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„Doping in Deutschland“: Randnotizen

Wolfgang Zängl 29.8.2013, aktualisiert 4.9.2013
Vorgeschichte
Das Forschungsprojekt „Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation“ wurde 2008 gestartet. Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) stellte 550.000 Euro zur Verfügung (Herrmann 3.8.2013). Zwei Autorenteams der Universität Münster (Prof. Michael Krüger) und der Humboldt-Universität Berlin (unter anderem Prof. Giselher Spitzer und Erik Eggers) bearbeiteten bis zum Frühjahr 2013 die Thematik. Im Frühjahr 2012 lief die Finanzierung aus, sodass der Teil von 1990 bis heute nicht mehr bearbeitet werden konnte.
Auffällig: Die Historiker der HU wurden „erst im Laufe ihrer Arbeit dazu verpflichtet, nach dem Ende des Projekts alle brisanten Daten und Datenträger, die sie in Archiven gefunden hatten, zu vernichten“ (Ebenda).
Sollten die Forscher eine Rolle quasi als Spürhunde für belastendes Material haben, das im Anschluss vernichtet werden sollte?
Vergleiche auch unter „Aktuelles“: Die Reihen fast geschlossen und im Kritischen Olympischen Lexikon: Deutsche Sportärzte

Sport-Splitter
1970:

Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) wurde gegründet. Gründungsdirektor war der ehemalige Speerwerfer und Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Hermann Rieder: Er leitete das BISp von 1970 bis 1973 (Wikipedia).
„Bereits 1970 beschloss der Kongress des Welt-Leichtathletik-Verbandes IAAF in Stockholm die Ächtung der anabolen Steroide, ein Jahr später folgte der deutsche Leichtathletik-Verband“ (mainpost.de 29.7.2013). Rieders Nachfolger war August Kirsch, der von 1973 bis 1990 das BISp leitete (und von 1970 bis 1985 Präsident des DLV war). Der Freiburger Mediziner Joseph Keul war ab 1980 im BISp-Direktorium und seit 1970 in dessen Fachausschuss Medizin, den seit 1970 der Kölner Wildor Hollmann leitete (Hacke, Ludwig 26.9.2011).

1971:
Hans-Dietrich Genscher
war von 1969 bis 1974 der damalige Bundesinnenminister und damit auch für den Sport zuständig. Er forderte 1971 von Hollmann: „Von Ihnen als Sportmediziner will ich nur eines: Medaillen für München” (Reinsch 26.9.2011). Natürlich wollte man offiziell nur die Chancengleichheit mit dem dopenden Ostblock erreichen (Herrmann 27.9.2011; Hecker, Anno, Doping kennt keine Grenzen, in faz.net 26.9.2011).
Der DLV veröffentlichte am 2.3.1971 eine Dopingliste, auf der auch Anabolika als verbotene Präparate aufgelistet war (mainpost.de 29.7.2013). Das DLV-Regelwerk zur Dopingbekämpfung vom März 1971 wurde kaum angewandt. Dafür wurden Kritiker reglementiert: Zwei Mitglieder der Anti-Doping-Kommission, die rigoroser gegen Doping vorgehen wollten, wurden 1977 aus der Anti-Doping-Kommission des DLV ausgeschlossen: Es waren der Apotheker Horst Leo Klehr und Dieter Hummel, ein früherer Oberstaatsanwalt in München (Aumüller u. a. 3.8.2013; Simon u. a. 15.8.2013). „Bekämpfen könne man Doping im Sport, so sieht es Hummel, nur mit einem Anti-Doping-Gesetz. ‚Ich bin enttäuscht von Thomas Bach, der ja immerhin Jurist ist, dass er das nicht so sieht“ (Simon u. a. 15.8.2013).

BISp als Teil des Problems
Die Freiburger Professoren Herbert Reindell und Joseph Keul schrieben am 12.10.1971 an das BISp einen Antrag über „Fortführung und Ausweitung der Arbeiten des Forschungs- und Leistungszentrums“. Darin steht auf S. 5 unter Punkt 5.d: „Wird durch Anabolika die Leistungsfähigkeit bei Kraftübungen gefördert und in welchem Maße besteht eine Gefährdung durch Einnahme von Anabolika (Fortführung bereits in diesem Jahr begonnener Versuche). „Anabole Steroide wie Testosteron oder Nandrolon führen zu einer Vermehrung der Muskelmasse: nichts anderes als Doping“ (mainpost.de 29.7.2013). Reindell, der damalige Leiter der Sportmedizin in Freiburg, war übrigens auch stellvertretender Vorsitzender des BISp-Direktoriums (Simon u. a. 15.8.2013).
Der Zusammenhang mit Olympischen Sommerspielen 1972 in München ist evident. Giselher Spitzer: „Reindells Antrag an das BISp sollte schließlich die Spiele in München vorbereiten – mit Anabolika und Insulin“ (Ebenda). Pikanterweise gehörte Reindell der IOC-Ärztekommission an.
Zu den Freiburger Medizinern Reindell und Keul kamen u. a. noch Armin Klümper, später die Doktoren Georg Huber, Andreas Schmid, Lothar Heinrich, Bernd Wolfarth (der heutige Olympia-Arzt) und andere dazu.
Die Zeit schrieb dazu im Februar 2013, in Freiburg wirkte eine Doktorenschaft, „die Doping systematisch praktizierte. Weil das mit Steuergeldern geschah, gilt Freiburg seither als westdeutsches Abziehbild des DDR-Dopingstaatsplans“ (Hartmann 7.2.2013). Spitzer nannte dies „staatlich subventionierte Dopingforschung“ (Herrmann 27.9.2013). Und Boris Herrmann schrieb in der SZ: „Im Fall des BISp lautet das Fazit der Wissenschaftler sogar ganz explizit: Der Auftraggeber ist Teil des Problems“ (Ebenda).

1972:
Der ehemalige Frauen-Bundestrainer im Kugelstoßen, Hansjörg Kofink, trat zurück, da er nicht am Anabolika-Doping beteiligt sein wollte. (Hecker 4.8.2013).
Aktenvernichtung: Das Bundesarchiv in Koblenz hatte bis zum Jahr 2005 vom BISp Dokumente erhalten. Dieser Antrag und eine zweite Akte sind aber die einzigen verbliebenen im Bundesarchiv Koblenz zur frühen deutschen Dopinggeschichte: Alle anderen Akten der Jahre 1969 bis 1988 sind anscheinend – durch eine „Vernichtungsermächtigung“ des BISp an das Bundesarchiv – vernichtet worden (Herrmann 1.8.2013).

1989:
Aus der Doping-Studie: Die Doping-Tests wurden „seitens der Verbände nur unzureichend umgesetzt und Trainingskontrollen bis 1989/90 systematisch verschleppt“ (Aumüller, Kistner 5.8.2013).

1997:
Der Radprofi Jörg Paffrath schilderte detailliert das Doping im Radsport: „Er bekam eine lebenslange Sperre vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) wegen seines Doping-Geständnisses und Schädigung des Ansehens des BDR und wurde erst 2003 begnadigt“ (Hansjörg Kofink, Hecker 4.8.2013).

2008:
Im Jahr 2008 vergaben DOSB und BISp den Auftrag, die westdeutsche Dopinghistorie zwischen 1972 und 1989 zu untersuchen („Doping in Deutschland…“). Die zwei Forschungsgruppen aus Münster (unter Leitung von Michael Krüger und Henk Erik Meier) und Berlin (unter Leitung von Giselher Spitzer und Erik Eggers) untersuchten das Funktionieren der „staatlich finanzierten Dopingforschung in der Bundesrepublik“ (Strang, Spitzer September 2011; Reinsch 27.9.2011). Zur Terminierung stand im Antrag: „Der Abschlussbericht ist mit Ende der Projektlaufzeit vorzulegen“ (BISp S. 3): Das wäre im November 2011 gewesen.
Giselher Spitzer sprach im Folgenden von „staatlich subventionierter Dopingforschung” (Herrmann 27.9.2011). Michael Krüger äußerte: „Der Staat wurde zum maßgeblichen Akteur im Sportgeschehen” (Ebenda). Das BISp war ein „lukratives Finanzierungsinstrument” für Keul, Klümper, Hollmann (Hacke, Ludwig 26.9.2011).

2011:
Der Zwischenbericht mit 700 Seiten wurde von Spitzer und Krüger im August 2011 abgegeben; sie kündigten eine Veröffentlichung für Dezember 2011 an (Teuffel 26.9.2011; Herrmann 27.9.2011). Als es um die Veröffentlichung ging, kam heftigste Kritik von den 13 Vertretern des deutschen Sports im Projektbeirat: „Diese haben sich vorbehalten, die Berichte der Forschungsgruppe aus Berlin und Münster zu kürzen, womöglich zu redigieren und Namen zu schwärzen“ (Reinsch 27.9.2011
Im Oktober 2011 äußerte der Heidelberger Dopingexperte Prof. Werner Franke „die Befürchtung, die Endfassung könnte vom Auftraggeber, dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft, vor der Veröffentlichung noch einmal ‚überarbeitet’  werden“ (focus.de 5.10.2011).
BISp und DOSB verhinderten lange, dass die Studie veröffentlicht wurde. „Mal heißt es, es müsse noch an der Lesbarkeit der Forschungsergebnisse gefeilt werden, mal argumentieren DOSB und BISp im Namen des Datenschutzes. Die Historiker nennen in ihrem 700-Seiter belastete westdeutsche Verbandsärzte, Bundestrainer und Sportfunktionäre beim Namen. Sie sagen, wenn man das nicht täte, hätten sie zwei Jahre lang umsonst geforscht, weil sich die historischen Zusammenhänge ohne Namen eben nicht erschließen würden. Genau das wollen die Auftraggeber aber hinter den Kulissen offenbar erreichen. ‚Die wollen am liebsten alle Namen und Sportarten anonymisiert haben’, heißt es. Das hat wohl auch damit zu tun, dass so mancher dieser Namen noch aktiv ist“ (Herrmann 27.9.2011).
Dazu beklagten die Berliner Forscher, „dass sowohl ihre Endergebnisse als auch ihre 2010 und 2011 vorgelegten Zwischenberichte von allen 14 Mitgliedern des BISp-Beirats abgesegnet werden mussten“ (Herrmann 3.8.2013).

2012:
Im März 2012 wurde von den Berliner Forschern der Abschlussbericht abgegeben (Eggers 12.8.2013). Erik Eggers: „Eigentlich sollte unser Projekt bis März 2013 laufen. Aber das BISp hat uns mit der Finanzierung für das letzte Jahr so lang hingehalten, dass wir aufgeben mussten“ (Ebenda).
Damit blieb die wichtige Zeit von 1990 bis heute unbearbeitet: Dies war wohl gewollt

2013:
Januar 2013
Jürgen Fischer
, Direktor des Bundesinstituts für Sportwissenschaften (BISp), zeigte sich zuversichtlich, „dass nun doch wie geplant ein Abschlussbericht bis zum 31. März 2013 erstellt werden könne“ (handelsblatt.com 16.1.2013).

Juni 2013
Erik Eggers: „Am 4. Juni hat das BISp Spitzers Kurzfassung dem Bundesdatenschutzbeauftragten vorgelegt. Einen Monat später sagte der: alles in Ordnung. Doch das wurde uns nicht mitgeteilt“ (Eggers 112.8-2013).
Der Bundessport-Ausschuss wurde nicht informiert:„In der letzten regulären Sitzung der Legislaturperiode Ende Juni hatte das Innenministerium den Ausschuss düpiert, indem es den Abschlussbericht der Studie nicht wie angekündigt vorgelegt hatte“ (SZ 5.8.2013). „Eine der Begründungen war angeblich die Haftungsfrage: Da die Forscher in ihrem Text zum Teil aktive Ärzte, Sportler, Funktionäre und Politiker belasten, verlangen sie von ihrem Auftraggeber Rechtsschutz. Den wird es laut Innenministerium jedoch nicht geben“ (Ebenda).
Der sportpolitische Sprecher der CDU und stramme Freund des Bach-Vesper-DOSB, Klaus Riegert, sagte Ende Juni im Sportausschuss: „Das klären wir in Ruhe in der nächsten Legislaturperiode“ (Herrmann 6.8.2013).
Riegert wird nicht mehr dabei sein: Er wurde von seiner eigenen Partei nicht mehr für die Bundestagswahl 2013 aufgestellt.

Auf der Sitzung der Justizminister der Länder im Juni sprachen sich zwei Drittel für die Einführung eines Anti-Doping-Gesetzes aus (Hacke u. a. 12.8.23013). Auch bedingt durch die Doping-Studie wurde die Forderung nach einem Gesetz gestärkt: Der Staat als Doping-Förderer: „Dieses Bild treibt mächtige Wortführer in das Lager der Gesetzesbefürworter. Sie alle eint der Widerstand gegen die Grundhaltung der DOSB-Führung“ (Hecker 23.8.2013).

Juli 2013
„Doping in Deutschland“, seit März 2013 fertig, ist immer noch unveröffentlicht. „Zumindest hat das Bundesinstitut für Sportwissenschaften (BISp) offenbar kein Interesse, den von ihm und dem Deutschen Olympischen Sportbund in Auftrag gegebenen Forschungsbericht „Doping in Deutschland“ zu veröffentlichen. Nach Angaben einiger Autoren sollen sie nun alleinverantwortlich ihre wahrscheinlich brisanten Erkenntnisse zum Doping der Deutschen bis hinein in die Gegenwart der Öffentlichkeit präsentieren. Im Klartext: Das BISp übernimmt keinen Rechtsschutz, falls die in dem 800 Seiten starken Bericht genannten Doper und Mitwisser Klage erheben sollten. Deshalb droht die mit Steuergeldern finanzierte Aufarbeitung im Archiv zu verschwinden, als gäbe es die Ergebnisse nicht, als seien nie Dokumente gefunden und ausgewertet worden. Wahrscheinlich ist das nicht jedem Funktionär in dieser Republik unangenehm“ (Hecker 30.7.2013).
Am 4.8.2013 hatte ein Sprecher des BMI erklärt, dass der Bundesdatenschutz-Beauftragte Peter Schaar Bedenken gegen die erste Fassung des Abschlussberichtes geäußert hätte. Schaar dementierte dies am selben Tag mit dem Satz: „In den letzten Tagen geäußerte Vorwürfe, datenschutzrechtliche Bedenken hätten die Veröffentlichung der seit vielen Monaten vorliegenden Studie verzögert oder behindert, kann ich nicht nachvollziehen“ (spiegelonline 7.8.2013). Er, Schaar, begreife „den Datenschutz nicht als Decke, die über Versäumnisse der Vergangenheit gebreitet werden darf“ (Ebenda).

August 2013
Die Süddeutsche Zeitung zitiert aus dem originalen 804-seitigen Bericht. Fazit: Der westdeutsche Staat hat über Jahrzehnte aus Steuermitteln Versuche mit Anabolika, Testosteron, Östrogen und Epo gefördert. Allein das BISp hat zehn Millionen D-Mark an die sportmedizinischen Standorte Freiburg, Köln und Saarbrücken überwiesen. Studien sollten nachweisen, dass entsprechende Stoffe nicht leistungsfördernd seien. „Stellte sich der Stoff als leistungsfördernd heraus, kam er schnell zum Einsatz“ (Aumüller u. a. 3.8.2013). – „In einem Antrag des Freiburger Sportmediziners Joseph Keul sei zudem – im Zusammenhang mit Anabolika-Forschung – zu lesen, es sei bereits bei einer Förderklasse von 16-jährigen Jungen und einer Sportklasse mit elfjährigen Jungen mit Untersuchungen über den Einfluss des Alters auf die Wirkung des Dopingmittels begonnen worden. Einer anderen Notiz ist zu entnehmen, dass ein hochrangiger Leichtathletik-Funktionär von Anabolika-Gaben an eine 17-Jährige berichtet. Ein Zeitzeuge spricht sogar davon, 14-Jährige seien mit Dopingmitteln versorgt worden“ Ebenda). – „Die Auftraggeber – also das BISp selbst sowie dessen übergeordnete Behörde, Das Bundesinnenministerium (BMI) – werden darin in vielen Details beschuldigt, seit den Siebzigerjahren Doping und Dopingforschung staatlich subventioniert zu haben“ (Herrmann 6.8.2013).  Bei Keuls Studie zu den Testosteron-Auswirkungen „handelte es sich hier keineswegs um ein seriöses wissenschaftliches Experiment, sondern um staatlich subventionierte Dopingforschung“ Herrmann 9.8.2013).
Der Deutsche Sportbund (DSB) erklärte noch 1987, „dass es rechtliche Bedenken gegen Trainingskontrollen gebe; die Autoren trieben allerdings ein Rechtsgutachten auf, das vom Verband bereits vier Jahre zuvor in Auftrag gegeben worden war und zum gegenteiligen Schluss kam“ (Ebenda). Dopingkontrolleur Manfred Donike, dessen Institut vom BISp und vom BMI finanziert wurde, erhielt zur Reglementierung in den achtziger Jahren einen Brief vom damaligen BISp-Direktor: „Letztlich profitieren Sie doch in erheblichem Maße von der Zusammenarbeit mit dem organisierten Sport; Sie ersparen mir sicherlich, dies mit Zahlen zu unterlegen. Daher muss es eigentlich verwundern, dass jemand so beharrlich an dem Ast sägt, auf dem er sitzt“ (Aumüller u. a. 3.8.2013).

Der Mitautor der Berliner Studie, Erik Eggers, stellte im August im Spiegel fest. „Die großen Schwierigkeiten begannen, als wir 2011 herausfanden, dass das BISp eine Schaltzentrale der Dopingforschung war – und dass sich der damalige stellvertretende BISp-Direktor 1977 für einen Einsatz von Anabolika  eingesetzt hatte. Das hatte die heutige BISp-Führung wohl nicht erwartet. (…) Das BISp wollte anfangs tatsächlich durchsetzen, dass wir weder Namen noch Sportarten nennen… Sie blockierten unsere Arbeit. Und es wurden Fakten, die für das BISp bis heute unangenehm sind, angezweifelt“ (Eggers 12.8.2013). Auch über die Resonanz so mancher ist Eggers konsterniert: „’Ich bin erschüttert, wie manche mit den Ergebnissen der Studie umgehen’, regt sich Eggers auf. Etwa Michael Vesper, Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbundes, der erklärte, das sei alles nichts Neues für ihn. ‚Dabei steht der Vorwurf des Dopings von Minderjährigen im Raum’, sagt Eggers“ (Simon u. a. 15.8.2013).

Freiburger Universität mauert weiter
Parallel zur Düpierung der Dopingaufklärung in Westdeutschland wurde die Evaluierungskommission zur Dopingvergangenheit der Freiburger Sportmedizin in ihrer Arbeit behindert. Die Kommission wurde 2007 etabliert. 2009 übernahm die belgische Kriminologin und Professorin Letizia Paoli den Vorsitz. Ihr detaillierter Arbeitsplan wurde vom Freiburger Rektor Hans-Jochen Schiewer abgelehnt. Erst im September 2010 konnte Paoli die Arbeit wieder aufnehmen – unter erschwerten Bedingungen: „Im Februar 2011 wurden uns auf meine explizite Anfrage an Rektor Schiewer die Existenz und der Verbleib aller erhaltenen Abteilungsunterlagen und der gesamten Geschäftskorrespondenz von Professor Joseph Keul im Umfang einiger tausend Blatt von einer Abteilungsleiterin des Rektorats mit einer Unwahrheit verschwiegen respektive vorenthalten“ (Strepenick 19.8.2013). Die Universitätsjustiziarin Ursula Seelhorst hatte fünf Kisten mit Keuls Korrespondenz zuhause gelagert. Erst seit Oktober  2012 sind diese Unterlagen zugänglich. Paoli: „Seit Juni 2012 versuchen wir den offiziellen, also von Altrektor Wolfgang Jäger nicht manipulierten Arbeitsauftrag einer Untersuchung der gesamten Freiburger Sportmedizin der letzten 50 Jahre doch noch zu erfüllen“ (Ebenda).

Zensur durch Kürzen
Am 5.8.2013 stellte das Bundesministerium des Innern einen stark gekürzten Bericht ins Internet. Veröffentlicht wurden vom BMI nur Teile, so statt der 804 Seiten der Berliner Forscher um Giselher Spitzer gerade einmal 140 Seiten (SZ 5.8.2013): „Die Humboldt-Universität hat diesen Bericht auf Anweisung des BISp eingekürzt” (Herrmann 6.8.2013). Das BISp teilte auf Anfrage mit, die Kürzungen wären erfolgt, weil die Studie ‚nicht die formalen Anforderungen an einen Abschlussbericht’ erfülle“ (Aumüller u. a. 6.8.2013).
Das nicht überraschende Ergebnis: „Durchaus wesentliche Details und Erkenntnisse wurden nicht publiziert” (Hofmann, René, Öffentliche Kontrolle, in SZ 6.8.2013). Wichtige Teile fehlen wohl bewusst in der offiziellen Veröffentlichung des BMI, so zum Beispiel der Bericht über die Testosteron-Studie: „Neben so manchem Namen von Personen des öffentlichen Lebens fehlen in der Kurzfassung aber auch Details, die Aufschluss über die Doping-Strukturen in der BRD geben. Der jetzt veröffentlichte inhaltliche Schlussbericht der HU umfasst 117 Seiten. Im Original wird alleine die BISp-Studie ‚Regeneration und Testosteron’ auf 98 Seiten behandelt. Sie wird von den Historikern als „herausragendes Fallbeispiel für die Geschichte des Dopings in Westdeutschland“ bezeichnet. Der Text liest sich bisweilen wie ein Krimi, unter anderem auch an jener Stelle, an der das BMI 1991 auf SPD-Anfrage darlegen soll, dass es keine Dopingforschung bezuschusst hat – und sich damit ziemlich schwer tut“ (Aumüller u. a. 6.8.2013). An dieser Testosteron-Studie war auch der heutige Arzt der Olympiamannschaft, Bernd Wolfahrt beteiligt (Hartmann 7.8.2013; vgl. auch LINK)
Die Forscher zitieren aus einem Referentenentwurf des BMI sowie aus einem 14-seitigen Strategiepapier, das laut Autoren höchstwahrscheinlich aus der Sportabteilung des BMI stammt und vor allem einen Zweck habe: die Irreführung der Öffentlichkeit. In der vom BISp veröffentlichten  Kurzversion sind derartige Belege verschwunden.

Sport und Politik
Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) drängte wie bisher auf eine Verschärfung des Dopinggesetzes. Mit Hilfe einer Kronzeugenregelung wolle sie „die Mauer des Schweigens“ durchbrechen (SZ 7.8.2013). . Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach sich Anfang August 2013 für ein wirksameres Anti-Doping-Gesetz aus (mainpost.de 2.8.2013). Der für Sport zuständige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hält sich dagegen zurück – kein Wunder: „Der organisierte Sport lehnt ein solches Gesetz ohnehin rigoros ab“ (SZ 7.8.2013). Ende August 2013 ruderte Friedrich etwas zurück: „Für den Berufssport kann man meines Ermessens über zusätzliche Regelungen in einem Anti-Doping-Gesetz reden. Wo finanzielle Vorteile durch Manipulation erzielt werden, wo ein Sportler sein Geldwertes Image durch Betrug fördert, ist so etwas überlegenswert“ (Der Spiegel 35/26.8.2013, S. 129).

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, sagte: „Ich habe kein Verständnis dafür, dass die Dopingstudie weiter unter Verschluss gehalten wird. Es ist ein erheblicher Vorwurf, dass mit Geldern des Innenministeriums über Jahrzehnte Doping gezielt und systematisch gefördert worden sein soll. Ich will wissen, was da dran ist. Mein Eindruck ist, Innenminister Friedrich will die unrühmliche Rolle des Innenministeriums bei der Förderung des Dopings vertuschen“ (spiegelonline 3.8.2013). – „Thomas Oppermann, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, verurteilte die Rolle des Innenministers von der CSU. ‚Minister Friedrich verhindert die Aufklärung und versucht die Wahrheit über staatliches Doping zu vertuschen“ (Simeoni 7.8.2013).
Die Vorsitzende des Bundessportausschusses, Dagmar Freitag (SPD) forderte Einsicht in die Langfassung des Berichtes: „Parlamentarier sind keine Bittsteller“ (spiegelonline 4.8.2013).
DOSB-Präsident Bach gab sich uninformiert: „Wir hoffen, dass uns der Abschlussbericht baldmöglichst zugeht“ (Ebenda). Auch DOSB-Generaldirektor Vesper hat keine Kenntnis: „Es waren eher Spekulationen und zusammenfassende Bewertungen in der Süddeutschen, ich denke, wir würden gern den Bericht selber bewerten und unsere Schlüsse daraus ziehen“ (Ebenda). Angeblich hätten nämlich die DOSB-Vertreter Gudrun-Doll-Tepper, Ingo Weiss und Olav Spahl „Verschwiegenheitsklauseln unterzeichnet, so der DOSB, weshalb sie Bach den Text leider nicht weiterleiten durften… Der ehemalige Bundesminister Hans-Dietrich Genscher hat sich den 800-Seiten-Bericht binnen weniger  Tage auf dem kleinen Dienstweg vom Innenministerium besorgt. Von dort hat ihn unter anderem auch die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag bekommen. Nur Thomas Bach, der mächtige Bach, schafft es partout nicht, an dieses Dokument heranzukommen“ (Herrmann 17.8.2013).
Bach und Vesper versuchen hier also den Eindruck zu erwecken, dass der DOSB den seit März 2013 fertig gestellten Bericht nicht kennen würde, obwohl er „Initiant“ und Auftraggeber des Berichts ist!

Einer der an der Doping-Studie beteiligten Wissenschaftler äußerte Anfang August 2013, er wundere sich über die Ankündigung des DOSB, nun die Ergebnisse sehr genau prüfen zu wollen: „Der DOSB habe die Studie seit einem Jahr, sagte er“ (Catuogno 7.8.2013).
Der in der Doping-Studie im Hinblick auf Ephedrin-Doping bei der WM 1966 belastete Deutsche Fußball-Verband (DFB) bestritt einen damaligen Doping-Tatbestand, räumte aber ein: „Ja, im Jahr 2013 wäre das Einnehmen eines Nasensprays ein klarer Fall von Doping, der entsprechend verurteilt werden würde“ (SZ 21.8.2013).

Genscher kann sich nicht mehr erinnern
Hans-Dietrich Genscher
wehrte sich im August 2013 gegen die Vorwürfe, er hätte die Forderungen nach Medaillen erhoben, „koste es, was es wolle“ (Aumüller u. a. 6.8.2013) und aktiv Doping im Vorfeld von München 1972 vorangetrieben (SZ 5.8.2013). Genscher auf die Frage, ob Politiker vor München 1972 Druck auf den deutschen Sport ausgeübt hätten: „Ich wüsste nicht, wer einen solchen Druck ausgeübt haben sollte. Ich halte das für völlig ausgeschlossen“ (spiegelonline 7.8.2013). – „An den mir zugeschriebenen Äußerungen kann ich mich nach mehr als 40 Jahren beim besten Willen nicht mehr erinnern“ (SZ 10.8.2013).
Währenddessen bleibt Angela Merkel hart gegen eine Verschärfung der Doping-Gesetzgebung: „Aus Regierungskreisen hieß es, dass es innerhalb der Bundesregierung keinerlei Bestrebungen gebe, ein solches Gesetz zu erarbeiten“ (Merkel blockt, in SZ 8.8.2013).
Am 29.8.2013 war eine Sondersitzung des Bundessportausschusses geplant: Die Teilnahme von Bach gilt als wenig wahrscheinlich (Aumüller 12.8.2013). Die Sitzung findet nun am 2.9.2013 statt: Da ist Bach bereits auf dem Weg nach Buenos Aires. „Im Hintergrund wird gemutmaßt, dass das FDP-Mitglied Thomas Bach seine Parteikollegen um eine Verschiebung der Sitzung in den September gebeten hat. Damit er mit einer guten Entschuldigung unbequemen Fragen entgeht“ (Wellinski 15.8.2013). Thomas Kistner zum Sportausschuss: “‘Bis auf einige wenige Engagierte’, die seit Jahren gegen Windmühlen kämpften, seien es überwiegend ‘patriotisch beseelte Sportfans’ im Sportausschuss. Eine vernünftige Kontrolle des enorm bedeutsamen gesellschaftspolitischen Themas Sport sei nur mit unabhängigen, sportfernen Personen möglich” (May 17.8.2013).

Zeitungskommentare
Achim Muth
in der Mainpost: „Für Sportler dürfen, auch zum Schutz der sauberen Athleten, keine Kompromisse mehr gelten. Entsprechend konsequent fordert Merk eine Strafbarkeit schon bei Besitz von Arzneimitteln oder Wirkstoffen zu Dopingzwecken ab dem ersten Milligramm. Für diese Gesetzesinitiative verdient sie jede Unterstützung“ (Muth 29.7.2013).
Thomas Kistner in der SZ zum Doping Ost-West: „Staatlich geförderte Leistungsmanipulation gab es nicht nur im Ostteil des Landes“ (Kistner 3.8.2013). Der Bericht mache klar, „warum bei der Aufarbeitung des DDR-Dopings im vereinigten Land zwei Gruppen notorisch bremsten: die Funktionäre West, die ungern in einschlägige Stasi-Papiere schauten – und der für Medaillen zuständige Teil der Politik, der im Innenministerium siedelt… Im Herbst will DOSB-Präsident Thomas Bach Chef des Internationalen Olympischen Komitees werden. Eine Empfehlung ist seine Anti-Doping-Politik nicht“ (Ebenda; vgl. Bach-Interview im ZDF HeuteJournal weiter unten).
Evi Simeoni in der FAZ: „Zu keiner Zeit ist der glaubwürdige Wille auch nur einer einzigen der beteiligten Institutionen zu erkennen, Doping ernsthaft zu bekämpfen. Im Gegenteil: Die komplette Entkoppelung zwischen Reden und Handeln bei der Regierung, also dem für Sport zuständigen Innenministerium, den Sportpolitikern, der Sportwissenschaft und der Sportmedizin ist in ihrer Geballtheit die eigentlich alarmierende Botschaft der wissenschaftlichen Arbeit“ (Simeoni 7.8.2013).
René Hofmann in der SZ: „Das ganze System der Sportförderung ist zu hinterfragen, da es nur auf ‚Endkampfchancen’ – übersetzt Medaillen – ausgerichtet ist. (…) Am Ende stünde wahrscheinlich ein Spitzensport, der weniger Medaillen hervorbringen würde, der aber wieder glaubhafter als gesellschaftliches Vorbild dienen könnte. (…) Der Sport muss den Willen zeigen, den Betrug zu benennen und die Betrüger zu ächten. Das würde die Grundlage schaffen, dem Übel wirklich zu begegnen. Es passiert aber bisher nicht“ (Hofmann 9.8.2013).
Detlef Hacke, Udo Ludwig und Michael Wulzinger im Spiegel:
„Es überraschte wohl niemand mehr, dass auch im Westen gedopt worden war, anders organisiert als im Osten, klüngelhafter, aber ebenfalls systematisch“ (Hacke u. a. 12.8.2013).

Stimmen aus dem Sport
Hansjörg Kofink
zur Rolle der Politiker: „Sie haben sich immer herausgehalten, die Souveränität des Sports vorgeschoben und das Geld vom Bundesinnenministerium, das für Spitzensport zuständig ist, überweisen lassen. Das war doch der Hinweis an den Sport: Wir sind einverstanden mit dem, was ihr macht, solange Medaillen rausspringen. Die Bundespolitik hat in den siebziger Jahren das Signal an die Medizin gesendet: Macht ein bisschen was, wenn wir dann mithalten können. Die Vergabe von Anabolika ist ja heftig diskutiert worden, auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Auch auf die Gefahren wurde immer wieder hingewiesen. Konsequenzen gab es keine“ (Hecker 4.8.2013).
Kofink sagte zur Rolle des DOSB: „Der DOSB hat in dieser Sache nichts zu sagen. Die entscheidenden Leute sind in der föderalen Struktur des deutschen Sports die Präsidenten der Fachverbände und ihre Gremien. Die haben auf der Mitgliederversammlung des DOSB in Stuttgart im Dezember 2012 ein fatales Ergebnis geliefert. Sie haben eine Verschärfung der Doping-Bestimmungen abgelehnt und eine Etat-Erweiterung der Nationalen Anti-Doping-Agentur, die unterfinanziert ist. Das ist das Schlimmste, was sich der Sport antun kann“ (Ebenda).

Der ehemalige Präsident des Nationalen Olympischen Komitees und IOC-Mitglied von 1989 bis 2009, Walter Tröger: „Es wurde Doping geforscht, das war ein Auftrag der Bundesregierung“ (Aumüller, Kistner 5.8.2013).

Klaus Kleber interviewte Thomas Bach im ZDF-HeuteJournal vom 5.8.2013 zur SZ-Veröffentlichung über „Doping in Deutschland“.
Kleber: „Das kann doch nicht sein, dass Sie in all der Zeit vom Ausmaß dieser Betrügereien, wie wir das heute nennen würden, keine Kenntnis bekommen haben”
Bach: “Schon als Athlet, ich war ja selbst Mitglied der Olympiamannschaft 1976, war für uns in Fechterkreisen das Thema Doping kein Thema…”
Kleber:Nie davon gehört?”
Bach:In unseren Kreisen war das wirklich kein Thema. Wir haben dann hinterher aus Zeitungen und aus vielen anderen Quellen dann natürlich immer Einzelstücke erfahren…” (Hervorhebung WZ)

Die frühere Weitspringerin Heidi Schüller, die in München 1972 den olympischen Eid gesprochen hatte, äußerte zu Bach. „Thomas Bach muss mehr gewusst haben, als er jetzt zugibt“ (spiegelonline 6.8.2013). Doping sei in ihrer aktiven Zeit alltäglich gewesen: „Jeder konnte es im Kraftraum sehen. Anabolika wurden genommen… Dazu Kortison, das von Ärzten verschrieben wurde“ (Ebenda). Schüller zum IOC, wo sich Bach im September 2013 als Präsident bewirbt: „Dort geht es doch nur darum, ein total kommerzialisiertes Sportsystem aufrecht zu erhalten, in dem sich alle ihre Pöstchen verschaffen und dadurch sogar noch üppige Versorgungsansprüche haben. Kritische Fragen sind dort nicht erwünscht“ (Münchner Merkur 7.8.2013).

Auch Dopingexperte Fritz Sörgel, der Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) in Heroldsberg bei Nürnberg ärgerte sich über die Aussage von Bach, dass zu dessen aktiver Zeit als Fechter Doping dort kein Thema gewesen sein soll: „Dass Thomas Bach zur Hochzeit des Dopings in den 1970-er Jahren als Spitzensportler davon nichts mitbekommen haben soll, ist für mich nur schwer vorstellbar. Das gehörte damals ja fast schon für Laien zur Allgemeinbildung. (…) Ich ärgere mich einfach darüber, wenn behauptet wird, dass im Fechten Doping keine Rolle spielen kann“ (zeitonline 8.8.2013).

Der Biathlon-Trainer Wolfgang Pichler zum Dopung in Westdeutschland: „Im Biathlon war eine Doping-Anlaufstelle der Dr. Erich Spannbauer, der Mannschaftsarzt des DSV. Wir haben das Doping, das bei ihm ablief, aufgedeckt und wurden dafür vom Skiverband abserviert.“ – Pichler sagte auf die Frage zur Doping-Situation nach der von der Studie nicht mehr erfassten Zeit nach der Wende 1989: „Das Ziel war, das System der untergegangenen DDR zu übernehmen. Es sind auch heute noch viele am Ruder, die belastet sind“ (Kistner 17.8.2013).

Der Präsident des DLV, Clemens Prokop, „forderte, dass im Aufsichtsrat der Nada künftig keine Vertreter des organisierten Sports sitzen sollen: ‚Es wäre ein Zeichen der Glaubwürdigkeit, jeden Anschein zu vermeiden, dass der Sport Einfluss auf die Doping-Kontrollen nehmen könnte“ (Aumüller, Kistner 8.8.2013). Prokop sagte zur deutschen Doping-Haltung bei der Leichtathletik-WM in Moskau: „Was wir in Deutschland vollziehen, ist ein Trauerspiel“ und machte sich erneut für ein Anti-Doping-Gesetz stark: „Momentan machen sich dopende Sportler nicht strafbar“ (spiegelonline 19.8.2013).
Das ist ja vom Bach-Vesper-DOSB explizit so gewollt. (LINK)

Auch der Präsident der deutschen Fußball-Liga, Reinhard Rauball und der Präsident des Bundes Deutscher  Radfahrer, Rudolf Scharping forderten ein Anti-Doping-Gesetz.  „Während es Ex-DSB-Präsident Manfred von Richthofen befürwortet, hat DOSB-Chef Thomas Bach bisher stets argumentiert, das Arzneimittelgesetz sei ausreichend“ (SZ 26.8.2013).

Der Sport „reagiert“
DOSB-Präsident Bach kündigte Anfang August 2013 eine „unabhängige“ Evaluierungskommission an. Deren Leiter ist ein alter Bekannter von Bach: „Er steht Bach nahe“ (Hacke u. a. 12.8.2013). – „Der Vorsitzende werde der ehemalige Verfassungsrichter Udo Steiner sein, Bachs Allzweckwaffe für elegantes Krisenmanagement. Steiner war es auch, der 2009 der „unabhängigen“ Kommission zur Bewältigung des laxen Umgangs der deutschen Springreiter im Umgang mit verbotener Medikation zu einem unspektakulären Ende verhalf. Die Reiter seien ‚nicht strukturell unredlich’“ (Simeoni 7.8.2013). Ein weiterer Einsatz Steiners: die Weiterbeschäftigung der mit Doping belasteten Trainern der Ex-DDR. „Steiner übernahm die Leitung der angeblich unabhängigen Kommission des DOSB, die Trainer, Trainerinnen und Offizielle mit Doping-Vergangenheit überprüfen sollten“ (Ebenda). Als wenig überraschendes Ergebnis durften die sechs belasteten Trainer weiterarbeiten: „Steiner hatte sie alle zur Weiterbeschäftigung empfohlen“ (Ebenda). Im Fall der neuen „unabhängigen“ Evaluierungskommission sieht der Zeitplan so aus: „Es ist damit zu rechnen, dass die neue Steiner-Kommission nicht vor dem 10. September mit Ergebnissen aufwarten wird. Und auch nicht vor der Bundestagswahl am 22. September, zu der die Regierung keine unerfreulichen Themen gebrauchen kann“ (Ebenda).
Steiner ist laut Evi Simeoni Bachs Allzweckwaffe in der Casa Doping; eine andere Allzweckwaffe im Kampf für den straffreien Besitz von „geringen Mengen an Dopingmitteln“ ist Matthias Jahn.

Nachtrag 1: Bachs Anwalt schreibt
Achim Muth von der Mainpost stellte Bach Fragen zu „Doping in Deutschland“, zu Bachs Unkenntnis jeglicher Dopingvorgänge in seiner Zeit als aktiver Fechter und seiner Verbindung zum Tauberbischofsheimer Fechttrainer Emil Beck, der wiederum enge Verbindungen zu den Freiburgern Reindell und Keul sowie DDR-Trainern hatte. Thomas Bach ließ seinen Anwalt Christian Schertz antworten, der umgehend mit rechtlichen Schritten drohte. Muth: „Eine Presseanfrage wird mit einem anwaltlichen Verfahrenskürzel beantwortet, statt Antworten wird gemauert und gedroht. Nach einer langen Einleitung mit vielen Worten wie ‚Verdachtsberichterstattung‘. ‚Mandant‘, ‚Berichterstattungsanlass‘ schreibt Scherz schließlich: ‚Zu Ihren Fragen kann festgestellt werden, dass sich hier jegliche Verbindung zu Ihrem Mandanten in einem etwaigen Bericht verbietet“ (Muth 29.8.2013). Ähnliches schrieb Schertz auch der Journalistin Grit Hartmann (aufgrund des Artikels vom 13.8.2013, siehe unten), vergleiche hier bei Jens Weinreich. Der Presseanwalt der Mainpost, Johannes Weberling, schrieb: „Das offenbar hinter dem Vorgehen von Herrn Bach stehende Verständnis des Grundrechts der Pressefreiheit in einer freien Gesellschaft hat mich regelrecht erschreckt“ (Muth 29.8.2013).
Kleiner Baustein aus der Sportdemokratur…

Zur Sitzung des Sportausschusses am 2.9.2013 siehe: Die Trickser von DOSB, BISp und BMI

Quellen:
Aumüller, Johannes, „Das ist zwingend geboten“, in SZ 12.8.2013
Aumüller, Johannes, Herrmann, Boris, Hofmann, René, Kistner, Thomas, Gewinnen um jeden Preis, in SZ 3.8.2013
Aumüller, Johannes, Herrmann, Boris, Kistner, Thomas, Brisante Fragen an Genscher und Bach, in SZ 6.8.2013
Aumüller, Johannes, Kistner, Thomas
– Zweckentfremdung, Irreführung, Betrug in SZ 5.8.2013
– Fragwürdige Symbiose, in SZ 8.8.2013
Bach fordert Veröffentlichung des Abschlussberichts, in spiegelonline 4.8.2013
Catuogno, Claudio
– Erkenntnis verschoben, in SZ 7.8.2013
– Fromme Worte gibt’s umsonst, in SZ 13.8.2013
Cramon, Viola von, Dopingforschung in Deutschland: Sondersitzung des Sportausschusses muss Klarheit schaffen, Bündnis 90/Die Grünen, PM 8.8.2013
Der Druck wächst, in SZ 7.8.2013
Doping-Enthüllungen erschüttern deutschen Sport, in SZ 5.8.2013
Doping-Jäger Franke holt zum Rundumschlag aus, in focus.de 5.10.2011
Dopingstudie belastet angeblich Ex-Innenminister Genscher in spiegelonline 7.8.2013
„Es ist an der Zeit“, in SZ 7.8.2013
Eggers, Erik, „Sie blockierten unsere Arbeit“, in Der Spiegel 33/12.8.2013
Exklusiv: Doping in Deutschland – die Akte VF-1220/13/72, in mainpost.de 29.7.2013
Frage der Zeit, in SZ 21.8.2013
Friedrich für Anti-Doping-Gesetz, in Der Spiegel 35/26.8.2013
Friedrich überlegt, in SZ 26.8.2013
Hacke, Detlev, Ludwig, Udo, „Ich will nur eines: Medaillen”, in Der Spiegel 39/26.9.2011
Hacke, Detlef, Ludwig, Udo, Wulzinger, Michael, Weggucken, wegducken, in Der Spiegel 33/12.8.2013
Hartmann, Grit
– Uni-Klinik Freiburg: Die Doping-Uni vertuscht ihre Doping-Vergangenheit, in zeitonline 7.2.2013
– Denn sie widerrufen nicht, in berliner-zeitung.de 7.8.2013
– Schwierige Mentalität, in berliner-zeitung.de 13.8.2013
Hecker, Anno
Doping kennt keine Grenzen, in faz.net 26.9.2011
– Dr. Zabel, in faz.net 30.7.2013
– „Das konnte man alles wissen“, in faz.net 4.8.2013
– Melden Sie sich! In faz.net 7.8.2013
Die Welle rollt, in faz.net 23.8.2013
Herrmann, Boris
– Die Auftraggeber sind Teil des Problems, in SZ 27.9.2011
– Leichenfledderei für Olympia, in SZ 1.8.2013
– Ab damit ins Archiv, in SZ 3.8.2013
– „Substantielle Unterschiede“, in SZ 6.8.2013
– Musterschüler mit erstaunlichem Makel, in SZ 9.8.2013
– Die große Verschwiegenheit, in SZ 17.8.2013
Hofmann, René
– Öffentliche Kontrolle, in SZ 6.8.2013
– Kader ohne Schmiede, in SZ 9.8.2013
Hungermann, Jens, „Das ist wie ein Mini-Mauerfall“, in welt.de 8.8.2013
Kistner, Thomas
– Geschichten aus dem Monsterland, in SZ 3.8.2013
– „Vitaminspritzen? So dumm können die Athleten gar nicht sein“, in SZ 17.8.2013
Leichtathletik-Boss Prokop spricht von „Schande für Deutschland“, in spiegelonline 19.8.2013
May, Philipp, „Intransparenter geht’s kaum“, in dradio.de 17.8.2013
Muth, Achim
– Keine Gnade für Doper, in mainpost.de 29.7.2013
– Das Schweigen des Thomas Bach, in mainpost.de 29.8.2013
Reinsch, Michael
– Staatlich gefördertes Doping, in faz.net 26.9.2011
Doping als Familiensache, in faz.net 27.9.2011
Rüttenauer, Andreas, „Trainer dopten ihre Partnerinnen“, in taz.de 5.8.2013
Schüller stellt Bach an den Pranger, in Münchner Merkur 7.8.2013
Schüller wirft Bach Vertuschung vor, in spiegelonline 6.8.2013
Seehofer will Anti-Doping-Gesetz, in mainpost.de 2.8.2013
„Sie blockierten unsere Arbeit“, in Der Spiegel 33/12.8.2013
Simeoni, Evi, Denken in langen Linien, in faz.net 7.8.2013
Simon, Jana, Kemper, Anna, Willmann, Urs, Schweitzer, Jan, Doping Menschenversuche, in zeitonline 15.8.2013
Sörgel stellt Bachs Aussage infrage, in zeitonline 8.8.2013
Staat förderte Doping-Missbrauch, in Z 3.8.2013
Strang, H., Spitzer, G., „Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation“, Präsentation von Zwischenergebnissen des Teilprojektes an der Humboldt-Universität zu Berlin, September 2011
Strepenick, Andreas
– Druck auf die Freiburger Sportmedizin: Grüne fordern Aufklärung, in badische-zeitung.de 12.8.2013
– Doping- Kommission: Paoli fühlt sich von Uni-Rektor Schiewer brüskiert, in badische-zeitung.de 19.8.2013
Teuffel, Friedhard, Staatsdoping auch in der Bundesrepublik, in tagesspiegel.de 26.9.2013
„Verletzende Vorwürfe“, in SZ 10.8.2013
Verschlussakte Doping, in spiegelonline 3.8.2013
Wellinski, Patrick, Passender Termin, in dradio.de 15.8.2013
Wende im Streit um Dopingstudie, in handelsblatt.com 16.1.2013
Wikipedia