für Termin-Chaos, in eurosport.com 5.12.2011).
– Der FIS-Cup-Skispringen am 17. und 18.12.2011 in Garmisch-Partenkirchen musste ebenfalls abgesagt werden – wegen mangelndem Schnee. Das Neujahrsspringen am 1.1.2012 soll in jedem Fall stattfinden. Der Präsident des Skiclubs Partenkirchen, Michael Maurer, erklärte: „Notfalls karren wir den Schnee woanders her.“
– In den kleinen, niedrig gelegenen Skigebiete im Voralpengebiet liegt ebenfalls kein Schnee, und zum Beschneien war es natürlich auch hier zu warm. (Bigalke, Silke, Hoffen auf weiße Weihnacht, in sueddeutsche.de 12.12.2011).

– Auch der Parallelslalom in München am 1.1.2012 wurde abgesagt.
Am 1. Januar 2012 sollte im Münchner Olympiapark als „City-Event“ wieder der grandiose Parallelslalom auf dem Großen Schuttberg stattfinden – mit 200 Meter Streckenlänge! Die Schneekanonen hätten in kürzester Zeit viel ausspucken müssen: Bis 16.12.2011 konnte wegen zu hoher Temperaturen nicht beschneit werden. (Becker, Thomas, Warten auf 4 Grad minus, in abendzeitung-muenchen.de 13.12.2011; Münchner Parallelslalom in Gefahr, in kurier.at 14.12.2011).
Mitte Dezember 2011 galt die Veranstaltung als stark gefährdet. Da war der Olympiasee schon abgelassen (Fuhrin, Katharina, Ski-Weltcup im Olympiapark: Die Schneekanonen stehen bereit, in merkur-online 29.11.2011). Und es gibt eine Ausfall-Versicherung über eine Million Euro! (Becker, Thomas, Warten auf 4 grad minus, in abendzeitung-muenchen.de 13.12.2011; Münchner Parallelslalom in Gefahr, in kurier.at 14.12.2011). Als letzte Lösung sollte noch (vermutlich stark verunreinigter) Schnee vom Münchner Flughafen geholt werden.
Der Parallelslalom wurde schließlich von der FIS am 24.12.2011 um 12 Uhr abgesagt: wegen Schneemangels, zu warmer Temperaruren und Regen statt Schnee (Parallelslalom in München abgesagt, in www.sport.sf.tv/Nachrichten 24.12.2011; München-Parallelslalom fällt ins Wasser, in sport10.at/home/Wintersport 24.12.2011; Parallelslalom in München von der FIS abgesagt, in Kleine Zeitung.at 24.12.2011)
Das ökologische Problem „Ski-Zirkus“ erledigt sich vielleicht durch die Klimaerwärmung von ganz allein.
Vergleiche auch „Aktuelles“.

Ärger um Londoner Sponsor

Mitte Dezember beschloss die Indian Olympic Association, gegen Dow Chemical als Sponsor von London 2012 beim IOC zu protestieren und beantragte, den Sponsorenvertrag mit dem IOC zu lösen. “Es ist nicht akzeptabel, dass so ein Konzern ein Sponsor von Olympischen Spielen ist. Wir werden die Londoner Organisatoren auffordern, die Sponsorenschaft des Konzerns zu beenden.” Die Gründe liegen in der Verstrickung von Dow Chemical durch die Übernahme von Union Carbide: Dieses Unternehmen war für die Giftgas-Katastrophe im indischen Bhopal 1984 mit tausenden Toten und hunderttausenden Verletzten verantwortlich. Dow Chemical weigert sich, für die Langzeit-Opfer eine weitere Entschädigung zu zahlen, fördert aber London 2012 mit sieben Millionen Pfund (umgerechnet 8,14 Millionen Euro). „Inakzeptzabel, sagte Indiens NOK-Präsident Vilay Kumar Malhotra“ (Indiens NOK macht ernst, in SZ 16.12.2011).
Organisationsleiter Sebastian Coe hielt dagegen, er sehe sich in völligem Einklang mit Dow’s Rolle bei London 2012: “I feel comfortable” (Indian Olymic Association to complain to IOC over Dow sponsorship, in The Guardian 15.12.2011).
Vergleiche hier.

Was kostet das Münchner Olympische „Erbe“?

Das Erbe der Olympischen Sommerspiele München 1972 wird immer teurer – nachdem schon bisher 118 Millionen Euro in die Sanierung des Olympiaparks gesteckt wurden. Derzeit sollen noch einmal 234 Millionen Euro investiert werden: allein 67,54 Millionen in die Olympiahalle (Umbau 34,55 Millionen, 19,2 Millionen für „optische und funktionale Aufwertung“, etc.) Dazu kommen 80 Millionen Euro für das Zeltdach, 40 Millionen für die neue Eishalle etc.: 234,43 Millionen Euro eben. Weitere 30,8 Millionen Euro wurden für die neue Kleine Olympiahalle investiert, von der Veranstalter sagen, sie sei aufgrund mieser Akkustk und Architektur „unbuchbar“ (Hochkeppel, Oliver, Beton, Beton, in SZ 26.11.2011).
Seit 2007 sind die Stadtwerke Erbpacht-Eigentümer des Olympiaparks; sie bzw. richtigerweise ihre Kunden, die Münchner Bürger, bezahlen die Sanierung der Olympia-Anlagen (Bock, Willi, Sanierung der Olympiahalle: Kosten explodieren, in abendzeitung-muenchen.de 5.12.2011).
„Das Olympische Erbe von 1972 ist und bleibt also ein teurer Spaß“ (Dürr, Alfred, Disziplin Kostenhochsprung, in SZ 6.12.2011).
Schwer zu verstehen, der „Spass“ dabei. Man kann nur sagen, bloss nie wieder ein olympisches Erbe antreten!!!

Das teuere deutsche Sport-Erbe

Das deutsche Sporterbe wiegt schwer und wird immer teuer.
In den 1960er und 1970er Jahren gab es den „Goldenen Plan“ in Westdeutschland: Unzählige Sportstätten wurden gebaut, die jetzt zumeist marode sind. Über das Konjunkturpaket II (2009/2010) bekamen die Kommunen eine Milliarde Euro für die Sanierung. Von 1999 bis 2009 gab es den „Goldenen Plan“ Ost: Mit 71 Millionen Euro wurden 528 ostdeutsche Sportstätten saniert (Ebenda). Auch sie werden immer höhere Folgelasten verursachen.
„Das Deutsche Institut für Urbanistik sieht für kommunale Sportstätten einen Bedarf von 35 Milliarden Euro“ (Sportpolitik – Sportstätten: Sanierung maroder Sportstätten kostet Milliarden, in sueddeutsche.de
13.12.2011).
Der DOSB fordert seit Jahren lauthals mehr Sportstätten für den Spitzensport und lässt ganz bewusst die Folgelasten aus. Und dann erfolgt der Ruf nach dem Staat, der alles zahlen soll: Bau und Unterhalt der Sportstätten für Breiten- und Spitzensport.

Neue Olympische Disziplinen in Sotschi 2014

Noch ein Grund, warum wir über das Scheitern der Bewerbung von München 2018 froh sein können: Im Januar 2011 entschied IOC-Präsident Rogge, dass es acht (!) neue Diszplinen bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi geben wird. Zum Teil wurden sie von der Ticket-To-Ride-Tour abgekupfert wurden, siehe November 2011 und unten.
„Ski-Halfpipe, Ski-Slopestyle, Snowboard-Slopestyle, Snowboard-Parallelslalom (jeweils für Frauen und Männer), Teamwettbewerbe im Rodeln und Eiskunstlauf und Frauen-Skispringen“ (Hahn, Thomas, Niemand lächelt mehr, in SZ 3.12.2011).
Wer weiß, wieviel mehr Wettbewerbsdisziplinen 2018 dazu kommen werden!

DOSB-Mitgliederversammlung

Am 3.12.2011 fand in Berlin in Anwesenheit der beiden Berliner Spitzensportler, Bundespräsident Christian Wulff und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, die Mitgliederversammlung des DOSB statt. Raffinierterweise war die Tischvorlage für die Absage von einer Bewerbung München 2022 schon am Tag vorher schon bekannt.
Eine Bewerbung München 2022 wird es nicht geben – die Absage erfolgte mit DDR-ähnlichen Mehrheitsverhältnissen (keine Gegenstimme, vier Enthaltungen). Weitere Ergebnisse: Bach kann wegen der Absage immer noch IOC-Präsident werden, Garmisch-Partenkirchen ist sportpolitisch draußen, immer mehr Geld fließt weg vom nichtolympischen Sport und vom Breitensport hin zum Olympischen Sport (schließlich heißt es ja: Deutscher OLYMPISCHER Sportbund).
Bei Shakespeare heißt es: Much Ado about Nothing. Viel Lärm um nichts.
Näheres hier.

Ude, wie er leibt und lebt

OB Ude äußerte zu der vom DOSB abgeblockten Bewerbung München 2022 und der Frage, ob er froh sei, dadurch keine Konflikte mit den Garmisch-Partenkirchner Landwirten zu haben: „Ich scheue die politische Auseinandersetzung überhaupt nicht, weil ich der Meinung bin, dass die Garmischer Grundstücksbesitzer ihre Möglichkeiten ausgereizt haben und die Mehrheitsverhältnisse in Garmisch bekannt sind“ („Die Olympia-Bewerbung ist nicht vom Tisch“, in sueddeutsche.de 5.12.2011).

„Ausgereizt“: Hier riecht man die alte Drohung Enteignung – so eine weitere Bewerbung gekommen wäre!
Vergleiche auch: Mitteilungen an die Bürger in Garmisch-Partenkirchen

Die Stadt München dankt Thomas Urban, EX-DAV

Der bisherige Hauptgeschäftsführer des DAV, Thomas Urban hatte entscheidenden Anteil daran, dass der Deutsche Alpenverein die Bewerbung München 2018 bis zuletzt bedingungslos unterstützte. „Während die meisten Umweltverbände das Konzept von München 2018 als grüne Farce schmähten, hielt er die Alpinisten eisern in der Spur der Olympiafreunde um Oberbürgermeister Ude“ (Effern, Riedel, Ruhland, „Es war, als hätte mir jemand den Stecker rausgezogen“, in SZ 17.1.2012).
Selbst an dem Sturz des damaligen DAV-Präsidenten Prof. Heinz Röhle war Urban Anfang Juli 2010 maßgeblich beteiligt. Ein Insider schrieb zum Sturz Röhles: „Er ist der erste DAV-Präsident seit Bestehen des Alpenvereins (1869), der aus dem Amt gedrängt wurde und obendrein nicht von dem Gremium, das ihn gewählt hat.“ Zu Urbans Taktik siehe auch hier unter 3.7.2010.
Trotz der vielen vereinsinternen kritischen Stimmen unterstützte der DAV – und hier vor allem Urban – bis zuletzt vehement München 2018. Deshalb bin ich im Juli 2010 aus dem DAV ausgetreten (siehe hier). Ich schrieb in meinem Austrittsbrief am 5.7.2010: „Damit zeigt sich die wirkliche Interessenslage der derzeit tonangebenden Geschäftsführung in der DAV-Leitung. Bei dem einen oder anderen DAV-Beschäftigten würde mich eine Fortsetzung seiner Karriere beim DOSB nicht wundern.“

Ich habe mich an diesem Punkt geirrt, aber nicht in der Sache, sondern im Arbeitgeber. Der neue Arbeitgeber  von Urban ist nicht der DOSB, sondern die Landeshauptstadt München. Urban wurde Mitte Dezember 2011  Chef des Münchner Sportamts (Thomas Urban wird Chef des Sportamts, in SZ 15.12.2011). Urbans Einsatz, so die SZ, „hat sich gelohnt, künftig soll er Münchens Sportlern die Spur vorgeben“ (Effern, Riedel, Ruhland 17.1.2012).
So belohnt die Stadt den bedingungslosen Verfechter von München 2018.

Vielleicht könnte Urban gleich noch die Medaille „München leuchtet“ erhalten – wie die München-2018-Freunde Rosi Mittermaier, Christian Neureuther und Kati Witt zuvor.
Schade, dass man die Medaille nach der verheerenden Niederlage der Bewerbung am 6.7.2011 in Durban nicht mehr in „München 2018 leuchtet“ umbenennen kann.

Garmisch-Partenkirchen wird immer teurer

Der Vorstand der Kreissparkasse von Garmisch-Partenkirchen, Georg Fink, wies Mitte Dezember 2011 darauf hin, dass die Immobilien-Verkäufe 2011 kräftig gestiegen seien. Als Grund gab er die Ski-WM und die (gescheiterte) Olympia-Bewerbung 2018 an. „Die Leute wurden darauf gebracht, dass man in Garmisch-Partenkirchen gut wohnen kann.“ In der Preistabelle für gebrauchte Immobilien liegt die Region Garmisch-Partenkirchen im bundesweiten Vergleich an zweiter Stelle hinter Frankfurt – und noch vor dem teueren München (Begehrt, aber kaum bezahlbar, in Münchner Merkur 20.12.2011; Hoffmann, Nadja, Begehrt, aber kaum bezahlbar, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 21.12.2011).
Die Steigerung der Immobilienpreise und der Mieten wäre noch weit extremer, wenn München 2018 tatsächlich gekommen wäre: Davor hat Nolympia von Anbeginn gewarnt. Denn die Steigerungen für Immobilienpreise und Mieten hat sich an allen bisherigen Austragungsorten Olympischer Spiele gezeigt. Nicht umsonst hat die Immobilienwirtschaft (Immo 2018!) tatkräftig die Bewerbung München 2018 unterstützt (siehe hier). Leidtragende sind hiesige Mieter und Wohnungssuchende.

Dazu steigen die Kosten für die Wintersport-Events. Die Gemeinde muss die Ski-Weltcup-Rennen 2012 mit mindestens 400.000, maximal 600.000 Euro fördern. Dazu kostet kostet die Präparierung der Strecke 25.000 Euro, 85.000 Euro der Auf- und Abbau der Sicherheitsnetze (Brinkmann, Tanja, Weltcup-Rennstrecken kosten 600.000 Euro, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 24.12.2011).
Und es stiegen die Kosten für die Bewerbung München 2018. Im Mai 2010 musste bereits ein Darlehen in Höhe von 444.475 in einen verlorenen Zuschuss umgewandelt werden. Mit 653.940 Euro muss die Gemeinde anteilig das Defizit der Bewerbungsgesellschaft mittragen. Damit kostete München 2018 dem hochverschuldeten Garmisch-Partenkirchen fast 1,1 Millionen Euro.
Die Zusage von Horst Seehofer, dass die kleinen Orte die Erhöhung des Bewerbungsbudgets nicht mittragen müssten, war nichts wert: Wie der Rathaussprecher mitteilte, wurde diese nur mündlich gegeben, und mündliche Zusagen sind nicht bindend.
Trotzdem erzählten die Verantwortlichen vom „Schub für den Ort“. Bürgerneister Schmid berichtete: „Wir haben im Haushalt so viele Mehreinnahmen, dass wir diese Summe decken können“ (Brinkmann, Tanja, Nachschlag für Olympia, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 31.12.2011)
Der „Schub für den Ort“ ist höchstens ein Schub für die Schulden. Und bei 110 Millionen Euro Verschuldung hätte Garmisch-Partenkirchen etwaige Überschüsse besser verwenden können als für eine verunglückte olympische Bewerbung.

Bach und das Geld

Zum Jahresausklang gab sich DOSB-Pträsident Bach beim Ausblick auf London 2012 noch besorgt: „Der Kampf um die Medaillen wird härter, dieser Kampf ist mit nichts vergleichbar.“ China, Russland, Großbritannien, Japan, Südkorea: „bei den anderen Nationen war noch nie so viel Geld im Spiel wie jetzt“ (Catuogno, Claudio, Wahrheiten neben dem Treppchen, in SZ 28.12.2011).
Also, Deutschland, Merkel, wer auch immer: Überweise dem DOSB sofort noch mehr Millionen Euro – sonst keine olympischen Medaillen.
Sehr wahrscheinlich erzählt der jeweilige olympische Chef von China, Russland, Großbritannien, Japan, Südkorea das selbe über seine jeweiligen Konkurrenten.

Das Manöver läuft – IOC-gesteuert – weltweit gleich ab mit dem Ziel: „… dass der Sport mehr Geld braucht für die Medaillenproduktion“ (Claudio Catuogno, SZ 28.12.2011).
Vorschlag zum Jahr 2012: 1) Selbstfinanzierung des unsinnigen Systems Spitzensport ausschließlich durch eigene Finanzmittel des DOSB. Strikte Trennung des Sp(r)itzensports vom sinnvollen, öffentlich geförderten System Breitensport.

Aktuelle Sportsplitter von IOC, Fifa etc. in Dezember

– Joao Havelange, 95, jahrzehntelanger Präsident der Fifa und IOC-Mitglied seit 1963, war Anfang Dezember 2011 wegen des ISL-Skandals endgültig nicht mehr zu halten. Er trat „freiwillig“ aus dem IOC aus. Damit wurde er vom IOC nicht weiter als Beschuldigter geführt, da er nur mehr „einfacher Bürger“ sei. IOC-Präsident Rogge spielte die Causa Havelange gezielt herunter: „Havelange hat mir in einem Brief von Gesundheitsproblemen geschrieben, die ihn von Reisen abhalten“ (Sportpolitik – IOC: Rogge: Für IOC ist Fall Havelange beendet, in sueddeutsche.de 6.12.2011). Zu Havelange siehe hier. 

– Lamine Diack, IOC-Mitglied und Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes, hat 1993 von der Skandalfirma ISL 58.880 Schweizer Franken erhalten und wurde von der Ethikkommission des IOC am 8.12.2011 verwarnt. Issa Hayatou, IOC-Mitglied und Vizepräsident der Fifa, bekam 1995 von der ISL 24.700 Schweizer Franken und erhielt jetzt vom IOC eine Rüge. „Das IOC hat bewiesen, dass wir es ernst meinen“, sagte IOC-Präsident Rogge und bedauerte gleichzeitig, „Kollegen und Freunde“ disziplinieren zu müssen (Weinreich, Jens, Jacques Rogge sagt: „reports are confidential“ und „a warning is not a sanction“, Blog 8.12.2011; Milde Strafen für IOC-Top-Funktionäre, in spiegelonline 8.12.2011).

– In Rio de Janeiro werden seit geraumer Zeit die Elendsviertel (Favelas) für die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele von Spezialkräften der Polizei geräumt. „… vor allem im Süden und Südosten der Stadt grenzen Favelas fast unmittelbar an Orte, die während der WM und der Sommerspiele Hunderttausende Touristen frequentieren werden“ (Gilbert, Carmen, Rios verschleppte Kinder, in Der Spiegel 47/2011).

– Deutsche Steuerfahnder überprüften Anfang November 2011 mit der Aktion „Abseits“ die deutschen international tätigen Bundesliga-Schiedsrichter: UEFA und Fifa hatten den Schiedsrichtern nahegelegt, im Ausland (Schweiz! Liechtenstein!) Konten zu eröffnen. Die Fifa betonte, jeder, der für sie arbeite, sei „für die eigene Steuererklärung verantwortlich“ (Buschmann, Rafael, Pfeil, Gerhard, Wulzinger, Michael, Aktion Abseits, in Der Spiegel 45/2011). Ergebnisse waren für den Dezember geplant: Bekannt wurde aber bislang nichts.

– Die mit zwei Goldmedaillen, einer Silbermedaille und zehn WM-Titeln erfolgreichste deutsche Biathletin Magdalena Neuner erklärte Anfang Dezember 2011 ihren Rücktritt nach der Saison 2011/12. Ein Grund waren auch die Olympischen Winterspiele in Vancouver 2010, wo sie drei olympische Medaillen gewann. Neuner hatte hier andere Vorstellungen: „Dass wir Sportler im Vordergrund stehen, dass ein besonderer Spirit herrscht, aber wir wurden nur herumgeschubst. Nein, das muss ich nicht noch einmal haben“ (Dieterle, Claus, „Olympia war eine große Enttäuschung, in faz.net 7.12.2011). – „Ich dachte, da geht es um den Sport, um den olympischen Geist… Einmal Olympia hat gereicht“ (Mölter, Joachim, „Einmal Olympia hat gereicht“, in SZ 8.12.2011).

– Das Indische Olympische Komitee wird nun doch beim IOC beantragen, den Sponsorenvertrag mit dem IOC zu lösen (siehe auch hier). „Wegen der Verstrickung in die Giftgas-Katastrophe in Bhopal 1984 sei die Rolle des Unternehmens, mit dem das LOCOG (Londoner Olympisches Organisationskomitee; W. Z.) einen Sieben-Millionen-Pfund-Vertrag (umgerechnet 8,14 Millionen Euro) abgeschlossen hat, ‚inakzeptabel‘, sagte Indiens NOK-Präsident Vijay Kumar Malhotra“ (Indiens NOK macht ernst, in SZ 16.12.2011; siehe auch oben).
Für das IOC heißt es stets: Pekunia non olet, Geld stinkt nicht. Die Inder werden die Macht des Geldes zu spüren bekommen.

– Nach wie vor gibt es keine Einigung zwischen den Ticket-To-Ride-Snowboardern (TTR) und der FIS (siehe Chronologie November 2011). Die FIS blockiert jede Einigung und pocht auf den Alleinvertretungsanspruch, den ihr das IOC eingeräumt hat. Seit 1998 hat sich die FIS die Disziplinen der Snowboarder Halfpipe und Riesenslalom unter den olympischen Nagel gerissen, Bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 klaut die FIS der TTR die Diszipin Slopestyle, ohne darin bisher auch nur einen wichtigen Wettbewerb ausgetragen zu haben. Der deutsche Snowboarder Elias Erhardt wird deshalb bei Sotschi 2014 nicht teilnehmen: „Denn die FIS repräsentiert unseren Sport nicht“ (Scharnbeck, Johannes, Snowboarder fühlen sich bevormundet, in Stuttgarter Zeitung 16.12.2011).

– Die zweite Etappe des weltweiten Volvo Ocean Race führt über 10.000 Kilometer zum Emirat Abu Dhabi. Da hier Piratengefahr besteht, werden die Teams einen geheimen Hafen anlaufen, wo die sechs Segelyachten auf ein Frachtschiff geladen werden. Dieses fährt – von Kriegsschiffen eskortiert – bis kurz vor Abu Dhabi, wo die Schiffe wieder ins Wasser gelassen werden. “Rund zwei Millionen Euro soll die skurrile Sicherheitsmaßnahme kosten, die zu Beginn der dritten Etappe wiederholt werden wird.” Und warum wird die gefährliche Abu Dhabi-Route genommen? Sehr einfach: “Abu Dhabi ist Sponsor des gleichnamigen Teams” (Petz, Ingo. Keine Peilung hinter Madagaskar, in SZ 16.12.2011).
Alles mit Sicherheit völlig nachhaltig…

– Blatters Fifa-Vize Julio Grondona geriet im Dezember ins Visier der argentinischen Bundesrichter. Der Vorwurf: Grondona, seit 1979 Präsident des argentinischen Fußballverbandes Afa, soll mehr als 100 Millionen Dollar auf Konten in der Schweiz, England und den USA horten. Ins Blickfeld geriet wieder die skandalöse Vergabe der Fußball-WM 2022 nach Katar. Angeblich sollen 78 Milllionen Dollar an Grondonas Afa geflossen sein. Dazu ging es um teure Fernsehrechte – und skandalöse Wahlen. Bei der letzten Afa-Abstimmung durfte die Opposition nicht in den Saal. „An der Tür hing ein Schild: ‚Geschlossen wegen sanitärer Hygiene.‘ Drinnen wurde Grondona erneut gewählt, mit 46:0 Stimmen. Sauberer gehts nicht“ (Burghardt, Peter, Kistner, Thomas, Mehr Klagen als All Capone, in SZ 17.12.2011).