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Das Geschäft mit den X Games

25.6.2013; aktualisiert 19.7.2014

Ralf Huber, Geschäftsführer der Olympiapark GmbH, schlägt wieder zu: Die deutsche Tourenwagen-Meisterschaft DTM konnte erst durch Proteste in den Jahren 2011 und 2012 gestoppt werden. Huber „hält die DTM noch immer für richtig: ‚Es war kein Fehler'“ (Becker, Kim Björn, Spektakel für die Zukunft, in SZ 18.5.2013). Nun kommt vom 27. bis 30. Juni 2013 der nächste Kracher in den Münchner Olympiapark: die X Games mit ungeahnten Ausmaßen.

Vorgeschichte
Völlig kritiklos hat sich die Olympiapark GmbH Anfang Januar 2012 beim Veranstalter und Rechteinhaber ESPN um die Austragung der “Global Summer X Games” beworben (München bewirbt sich um X-Games, in SZ 4.1.2012).
Vom 27. bis 30.6.2013 (der Vertrag sollte auch bis 2014 und 2015 laufen, wurde aber nach 2013 bereits wieder gekündigt) fanden im Münchner Olympiapark die Sommer-X-Games statt, die es seit 1995 in einer Sommer- und Winterversion gibt. Sie werden jährlich an sechs Orten ausgetragen und wurden zum größten internationalen Event, zu “Weltspielen der Actionsportarten”. Die X-Games sind ein Franchise-Unternehmen des amerikanischen Fernsehsenders ESPN (Entertainment and Sports Production), der zum Disney-Konzern gehört.
Der Münchner Stadtrat hat mit großer Mehrheit und den Stimmen der Grünen die Bewerbung bewilligt, obwohl wie bei Olympischen Spielen jede Menge Garantien abgegeben werden müssen. Dazu musste der Olympiasee wieder einmal abgelassen werden: In ihm wird eine riesige Rampe mit Halfpipe für BMX und Skateboard errichtet (Tögel, Ralf, Olympias kleine Schwester, in SZ 13.2.2012). 15 Disziplinen mit Motocross in der Olympiahalle und Skateboard und BMX im Olympiastadion und im ganzen Olympiapark sind geplant. (Kristlbauer, Matthias, Olympiapark-Chef: “X-Games sind greifbarer als Winterspiele”, in Münchner Merkur 13.2.2012).
Der Olympiapark-Chef Ralph Huber schwärmte von “olympischen Spielen der Extremsportarten” (Lode, Silke, Willkommen zum Ersatz-Spektakel, in SZ 3.5.2012). “The Show must go on heißt die zynische Devise – und Stadt und Olympiapark GmbH freuen sich so überschwänglich, als wären die X-Games echte Olympische Spiele” (Schnitzler, Johannes, Events um jeden Preis, in SZ 3.5.2012). Dazu gibt es an den vier Tagen noch Live-Konzerte, Fashionshows und Filme – das übliche Hully-Gully für Event-Fans. “Die Zielgruppe besteht aus jungen Partygängern, die alles lieben, was schnell ist und dafür schnell Geld ausgeben” (Ebenda).
Das Budget, das der Münchner Olympiapark dafür jährlich aufbringen muss, liegt bei 3,3 Millionen Euro; das Risiko für die Stadt München soll bei einer Million Euro liegen, was abzuwarten bleibt (X-Games in München, in sueddeutsche.de 1.5.2012; Merz, Markus, Der X-Games-Park, in abendzeitung-muenchen.de 2.5.2012). Ralph Huber äußerte im Februar 2012 auf die Frage nach der Lukrativität: „Das sage ich Ihnen nach der Veranstaltung. Im Moment ist unser Ziel, plus/minus null abzuschließen“ (Kristlbauer 11.2.2012). Huber Ende Juni 2013. „Es kann schon sein, dass wir dieses Jahr Verlust machen und dafür nächstes Jahr mehr einnehmen“ (Tögel, Ralf, „Wir brauchen das, unbedingt“, in SZ 27.6.2013).
Johannes Schnitzler fragte in der SZ: “Nächster Showroom München – der Gewinner ist ESPN… Aber Events um jeden Preis? DTM, Supercross, Ski-Weltcup – dem jeweils einmaligen Ereignis wird der rote Teppich respektive grauer Asphalt ausgerollt… Was der Münchner Olympiapark aber auf jeden Fall braucht, ist eine Identität. Sonst verkommt er zum x-beliebigen Funpark” (Schnitzler 3.5.2013).
Dazu will ihn der Chef Ralph Huber offensichtlich um jeden Preis machen.
Und Thomas Hahn schrieb dazu in der SZ: “Gerade die X-Games, die prestigeträchtigen Kommerzspiele des US-Sportsenders ESPN, inszenieren den Actionsport oft genug als Ereignis, bei dem der Effekt über der Gesundheit des Sportlers zu stehen scheint: Die Leute sollen staunen, wie sie auch im Kino über wilde Verfolgungsjagden staunen, und wenn es dabei zu einem bösen Unfall kommt, gehört das eben zum Geschäft” (Aus Show wird Tragödie, in SZ 12.3.2012).
Brot und Spiele: Das Geld ruft. Der Trend sowohl bei olympischen Sportarten als auch bei den neuen “Free-” und Extremsportarten wird härter: Die Unfälle häufen sich unter dem Olympischen Motto: “schneller, höher, stärker”.

X-Games und Olympische Spiele
Zum höheren Gefahrenpotential tragen immer größere und härtere Halfpipes bei, aber auch der US-Fernsehsender ESPN, der die X-Games veranstaltet und der dazu neigt, “manchen Slopestyle-Kurs für die Action auch mal etwas zu heftig anzulegen” (Hahn, Thomas, Eine böse Laune, in SZ 21.1.2012).
Der Alpindirektor des DSV, Wolfgang Maier, bestätigte, “dass die X-Games mittlerweile eine ernstzunehmende Konkurrenzveranstaltung zu den Olympischen Spielen geworden sind”. Und da das IOC “extrem kapitalorientiert” sei, mache es Druck, die neuen, noch gefährlicheren Sportarten wie Ski-Cross und Freestyle in sein olympisches Programm zu integrieren.
“Die X-Games zeichnen sich durch ein extrem hohes Risiko aus. Je spektakulärer der Sturz, desto besser. Es gibt keine Rücksicht auf Verluste” (Eder, Michael, “Wir fördern keine Gladiatorenkämpfe”, in faz.net 30.1.2013).
Die Bilder von schweren Stürzen lassen sich anscheinend bestens vermarkten, da das Publikum daran Gefallen zu finden scheint: eine perverse Entwicklung.
“Citius, altius, fortius (schneller, höher, stärker) – das Olympia-Motto passt zu den X-Games wie die Faust aufs Auge. In den Sportarten Skateboard, BMX, Motocross und Mountain Bike kämpfen in München mehr als 200 Athleten vier Tage lang gegeneinander – und gegen die Gesetze der Physik. Die Wettbewerbe, die sich mit Bezeichnungen wie ‘Big Air’ (Skateboard, BMX), ‘Best Whip’ (Motocross) oder „Slopestyle’ (Mountain Bike) schmücken, stehen im Zeichen von Höhe, Geschwindigkeit und Kraft. Hier ein Sprung von der Riesenschanze, dort ein Trick im Parcours: Angst ist für X-Games-Athleten ohnehin ein Fremdwort. Natürlich dürfen bei derlei Einlagen Kontrolle und Geschicklichkeit nicht fehlen – sowie eine hohe Schmerztoleranz, denn Stürze gehören bei den riskanten Manövern zur Tagesordnung… ‘Die X-Games sind nicht nur eine spektakuläre Sportveranstaltung, sie sind Lifestyle’, wirbt Ralph Huber, Geschäftsführer der OMG” (Ignatowitsch, Julian, Greller, höher, weiter, in SZ 11.5.2013; Hervorhebung WZ).
ESPN hat die autoritäre Vertragsgestaltung zum Teil vom IOC übernommen. Olympiapark-Geschäftsführer Huber: „ESPN hat laut Vertrag auch die Möglichkeit, die Locations frei zu belegen… ESPN hat die Möglichkeit, aufgrund des Aufbaus oder der Fernsehbilder zu sagen, dass sie etwas ändern möchten. Dann versucht man, zu einem Konsens zu kommen. Das letzte Recht aber hat ESPN“ (Tögel 27.6.2013). Die Presseagentur DPA hat sich geweigert, „die Knebelverträge von ESPN zu unterschreiben und daher auf eine Berichterstattung verzichtet“ (Ebenda; Hervorhebung WZ).
Das IOC hat sich bereits bei den X-Games bedient und die Sommerdisziplinen BMX, Mountainbike und Skateboard sowie die Winterdisziplinen Snowboard und Skicross in das olympische Programm übernommen. “Olympia hat uns umarmt, und das hat uns enorm vorangebracht”, sagte ein Vermarkter (Klein, Günter, X-Games: Die Action-Sportarten zu Olympia, in Münchner Merkur 4.5.2012).
„Kurzweiligkeit ist gefragt im Kampf um Fernseh- und Sponsorengelder, dem kann sich auch das IOC nicht entziehen. Der Trend zum Spektakel ist nicht zu übersehen. Das IOC lässt sich von Actionsport-Ereignissen wie den X-Games des US-Senders ESPN inspirieren” (Hahn, Thomas, Ringen vor Olympia-Aus, in SZ 13.2.2013; Hervorhebung WZ).

 

 

X-Games, Aufbauarbeiten, Juni 2013

 

Der Aufbau
Ab 21.5.2013 wurde im Olympiapark aufgebaut – für das Vier-Tage-Spektakel vom 27. bis 30.6.2013. Insgesamt wurden 540 Tonnen Material verbaut (Schubert, Andreas, Erst rüsten, dann rasen, in SZ 8.6.2013). Die 26 Meter hohe und 112 Meter lange Big-Air-Rampe wurde im Olympiasee mit einem Betonballast von 100 Tonnen im See verankert. “Um zu verhindern, dass der ganze See abgepumpt werden muss, wird mit einem mobilen Dammsystem von insgesamt 150 Metern Länge eine Fläche geschaffen, aus der 10.000 Kubikmeter Wasser abgepumpt werden, damit Aufbau und Verankerung der Rampe trockenen Fußes zu erledigen ist” (X-Games, in SZ 11.5.2013).

“Der Olympiasee ist zum Teil ausgelassen, im Wasser entsteht eine riesige Rampe. Anwohnern ist die Riesenbaustelle ein Dorn im Auge. Sandberge, Planierraupen, Bagger, ein teils abgelassener Olympiasee – die Anwohner sind geschockt darüber, wie der Olympiapark im Moment aussieht. In zwei Wochen beginnt die Actionsport-Veranstaltung ‘X-Games’. Mit derart massiven Eingriffen in das Gelände im Vorfeld der Wettbewerbe hat auch der zuständige Bezirksausschuss (BA) nicht gerechnet… CSU-Sprecher Erich Tomsche beschrieb die Situation als katastrophal.

 

 

X-Games, Aufbauarbeiten, Juni 2013

Es sei kaum noch Gras auf dem Olympiaberg, eine große Rampe wurde dort aufgebaut, überall Sandberge und der See sei teilweise wieder aufgeschüttet. „Das kann man schon als Frechheit bezeichnen, wie es dort aussieht“ (Kirchensteiner, Sonja, X-Games-Baustelle sorgt für Ärger, in Münchner Merkur 14.6.2013). – „10.000 Tonnen Sand haben sie für die Motocrosser allein ins Olymiastadion geschüttet, noch ein paar tausend in die Olympiahalle nebenan. Ins Eisstadion haben sie eine riesige verwinkelte Betonwanne gegossen für die Skater und BMXler“ (Eder, Michael, Das Olympia von übermorgen, in faz.net 30.6.2012).
Party-Time: „Zwischen Coubertinplatz und Eissportzentrum erstreckt sich im Olympiapark eine rund 20.000 Quadratmeter große Feiermeile mit gut 40 Ständen, einer Musikbühne, interaktiven Zonen und einem aufwendig gestalteten ‚Cultural Village‘, einem Kulturdorf“ (Ignatowitsch, Julian, Postmodernes Millionendorf, in SZ 13.6.2013).
Die Kritik
Der Bezirksausschuss hatte für die X-Games gestimmt, deren wahres Ausmaß aber aufgrund fehlender Informationen nicht erkannt.

 

 

X-Games, Aufbauarbeiten, Juni 2013

Olympiapark-Sprecher Arno Hartung konnte die Kritik nicht nachvollziehen und wollte sich die Veranstaltung nicht zerreden lassen: „Die X-Games sind in den Trendsportarten so etwas wie die Olympischen Spiele, da ist auch ein entsprechender Aufbau notwendig“ (Kronewiter, Thomas, Wie auf einer Baustelle, in SZ 14.6.2013).

 

 

X-Games, Aufbauarbeiten, Juni 2013

Eben: Es ist so, wie es bei München 2022 bezüglich des IOC wäre: “Der Veranstalter der X-Games habe während seiner Showtage Zugriff auf das ganze Gelände – und das für drei Jahre” (Ebenda).

 

 

X-Games, Aufbauarbeiten, Juni 2013

 

Der Aufsichtsrat der Olympiapark GmbH konnte gerade noch eine Rallye des Sponsors Ford im Olympiapark verhindern: Diese findet nun in Freimann statt, zum Missvergnügen des dortigen Bezirksausschusses (Ebenda).
Zitat vom Mai 2013: “CSU-Sprecher Erich Tomsche … legte dem Olympiapark-Chef nahe, sich angesichts seiner Affinität zum Motorsport einen Job am Nürburgring zu suchen: ‘Er versucht es immer wieder’” (Zustimmung mit Bedingung, in SZ 11.5.2013; Hervorhebung WZ).

„Größte Veranstaltung seit Olympia“
„Die X Games sind die größte Veranstaltung seit Olympia 1972, die den gesamten Park umfasst”
(X-Games: “Größte Veranstaltung seit Olympia“, in abendzeitung-muenchen.de 19.6.2013). So feierte (sich) Ralph Huber. Am größten ist die Mega-Rampe im abgelassenen Olympiasee: 26 Meter hoch, 112 Meter lang, 53 Grad steil. “Tarek Rasouli hat den Mountainbike-Parcours am Olympiaberg erstellt… ‘In meiner Zeit ging es einfach nur um das Höher, Schneller, Weiter. Jetzt stehen eher Tricks und Geschicklichkeit im Vordergrund.’ Rasouli, ein früherer Star der Freerider-Szene, ist seit einem BMX-Unfall querschnittgelähmt” (Winter, Sebastian, Knochenbrüche sind fast schon normal, in sueddeutsche.de 21.6.2013; Am Scheitelpunkt zerschellt, in SZ 20.6.2013).
Kein Einzelfall:

X-Games = †-Games?
Das „X“ steht für „extrem“: So laufen diese Sportarten dann auch ab. „Die X-Games kommen ohne schwere Unfälle selten aus, und wer nicht mindestens einmal ziemlich böse verletzt war, wird vermutlich erst gar nicht eingeladen“ (SID, X-Games: Extremer Sport, extreme Unfälle, in Münchner Merkur 26.6.2013).
Die kanadische Ski-Freestylerin Sarah Burke gewann viermal den Halfpipe-Titel beim Extremsport-Event X-Games. Sie hatte sich dafür eingesetzt, dass ihre Sportart Ski-Slopestyle in das Programm von X-Games aufgenommen wurde und erstmals 2014 in Sotschi die Freeski-Disziplinen Halfpipe und Slopestyle olympisch wurden (Hahn, Thomas, Eine böse Laune, in SZ 21.1.2012). Am 10.1.2012 stürzte sie beim Training in der Olympia-Halfpipe in Vancouver, landete auf dem Kopf und erlitt schwere Kopfverletzungen (Sarah Burke im Koma, in SZ 12.1.2012; “Kritischer Zustand”, in SZ 13.1.2012). Nach einem Herzstillstand kam es zu “schweren, irreparablen Gehirnschäden” (Tod von Ski-Freestylerin Burke, in spiegelonline 20.1.2012). Neun Tage später starb sie im Krankenhaus von Salt Lake City.
Der Amerikaner Caleb Moore verlor am 24.1.2013 in der X-Games-Disziplin “Freestyle-Snowmobiling” in Aspen/Colorado die Kontrolle über sein 200 Kilo schweres Schneemobil nach einem missglückten Rückwärtssalto und erlag seinen inneren Verletzungen (Schneemobil-Pilot erliegt seinen Verletzungen, in sueddeutsche.de 1.2.2013; Toter bei X-Games, in SZ 2.2.2013). Mitte März 2013 strichen dann die Veranstalter vom Sender ESPN die Schneemobil-Disziplin. “Dass im Januar ein Teilnehmer starb, sei jedoch nicht der Anlass gewesen, teilte der Sender mit” (Veranstalter streicht Schneemobil-Disziplin, in spiegelonline 13.3.2013).
Einige „Helden“: Paris Rosen, Freestyle-Motocrosser, Unfall 2010 bei Salto vorwärts: Leberriss, Knorpelbruch, Bruch der unteren Lendenwirbelsäule, Lungenquetschung, Abschürfungen und Prellungen. Caleb Moore, tödlicher Unfall mit Schneemobil Januar 2013. Steffi Laier, “Women’s Enduro X”, Unfall August 2012: Motorrad durchschlägt von hinten den Oberschenkel. Chad Kagy, BMX-Freestyle Big Air: 15 Operationen, u. a. gebrochenes Genick, gebrochener Oberschenkelknochen, hat 26 Metallteile im Körper. Brian Deegan, Rallycross und Moto X Step Up: Beine und Arme gebrochen, Niere verloren, Milz verloren. Manny Santiago, Street League Skateboarding: Sprunggelenke ausgeleiert, Knieschmerzen, Zahnverlust. Jackson Strong, Freestyle Moto X: Knochenbrüche. Peter Henke, Mountainbike Slopestyle: gebrochener Mittelhandknochen, gebrochene Speiche, Bänderrisse, Gehirnerschütterung. Usw.usw. (Winter, Sebastian, Knochenbrüche sind fast schon normal, in sueddeutsche.de 21.6.2013; Biazza, Jakob, “Angst? Nur vor wütenden Frauen!” in jetzt.sueddeutsche.de 21.6.2013; Münchner Merkur 26.6.2013).
Der Sportwissenschaftler Martin Stern zur Gefahrenentwicklung bei neuen Wintersportarten: “Das Risiko ist Teil der Struktur dieser Sportarten. Neue Tricks, mehr Schrauben, spektakulärere Sprünge – davon leben diese Disziplinen. Die Sportler werden immer den Grenzgang probieren, egal wie die Bedingungen sind. Und die Zuschauer erwarten das auch von ihnen” (“Doppelter Druck”, in Der Spiegel 7/9.2.2013; Hervorhebung WZ). „Und am Streckenrand wartet bereits der Krankenwagen“ (SID, Münchner Merlur 26.6.2013).
Man darf auf die X-Games Ende Juni 2013 in München gespannt sein. Vielleicht kommen so viele Besucher, weil sie Blut sehen wollen. Und die Krankenkassen zahlen ja für die Unfälle – bzw. wir alle.

Das X-Games-Business
„Erfinder der X Games ist der amerikanische Sender ESPN, der nun auch um Marktanteile in Europa kämpft… In München werden rund 100.000 Zuschauer erwartet” (Schanze im See, in Der Spiegel 26/24.6.2013).
Der Skateboarder Tobi Kupfer, 37, berichtet über seinen Sport: “… die Multis, die ganzen großen Konzerne geben den Ton an. Der Markt ist eigentlich komplett gekauft… 60,70 Prozent der kleinen Skateboardshops gehen pleite… Skateboarden ist im Konsum untergegangen” (Hahn, Thomas, “Eine Stuntman-Show”, in SZ 27.6.2013; Hervorhebung WZ). Zu den X-Games des Fernsehsenders ESPN in München merkt Kupfer an: “Der Tred geht weiter. Noch fetter, noch krasser. Es ist wie eine Stuntman-Show. Es ist ein schöner Gladiatorenkampf… Keiner von denen hat den Impuls, die Welt zu retten”. Bei den X-Games sieht Kupfer “Vetternwirtschaft” und VIP-Schläuche” (Ebenda). – „Ich habe mich ja auch einmal darin befunden, und das  war okay. Aber man muss sich irgendwann fragen: Was kommt danach?“ (Perkuhn, Anja, Schmerzen im Raumschiff, in berliner-zeitung.de 30.5.2013).
Scott Tepper von der Skateboard-Modefirma HUF: “…viel vom Skateboarden ist zu einer Betriebswelt geworden. All diese riesigen Firmen versuchen, ihren Anteil daran zu beanspruchen… Als Snowboarder in Not oder kleine Marke ist es oft schwer zu widerstehen. Manchmal heißt es: Unterschreib’ oder geh unter… (Ebenda).
Kristijan Mirkovic
, 32 entschied sich für den Skateboard-Sport und gegen den Kommerz: „Irgendwann kamen wir an einen Punkt, wo es mit dem Geschäft zu viel wurde. Noch ein Eingeständnis mehr, noch ein Grundsatz weniger – da haben wir einfach aufgehört“ (Ignatowitsch, Julian, Auf dem Sprung, in SZ 8.6.2013).
Die jungen Sportler können einem leid tun: Sie sind Verführte und setzen ihre Gesundheit aufs Spiel. Die Verführer – Veranstalter, Fernsehsender, Sponsoren etc. – machen mit ihnen das Geschäft.

 

 

Parkordnung

Die Parkordnung gilt leider nur für den normalen Parkbesucher.

Fazit:
– „Der Bezirksausschuss stellt einen Dringlichkeitsantrag an das Münchner Umweltreferat mit der Forderung, den derzeitigen Lärmpegel bei den X-Games sofort nach unten zu regeln“ (Zu viel Lärm? Anwohner gehen auf die Barrikaden, in abendzeitung-muenchen.de 28.6.2013).
– „Man kann seinem Jungen (Mädchen sind bei den X Games nur am Rand beteiligt) aber auch etwas Motorisiertes vors Kinderzimmer stellen. Eine 250-Kubik-Crossmaschine, mit der man springen kann, oder einen kleinen Rennwagen vielleicht, muss ja nicht gleich ein RallyCross-Fiesta mit 550 PS sein, wie sie die X-Games-Piloten am FröttmaRing bewegen. Oder vielleicht doch erst mal ein BMX-Rad, mit dem die X-Games-Helden helikoptermäßig über die Riesenschanze fliegen, manchmal auch direkt ins Krankenhaus“ (Eder, Michael, Das Olympia von übermorgen, in faz.net 30.6.2012).
– „Wer stürzt, entschuldigt sich später für die Schwäche, gern über Twitter an alle Welt, wie der Amerikaner James Foster, der am Freitag mit seinem BMX in die Rampe fuhr und auf Kopf und Schulter landete“ Perkuhn 30.6.2013). – „Der Kalifornier wurde trotz Helm mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht, der spätere Sieger Chad Kagy meinte lapidar: ‚Wer Angst hat, darf nicht starten“ (Tögel, Ralf, Happening im Luftraum, in SZ 1.7.2013). – „Nach einer Stunde Unterbrechung, in der viel Werbung über die Großbildleinwand flimmerte und die Moderatoren ‚den blauen Himmel‘ lobten, wurde der Wettkampf fortgeführt“ (Ignatowitsch, Julian, Warmbrunn, Benedikt, Von Rädern und Rollen, in SZ 1.7.2013).
– „Was all die Stürze, die Sprünge, das Inkaufnehmen mit ihm, seinem Körper, in zehn, zwanzig Jahren macht, darüber denke er nicht nach, sagt Chris Cole. ‚Später in meinem Leben habe ich lieber Schmerzen, als etwas zu bereuen’“ (Ebenda).
– „Das Spektakel der Freestyle-Motocrosser musste als einziger Wettbewerb komplett abgesagt werden: Zu feucht war der Untergrund. „Wir hätten über Nacht 12000 Kubikmeter Dirt austauschen müssen“, sagte Frank Seipp, der Organisations-Chef. Kartenbesitzern, die von den Verschiebungen im Zeitplan betroffen sind, empfahl Huber, sich zwecks der fälligen Rückerstattungen schriftlich an den Anbieter ‚München Ticket‘ zu wenden“ (Becker, Thomas, Erst NIX-Games, dann „beste Werbung“, in abendzeitung-muenchen.de 30.6.2013).
– „Die Spiele wirkten auf den ersten Blick tatsächlich wie die rücksichtslose Spektakel-Phantasie ihrer Erfinder vom US-Privatkanal ESPN… ‚Innovation ist ein großer Teil des Freestyle“, sagt der US-Motocrosser Nate Adams, in München Bronze-Gewinner im Speed- and Style-Contest. ‚Was Neues finden, etwas, das noch niemand gesehen hat. Gefährlicher, technischer. Dadurch bleibt es nie gleich, irgendjemand macht immer was Neues, um Fernsehzeit zu bekommen und einen Sponsor’… Skateboarder Chris Cole sagt, dass er im Adrenalin-Rausch die Härten der Jagd nach Neuem gar nicht so spüre, außerdem: „Mein Wille, das umzusetzen, nach was ich mich einmal gesehnt habe, ist viel größer als der Schmerz, den ich dabei einstecken werde.“ Und der Motocrosser Edgar Torronteras aus Spanien, in München Gewinner des Kunstsprung-Wettkampfes Best Whip, sagt auf die Frage nach dem Schmerz: ‚Wenn ich Schmerzen habe, nehme ich Pillen. So ist das’… Er lüftet seinen Kragen und zeigt die kantige Stahlplatte, die sein Schlüsselbein ersetzt, er schiebt das Hosenbein hoch, zeigt die Narbe am Fußgelenk und ruckelt am Knie, das kaputte Kreuzbänder aufweist. Das ist der Preis, und ihm ist klar, dass das Publikum davon nichts wissen will“ (Hahn, Thomas, Show der Schmerzensleute, in SZ 1.7.2013).
– „Höher, schneller, weiter: Der Druck auf die Athleten, immer neue Spektakel zu bieten, der Drang zum Extremen, wird den X Games gern zum Vorwurf gemacht, doch letztlich ist dies nur das Grundgesetz des Leistungssports. Die X Games nehmen es nur ziemlich ernst. In der X-Games-Welt sind die verrückten Alten immer noch große Attraktionen, Männer, die wie der Motocrosser Brian Deegan auch dann noch weiterfahren und gewinnen, wenn ihnen die Ärzte in Notoperationen Niere und Milz herausgeschnitten haben. Männer wie Deegan oder der legendäre Hasardeur Travis Pastrana, der in München zum Bedauern aller fehlte, stehen für die Wildheit, mit der die Szene einst den etablierten Sport aufmischte. Sie haben die X Games groß gemacht, ihnen haben die Kids nachgeeifert, sie haben ESPN Millionen in die Kasse gespült…ESPN bestimmt die Regeln, ESPN lädt ein, die Athleten verkaufen sich an Sponsoren, die Sponsoren verkaufen ein Lebensgefühl. „Wir wollen einer globalen Community Actionsport präsentieren“, sagt ESPN-Sprecherin Amy Lupo. „Das ist eine Sprache, die man auf der ganzen Welt versteht.“ Es ist die Sprache des Geldes. Die Outlaws von gestern tragen heute Red-Bull-Kappen und werden vom Fahrdienst zum Mittagessen chauffiert“ (Eder, Michael, Action bis der Arzt kommt, in faz.net 1.7.2013).

Und danach: wieder abbauen…

 

 

X-Games, Abbauarbeiten, Juli 2013

 

X-Games, Abbauarbeiten, Juli 2013

Vergleiche auch im Kritischen Olympischen Lexikon: Brot und Spiele; Event; MUNICH MASH