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Die Sport-Paläste

25.3.2011, aktualisiert 9.6.2015
© Wolfgang Zängl / Gesellschaft für ökologische Forschung

„Seit der Jahrtausendwende hat sich die Zahl der im Raum Lausanne ansässigen Sportverbände und Sportorganisationen mehr als verdoppelt. Insgesamt 55 Organismen – vom europäischen Golfverband über den europäischen Fußballverband Uefa bis zum Bowling-Weltverband – haben ihren Sitz heute am Genfersee. Die Schweiz ist in diesem Segment überhaupt führend, schließlich beherbergt sie in Zürich auch den Weltfußballverband Fifa und den Eishockey-Weltverband sowie in Oberhofen im Kanton Bern den internationalen Skiverband“ (Kucera 28.4.2015). Anfang 2015 waren es schon 68 internationale Sportverbände – dazu viele internationale Sportorganisationen, die ihren Sitz in der Schweiz hatten (Bühler 29.5.2015).
Dies geschah nicht ohne Grund. Hier ist die Gründung von Gesellschaften sehr einfach und geschieht weitgehend ohne große Vorschriften. Dazu ist es einfach, die Statuten so zu gestalten, dass der wirtschaftliche Ziel wegfällt (Swissinfo.ch 6.3.2008). Die internationalen Sportverbände sind hier steuerlich frei gestellt, müssen also für ihre zum Teil riesigen Gewinne keine Steuer abführen. (Die Internationale Athleten IAAF praktiziert dies im ebenfalls steuerfreundlichen Fürstentum Monaco.)
Jens Sejer Andersen von „Play the Game“ sagte über sie: „Die Verbände haben sich in den letzten dreißig Jahren ein sehr gut funktionierendes  globales System aufgebaut – die Politiker der einzelnen Länder haben Probleme, weltweit so zu kooperieren, dass international gültige Gesetze geschaffen werden können“ (Uthoff 4.10.2011). Thomas Kistner schrieb: „Das Schweizer Vereinsrecht ist eine Traumvorlage für Sportverbände, die ja faktisch Millionen- oder Milliardenbetriebe sind. Zwei Personen können einen Verein gründen; es existiert keine Registerpflicht, schon gar keine Verpflichtung zu Buchprüfung oder für externe Kontrollen“ (Kistner 2012, S. 273).
Die Stadt Lausanne lockt immer weitere Sportverbände mit Sonderkonditionen an. „Die Hauptargumente, mit denen weitere Sportverbände angezogen werden, lauten wie folgt: Sie müssen während der ersten zwei Jahre keine Miete zahlen, sie sind dauerhaft steuerbefreit, verfügen über einen direkten Draht zum zuständigen Staatsrat, und sie können dank der Nähe zum IOK und zu anderen Verbänden Synergien nutzen“ (Kucera 28.4.2015). Angeblich nehmen Stadt und Umland pro Jahr 100 Millionen Franken durch die Organisationen ein. Nach einer Studie der in Lausanne (!WZ) ansässigen Akademie für Sportwissenschaften (AISTS) bringen die Internationalen Sportverbände dem Kanton Waadt (Vaud)sogar 550 Millionen Franken (Ebenda). „Und Lausanne kämpfte lange, dass die internationalen Sportverbände in der Schweiz auch in Zukunft von den steuern befreit bleiben“ (www.swissolympic.ch, Lausanne, capitale olympique, S. 2) Dazu begünstigt die Rechtssprechung im Kanton Waadt (Vaud) Unternehmen und Verbände. In der Schweiz ist gerade eine Diskussion bis hinauf zum Bundesrat entbrannt, ob die steuerliche Befreiung weiter so gehandhabt werden soll; eventuell soll dieses „Privileg“ nun in nächster Zeit enger reglementiert werden (Vgl. Wulzinger in Der Spiegel 48/2010).
Dieses hier bislang noch gewährte Privileg setzen IOC und Fifa dann im jeweiligen Austragungsland Olympischer Spiele bzw. Fußball-Weltmeisterschaften durch. Meist residieren die Internationalen Sportverbände an vornehmsten Adressen in luxuriösen Anwesen. Einige der Sport-Pyramiden habe ich im März 2011 fotografiert. Zum Teil sind die profanen Verwaltungen an anderen Orten untergebracht. ————————————————————————————————-
International Ice Hockey Federation (IIHF), Brandschenkestr. 50, 8002 Zürich/Schweiz:

Gegründet 1908 mit Sitz in Zürich. 69 Mitglieder, davon 51 Vollmitglieder. Derzeitiger Präsident ist René Fasel, der die Eishockey-WM 2014 ohne die geringsten Skrupel an den weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko vergeben hat.

 

 

 

IIHF, Zürich, Schweiz,6.3.2011 / ©goef-wz

 

 

 

IIHF, Zürich, Schweiz,6.3.2011 / ©goef-wz

Fédération Internationale du Ski (FIS), Blochstr. 2, 3653 Oberhofen/Thuner See /Schweiz:
Gegründet 1924 in Chamonix, 110 Mitgliedsverbände. Vergleiche auch: http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/hodler-marc/

 

 

 

FIS, Oberhofen, Schweiz, 8.3.2011 / ©goef-wz

Union Cycliste Internationale (UCI)

Gegründet 1900 in Paris, dann Lausanne. Seit 2002 ist der Sitz in Aigle am Genfer See. 170 nationale Verbände mit 600.000 lizensierten Radsportlern. Die UCI, ihr früherer Präsident Hein Verbruggen und auch der jetzige Pat McQuaid, sind wegen Verwicklungen in Dopingaffären stark umstritten. Die Dopingfälle Lance Armstrong und Alberto Contador wurden von der UCI bewusst heruntergespielt.

 

 

 

Union Cycliste International, Verwaltungsgebäude Aigle, Waadt, Schweiz, 9.3.2012

 

 

 

 

Union Cycliste International, Tafel am Verwaltungsgebäude Aigle, Waadt, Schweiz, 9.3.2012

International Handball Federation (IHF), Basel/Schweiz
Gegründet 1946 in Kopenhagen, Sitz heute ist Peter-Merian-Str. 23, Basel. Seit 2000 ist der Ägypter Hassan Moustafa Präsident, gegen den die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt wegen des Verdachts der Untreue und der Internationale Sportgerichtshof CAS wegenn Spielmanipulation 2008 ermittelte (Eggers, Glindemeier 30.1.2009; Kistner 17.5.2010).

 

 

 

IHF, Basel, Schweiz, 9.8.2013

Fédération Internationale de Basketball (FIBA)
Weltbasketballverband, gegründet 1932 mit Sitz in Genf, 213 Nationale Verbände. Präsident ist seit 2010 der Franzose Yann Mainini, Generalsekretär seit 2002 der Schweizer Patrick Baumann (Wikipedia).

 

 

 

FIBA, Genf/Schweiz, 1.3.2013 ©goef-wz

Maison du Sport International (MSI), Avenue de Rhodanie 54, 1007 Lausanne(/Schweiz:
Die Stadt Lausanne baute das 2006 eröffnete MSI zusammen mit dem Kanton Waadt (Canton de Vaud) und dem IOC in der Nähe des IOC. Das MSI wurde laufend erweitert: Das vierte Haus ist gerade fertig geworden. Interessierte Sportverbände stehen auf einer langen Warteliste. Wie sich die Schlagkraft dieser Sportverbände und –funktionäre dadurch erhöhen kann und was in Zukunft an Lobbyarbeit der Sportfunktionäre noch zu erwarten ist, lässt sich hier erahnen.

 

 

 

MSI, Lausanne, Schweiz, 8.3.2011 / ©goef-wz

Im MSI residieren elf Internationale Verbände, u. a. FITA International Archery Federation; BWF Badminton World Federation (branch office); FIBT International Bobsleigh and Tobogganing Federation; AIBA International Boxing Association; WBF World Bridge Federation; ICF International Canoe Federation;FICS International Federation of Sports Chiropractic; FIE Fédération Internationale d’Escrime; ISF International Softball Federation – European Office; FISA International Rowing Federation; WTF World Taekwondo Federation

 

 

 

MSI, Lausanne, Schweiz, 8.3.2011 / ©goef-wz

Ebenfalls hier angesiedelt wurden 13 Sportorganisationen wie die World Anti-Doping Agency (WADA) und elf Firmen, die im Sport tätig sind wie die Sportmarketing-Agentur „IEC in Sports“ und Ernst & Young SA (Quelle: Briefkastenanlage MSI; Wikipedia)

Union of European Football Associations (UEFA), Route de Genève 46, 1260 Nyon/Schweiz
Die UEFA wurde 1954 gegründet und ließ sich 1995 in Nyon nieder. Das Verwaltungsgebäude liegt malerisch direkt am Genfer See und wurde mit dem neuen Rundbau erweitert.

 

 

 

UEFA, Nyon, Schweiz, 8.3.2011 / ©goef-wz

 

 

 

UEFA, Nyon, Schweiz, 8.3.2011 / ©goef-wz

Ein dritter Bau entsteht gerade.

International Association of Athletics Federations (IAAF), 17, Rue Princesse Florestine, Monaco Die IAAF hat seit 1993 ihren Sitz in Monaco, wo 70 Mitarbeiter tätig sind. Die Hauptverwaltung ist in der Rue Princesse Florestine.

 

 

 

IAAF, Monaco, 9.3.2011 / ©goef-wz

 

 

 

Villa Miraflores, Avenue St. Michel, Monaco. Seit 1993 residiert hier der Präsident des IAAF. Dies war von 1981 bis 1999 der höchst umstrittene Primo Nebiolo. Sein Nachfolger ist der Senegalese Lamine Diack, ein früherer Weitspringer und seit 1982 Mitglied des IOC. Sein Nachfolger soll im August 2015 der ebenfalls höchst umstrittene Sebastian Coe werden. / ©goef-wz

In der Villa Miraflores in der Avenue St. Michel residieren Präsident, Generalsekretär und Generalsekretariat. Zu IAAF vergleiche auch: http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/nebiolo-primo/

Fédération Internationale de Football Association (Fifa), Zürich/Schweiz

Die Fifa weihte am 29. Mai 2007 das neue „Home of Fifa“ im Züricher Stadtteil Hottingen ein, das umgerechnet 155 Millionen Euro gekostet hat. Das Gebäude ist 140 Meter lang und 55 Meter breit (Kistner 2012, S. 203). Drei Stockwerke sind über der Erde – und fünf Etagen unter der Erde. Bei 6000 Quadratmeter Grundfläche pro Geschoß macht dies 48.000 Quadratmeter – jeder der 260 Mitarbeiter hätte damit 185 Quadratmeter. Fifa-Präsident Sepp Blatter residiert ganz oben, mit Möbeln und Wänden aus geschliffenem Wurzelholz afrikanischer Nussbäume (Reischauer 17.5.2006). Der hauseigene Andachtsraum ist mit Onyx ausgekleidet: Dort wird „vor allem gesungen, um anschließend der Welt davon zu erzählen“ (Catuogno 22.10.2010).

 

 

 

FIFA, Zürich, Schweiz, 7.3.2011 / ©goef-wz

Die Fifa konnte 2010 durch die WM in Südafrika, wo sie vier Milliarden Dollar Gewinn machte, ihre Rücklagen auf 870 Millionen Euro aufstocken (Pleite für Joordan – Gewinn für den Weltverband, in handelsblatt.com 24.3.2011). Südafrika konnte dies nicht: Das hoch verschuldete Land bezahlte für die WM letztlich vier Milliarden Dollar.

 

 

 

FIFA, Zürich, Schweiz, 7.3.2011 / ©goef-wz

International Olympic Committee (IOC), Route de Vidy 9, 1007 Lausanne/Schweiz

1915 zog das IOC aus Paris nach Lausanne und hat seitdem hier seinen Sitz. In der alten Villa, dem Château de Vidy, residiert der IOC-Präsident. Derzeit baut das IOC für 200 Millionen Franken einen neuen Komplex nahe dem Château de Vidy für 600 Angestellte. Schloss und Grundstücke stellt die Stadt Lausanne dem IOC bis 2083 kostenlos zur Verfügung (Bühler 29.5.2015).

 

 

 

IOC, Lausanne, Schweiz, 8.3.2011 / ©goef-wz

In der Nachbarschaft ist das oben erwähnte Maison du Sport International. Zum IOC vergleiche auch: http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/samaranch-juan-antonio/

 

 

 

IOC, Lausanne, Schweiz, 8.3.2011 / ©goef-wz

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Internationale Sportverbände in Lausanne und der Region:

Baseball: International Baseball Federation (IBAF)
Bob: Fédération Internationale de Bobsleigh et de Tobogganing (FIBT)
Bogenschiessen: Fédération Internationale de Tir à l’Arc (FITA)
Boxen: Association Internationale de Boxe (aiba)
Bridge: World Bridge Federation (WBF)
Eislauf: International Skating Union (ISU)
Fechten: Fédération Internationale d’Escrime (FIE)
Fliegen: Fédération Aéronautique Internationale (FAI)
Fussball: Union des Associations Européennes de Football (UEFA)
Golf: Association Européenne de Golf (AEG)
Kanu: International Canoe Federation (ICF)
Kunstturnen: Union Européenne de Gymnastique (UEG) und
Fédération Internationale de Gymnastique (FIG)
Leichtathletik: European Athletic Association (EAA)
Motorrad: Fédération Internationale de Motocyclisme (FIM)
Rad: Union Cycliste Internationale (UCI)
Reiten: Fédération Equestre Internationale (FEI)
Rudern: Fédération Internationale des Sociétés d’Aviron (FISA)
Schwimmen: Fédération Internationale de Natation (Fina)
Tischtennis: International Table Tennis Federation (ITTF
Landhockey: Fédération Internationale de Hockey (FIH)
Volleyball: Fédération Internationale de Volleyball (FIVB)
Wrestling: Fédération Internationale des Luttes Associées (FILA)

Internationale Sportorganisationen in Lausanne:

Académie Internationale des Sciencs et Techniques du Sport (aists)
Association Internationale de la Presse Sportive (AIPS)
Association of Summer Olympic International Federations (asoif)
Association of the International Olympic Winter Sports Federations (aiowf)
Association Olympique Internationale pour la Recherche Médico-Sportive AIORMS)
Comité International Pierre de Coubertin (CIPC)
Fédération Internationale de Chiropratique du Sport (FICS)
Fédération Internationale de Mémorabilia (FIMO)
Fédération Internationale de Numismatique Olympique (FINO)
Fédération Internationale de Philatélie Olympique (FIPO)
International Committee of Sports for the Deaf (CISS)
International Masters Games Association
International Olympic Committee (IOC)
International Olympic Truce Foundation (IOFT)
Olympisches Museum
Olympique SportAccord/AGFIS
Tribunal Arbitral du Sport (TAS)
World Antidoping Agency, European Office (WADA)
World Federation of the Sporting Goods Industry (wfsgi)
World Series Boxing (WSB)
Quelle: www.swissolympic.ch, Lausanne, capitale olympique, Stand 19.1.2010 ———————————————————————————————

Weitere Quellen:

Bühler, Dennis, Gespenstisches für den Olympischen Geist, in südostschweiz 29.5.2015
Die Bosse des Weltfußballs regieren aus der Schweiz, in swissinfo.ch 6.3.2008
Catuogno, Claudio, Der Preis der Werte, in SZ 22.10.2010
Eggers, Erik, Glindmeier, Mike, Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Handballchef Moustafa, in spiegelonline 30.1.2009
Kistner, Thomas
– Im Reich des Pharao, in sueddeutsche.de 17.5.2010
Fifa Mafia. Die schmutzigen Geschäfte mit dem Weltfußball, München 2012
Kucera, Andrea, Lausanne – Hauptstadt des Sports, in nzz.ch 28.4.2015
Lausanne, capitale olympique, in www.swissolympic.ch
Pleite für Jordaan – Gewinn für den Weltverband, in handelsblatt.com 24.3.2011
Reischauer, Claudia, FIFA: Wer wird Millionär? in www.capital.de 17.5.2006
Uthoff, Jens, Interview mit Jens Sejer Andersen: “Kein Mensch glaubt, was Blatter sagt”, in taz.de 4.10.2011
Wikipedia
Wulzinger, Michael, Zürcher Sündenfall, in Der Spiegel 48/2010
www.iaaf.org
www.ifsports-guide.ch
www.swissolympic.ch
www.uefa.com