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Neuer Aufguss von München 2018

24.4.2013, aktualisiert 28.4.2013

DOSB optimiert die „ausgezeichnete“ Bewerbung München 2018
Am 18.4.2013 schrieben DOSB-Präsident Bach und DOSB-Generaldirektor Vesper einen Brief (Link hier ab S. 4) an den Münchner OB Ude mit Verbesserungsvorschlägen des “sowohl national als auch vor allem international gelobten” Sportkonzeptes von München 2018. Bei München 2022 würde Schwaiganger mit Biathlon und Langlauf aufgegeben zugunsten Ruhpolding (Biathlon) und dortiger temporärer Langlauf-Anlage; dadurch würde ein drittes Olympisches Dorf benötigt.
Zu der Zahl der olympischen Dörfer stand in einem Papier der Bewerbungsgesellschaft München 2018 explizit: „Daher legt das IOC einen extrem hohen Stellenwert auf das in Vancouver bereits erfolgreich umgesetzte Konzept von maximal zwei Olympischen Dörfern als Hauptunterkunft für die Sportler/innen (Bewerbungsgesellschaft München 2018, 18 Irrtümer über unsere Olympia-Bewerbung – und unsere Antworten darauf, 20.7.2010; Hervorhebung WZ).
Die Freestyle-Wettbewerbe Aerials und Halfpipe würden von Garmisch-Partenkirchen in den Münchner Olympiapark verlagert. Das Olympische Dorf in Garmisch-Partenkirchen würde angeblich um bis zu 40 Prozent verkleinert.
Kommentar eines Lesers in der tz vom 23.4.2013: “Schlimm genug, wenn jeden Tag eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird, aber alle paar Wochen dieselbe Sau ist noch schlimmer. Lassts doch den Olympia-Schmarrn endgültig bleiben. Eure Märchen, daß die ganze Stadt und das Land Bayern davon profitiert, glaubt eh kaum noch jemand” (Olympia: Neue Pläne mit Ruhpolding, in tz 23.4.2013).

DOSB-Präsident Bach im Interview 19.1.2010
Bach hatte die Einbeziehung von Ruhpolding noch 2010 als undurchsetzbar beim IOC deklariert.
Sport-Informationsdienst SID: “Gerade hat Ruhpolding wieder seinen ausgezeichneten Ruf als Biathlon-Hochburg unter Beweis gestellt. Warum passen die Chiemgauer dennoch nicht in das Konzept für München 2018?” – Bach: “Weil es dann keine Olympischen Spiele in Deutschland geben würde. Mit einer Flickenteppich-Bewerbung hätten wir keine Chance. In Ruhpolding müsste unter anderem ein zusätzliches olympisches Dorf errichtet werden, ein solches Subzentrum mit kostenintensiven Verkehrswegen ist nicht zu rechtfertigen” (Quelle: n.24.de; Hervorhebung WZ).
MdL und Sprecher des Bündnisses Nolympia Ludwig Hartmann attestierte deshalb den München-2022-Befürwortern „ein gravierendes Glaubwürdigkeitsproblem“ (Nein bleibt Nein, in SZ 25.4.2013). Hartmann lehnte auch das IOC als Gesprächspartner ab, siehe Knebelverträge, Steuerbefreiung etc.: „Das IOC muss froh sein, wenn es noch einen Dummen dafür findet“ (Ebenda).

Olympische Jubler
Und schon hebt der Jubelchor der Olympia-Befürworter wieder an. Bürgermeister Schmid von Garmisch-Partenkirchen und Heinz Mohr vom Verein OlympiJa veröffentlichten am 23.4.2013 eine Erklärung, die sofort auf die DOSB-Webseite gesetzt wurde. Schmid und Mohr vermeldeten stolz ihre Mitarbeit an dem angeblich neuen Konzept, „das wir über Wochen und Monate mit den verantwortlichen Personen und Gremien abgestimmt haben“ (Winterspiele 2022: Erklärung von Garmisch-Partenkirchen und OlympiJa, in dosb.de 23.4.2013).
Diese verantwortlichen Personen und Gremien sind: Bürgermeister Schmid, Ex-Skirennfahrer Christian Neureuther, OlympiJA-Vorsitzender Heinz Mohr, Peter Fischer vom Skiclub Garmisch…
Dagegen weiß der Bürgermeister von Ruhpolding, Claus Pichler, erst seit  22.4.2013 von der Einbindung Ruhpoldings bei München 2022 (Lode, Silke, Chancen für neue Olympia-Bewerbung steigen, in SZ 24.4.2013).
Die intransparente und undemokratische Planungsstruktur von München 2018 setzt sich also bei München 2022 fort.
Pichler wies darauf hin, dass die für die WM 2012 für 16 Millionen Euro ausgebaute Biathlon-Anlage für Olympische Spiele 2022 nicht ausreichen werde. „Möglicherweise muss in der Nähe ein zweites temporäres Stadion errichtet werden… Doch er weist auch darauf hin, dass ‚die strengen Naturschutzrichtlinien‘ rund um die Biathlon-Anlage ein vorsichtiges Planen nötig machten. Und natürlich zuerst auch Gespräche mit Grundbesitzern und Weideberechtigten anstünden. ‚Das schütteln wir nicht aus dem Ärmel'“ (Nein bleibt Nein, in SZ 25.4.2013). Auch die Umweltschützer sollen eingebunden werden: „den stetigen Ausbau des Biathlonzentrums, das in einem ökologisch sensiblen Gebiet liegt, haben sie bislang großzügig mitgetragen“ (Effern, Heiner, Erfahrung ist alles, in SZ 27.4,2013).
Vielleicht sollten die Umweltschützer endlich diese Großzügigkeit und das Mittragen beenden und zu einer kritischen Sichtweise übergehen.
Schmid und Mohr winkten umgehend wieder mit zahllosen Straßenbauprojekten aus der olympischen Wundertüte: mit Kramertunnel, Wanktunnel, Ortsumfahrung Oberau, zweispuriger Bahnlinie München Garmisch-Partenkirchen (Ebenda).
Der Bau des Kramertunnels ist aus geologischen Gründen bislang unsicher. Der Wanktunnel war nie projektiert, sondern ein Wunschgebilde von wenigen. Die Ortsumfahrung Oberau wäre genauso oder leichter ohne Olympische Spiele zu realisieren. Und bei München 2018 wäre die Bahnlinie lediglich auf wenigen Kilometern ertüchtigt worden.
München 2022 setzt auch eine falsche Behauptung von München 2018 fort: „… wir können bei einem Bürgerentscheid damit punkten, dass  der Markt  Garmisch-Partenkirchen über alle wichtigen Flächen entweder selbst verfügt oder sie vertraglich gesichert hat“ (Ebenda).
Das wurde auch schon bei München 2018 – von 2009 bis Juli 2011 – behauptet, ohne dass die Aussage gestimmt hätte. Was werden sich wohl die Garmisch-Partenkirchner Bauern und Grundeigentümer bei dieser Behauptung denken?

Olympische Presse
Auch die journalistischen Olympiafreunde melden sich zurück. Da schrieb Christian Krügel aus der SZ-Lokalredaktion: “So könnten Olympische Winterspiele 2022 in München und Oberbayern wirklich Spaß machen” (Das bessere Konzept, in SZ 24.4.2013). Und Peter Reinbold schwärmte von Kramer- und Auerbergtunnel und hielt die Neuorientierung für „charmant“: „Garmisch-Partenkirchen wird von der Gigantomanie verschont… Der Region tut ein bißchen Aufbruchsstimmung gut“ (Lex Garmisch-Partenkirchen, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 24.4.2013).

Grundloser Jubel
Es ist kein genaues Konzept bekannt. So ist völlig unklar, wo etwa in München ein Olympisches Dorf platziert würde. Die Zahl der IOC-Disziplinen ist inzwischen noch angestiegen und steigt weiter, genauso wie die Zahl der Athleten, der Journalisten, der “Olympischen Familie”…
Und das IOC ist nach wie vor das IOC. Die Knebelverträge sind nach wie vor Knebelverträge. Die vom IOC geforderte „Defizitgarantie“ garantiert ein Milliarden-Defizit – für die deutschen Steuerzahler. Während das IOC mit den Milliarden der Sponsoren und TV-Sender nach Lausanne zurückkehrt.
Kleine Standortverschiebungen ändern nichts an den generellen Problemen, die Olympische Winterspiele schaffen, z.B. Schneewettbewerbe 2022 mit größtmöglichen Mengen Kunstschnee, White Elephants (nach den Spielen ungenutzte Sportstätten mit Folgekosten) etc. Und der autoritäre Bach-Vesper-DOSB ist nach wie vor der autoritäre Bach-Vesper-DOSB.
Eine Bewerbung München 2022 ist nach wie vor unakzeptabel: Das finanzielle Risiko ist höher denn je, ebenso die ökologischen Schäden. Dazu kommt der verschärfte Klimawandel.
Weitere Veränderung am Sportstättenkonzept lehnte der DOSB autoritär wie eh und je ab: „Allerdings fügen wir in aller Entschiedenheit hinzu, dass es weitere Veränderungen am Sportstättenkonzept im Fall einer neuerlichen Bewerbung aus unserer Sicht keinesfalls geben kann“ (Brief Bach, Vesper 18.4.2013).

NOlympia ist auf dem Laufenden
Hellsichtig hat sich laufend ein kleiner Kreis vom Netzwerk NOlympia getroffen, zuletzt am 19.4.2013, um über mögliche Konsequenzen aus den Bewerbungsandrohungen München 2022 von OB Ude zu diskutieren. Die Webseite NOlympia ist auf dem aktuellen Stand. Und sie hat inzwischen insgesamt über 510.000 Besucher.
Wir sind vorbereitet.

top-alt: auto; mso-margin-bottom-alt: auto; margin-left: 36.0pt; text-indent: -18.0pt; tab-stops: 29.0pt list 36.0pt;">Exkurs: Sport-Wintergeschehen 2012/2013:
Auch der Winter 2012/2013 begann mit einem spannenden Witterungsgeschehen. Am Königssee wurde die Bobbahn zur Wasserrutsche. Beim Biathlon-Weltcup in Oberhof standen die 84.000 Zuschauer im Regen. Beim Skispringen in Bischofshofen gaben die Sportler Interviews unterm Regenschirm. Die Nordischen Kombinierer hatten in Schonach Tauwetter und Nieselregen. “Am Neujahrstag war eine rennfertige Piste beim Weltcup im Parallel-Slalom in München nur mit einem Kraftakt möglich gewesen. Beim Biathlon in Oberhof brauchte es 20.000 Kubikmeter Kunstschnee, insgesamt 246 LkW-Ladungen. Das Finale der Vierschanzentournee in Bischofshofen rettete nur die Technik. ‘Wenn die österreichischen Veranstalter keine Anlaufspurkühlung gehabt hätten, wäre die Tournee den Bach runtergegangen», sagte Bundestrainer Werner Schuster’” (Wintersport ohne Winter, in Augsburger Allgemeine 7.1.2013).

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    Beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding bestand der Internationale Biathlonverband IBU auf der Durchführung von vier Nachtrennen, um einen Sendeplatz im attraktiveren Fernseh-Vorabendprogramm zu bekommen. Dadurch entstanden dem Veranstalter allein 250.000 Euro Kosten für die Installation von zusätzlichen Lampen plus enorm hohe Stromkosten. Der Präsident des Organisationskomitees und Bürgermeister von Ruhpolding, Claus Pichler, räumte ein, dass man kein wirkliches Mitspracherecht habe (Biathlon-Nachtrennen stehen in der Kritik, in zeitonline 9.1.2013).

Wie demokratisch sind eigentlich Bürgerentscheide?
Die Frage mag zunächst seltsam klingen: Ist doch die Partizipation der Bevölkerung bei politischen Entscheidungen wünschenswert. Aber ein kurzer Blick auf zwei olympische Bewerbungen betreffenden Bürgerentscheide relativieren dies.
I – Bürgerentscheid am 8.5.2011 in Garmisch-Partenkirchen über München 2018Aus der Chronologie Mai 2011:
Im Vorfeld heizten die Olympia-Fans die Stimmung in Garmisch-Partenkirchen auf. Besonders die Initiative “Zwei Tunnel für Garmisch-Partenkirchen” hängte drei Wochen lang an der Bundesstraße 23 mit Genehmigung der Gemeinde Schilder mit Texten wie “Bund Naturschutz fordert: Weiterhin Gefährdung unserer Kinder” auf. Diese Plakate waren rechtlich nicht zulässig und mussten abgehängt werden. Axel Doering vom
BN erwog weitere juristische Schritte dagegen (Tokarski, Janine, BN droht Tunnel-Initiative mit juristischen Schritten, in merkur-online.de 10.5.2011).
Horst Seehofer traf – sicher ganz zufällig! – am 6.5. in Garmisch-Partenkirchen ein, um die “Skipisten 2011″ zu eröffnen, heimische Sportler zu ehren und einen flammenden Appell für München 2018 loszulassen, siehe oben (Seehofer hofft auf positives Olympia-Signal, in Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 7.5.2011).
Die Materialschlacht des Pro-Olympia-Vereins OlympiJA mit Anzeigen, Plakaten, Postwurfsendungen, T-Shirts, Papp-Herzen vor allen Garmisch-Partenkirchner Häusern noch am 8.5. – entgegen der gemeinsamen Absprache, am Wahltag selbst nicht mehr zu werben -,  war nicht billig: Wer hat das eigentlich alles bezahlt? Dagegen war die Anzeige von etwa 300 Murnauer Bürgern zugunsten der Olympia-Gegner am 5.5.2011 im Garmisch-Partenkirchner Tagblatt eine honorige Angelegenheit.
Angesichts dieser Materialschlacht war das Ergebnis der olympischen Fangemeinde mit 58 Prozent nicht eben überwältigend. Für den Bürgerentscheid “Keine Olympischen Spiele! Gegen den Ausverkauf der Heimat!”, der die Verträge überprüft sehen wollte, gab es 49,51 Prozent. Die Stichfrage lag bei 54 Prozent Pro und 46 Prozent Contra.”
II – Volksentscheid im Schweizer Kanton Graubünden am 3. März 2013 über Graubünden 2022:
Der Schweizer Bundespräsident (und Sportminister) Ueli Maurer besuchte vor der Abstimmung elf Mal den Kanton. Die Befürworter organisierten rund 120 Veranstaltungen, die Gegner zwei. Das Budget der Befürworter lag bei 5,6 Millionen Schweizer Franken (plus die komplette Unterstützung des Bundes, des Kantons und der involvierten Gemeinden); das Budget der Bewerbungsgegner lag bei rund 80.000 Schweizer Franken. Die Befürworter konnten sich teure Plakatierung und Inserate leisten – im Gegensatz zu den Gegnern. Der Ringier Verlag mit der größten Schweizer Zeitung Blick leistete Unterstützungsarbeit. Die Abstimmung ging dann nur knapp mit rund 53 Prozent zugunsten der Gegner von Graubünden 2022 aus.
Und III – möglicher Bürgerentscheid über München 2022:
Was ist erfahrungsgemäß zu erwarten? Bund, Land Bayern und Landeshauptstadt München sowie die beteiligten Gemeinden werden jede Menge Geld und Manpower zugunsten der Bewerbung investieren; die Gegner werden wie gehabt über äußerst geringe finanzielle Mittel verfügen. Dazu werden alle führenden politischen Vertreter für München 2022 auftreten. Die öffentlich-rechtlichen Sender werden fast ausschließlich Pro berichten. Auch die großen Printmedien we die Süddeutsche Zeitung werden wie gewohnt überwiegend Pro berichten. Den Gegnern würde kaum eine Möglichkeit der Öffentlichkeitsarbeit eingeräumt.
Zur Ausgangsfrage zurück: Bürgerentscheide wären demokratisch, wenn die Ausgangsbedingungen für Befürworter und Gegner gleich wären. Das sind sie aber im Fall olympischer Bewerbungen nicht.