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Graubündner Bevölkerung beerdigt Graubünden 2022

Das Ergebnis vom 3.3.2013:
Zur Erinnerung: Das Kantonsparlament hatte sich mit 100:16 Stimmen für die Bewerbung Graubünden 2022 ausgesprochen.
Die Graubündner Bevölkerung lehnte dann am 3.3.2013 mit 52,7 Prozent (41.758 zu 37.540) die Kandidatur 2022 ab. Die geplanten Austragungsorte Davos (2652 Ja, 2067 Nein) und St. Moritz (1062 Ja, 679 Nein) stimmten mit „Ja“ (Graubünden lehnt Olympia-Kandidatur ab, in spiegelonline 3.3.2013). Die Wahlbeteiligung lag bei 59,1 Prozent (Bündner sagen Nein zu Olympia, in nzz.ch 3.3.2013; 52,7 Prozent sagen Nein zu Olympischen Winterspielen in Graubünden, in suedostschweiz.ch 3.3.2013).
Zwar wurde Graubünden 2022 in St. Moritz und Davos (erstaunlicherweise) angenommen; aber z.B. die Kantonshauptstadt Chur sagte mit fast 60  Prozent ab (Burgener, Samuel, Kistner, Thomas, Das Volk sagt “Nein”, in SZ 4.3.2013). Swiss-Olympic-Präsident Jörg Schild äußerte zum Ergebnis, dass “Olympia in den nächsten 20 Jahren kein Thema ist” (Burgener, Samuel, Keine Lust auf Gigantismus, in SZ 5.3.2013).
Soll man das glauben? Andernteils wird sich im Jahr 2032 der Klimawandel noch mehr auswirken. Wenn es sie noch gibt, würden die Olympischen Spiele nichtsdestotrotz noch gigantischer sein – wie der Profit des IOC. Und die Kosten – und das Defizit – würden entsprechend weitersteigen.

Wem die 52,7 Prozent Gegnerstimmen wenig vorkommen, kurz eine Lageschilderung:
Es blieb den Gegnern aufgrund der übermächtigen Situation der Befürworter nur übrig, sich auf die Situation David gegen Goliath einzulassen und auf die völlig ungeklärte finanzielle Situation und die nebulöse endgültige Bewerbung selbst hinzuweisen. Die Gegner hatten ein offengelegtes Budget von rund 76.000 Franken; die Befürworter ein Budget von offiziell 5,6 Millionen Franken, abgesehen von weiteren Geldern der Wirtschaft und verdeckten Staatsleistungen. Die Materialschlacht war zu erwarten gewesen. Die Befürworter organisierten 150 Veranstaltungen im Kanton, die Gegner eine. Der Schweizer Tagesanzeiger sprach von „einer hochprofessionellen Informationsmaschine“.
Der mächtige Ringier-Verlag stand hinter der Bewerbung. Der Schweizer Bundespräsident (und Sportminister) Ueli Maurer besuchte mindestens zehn Mal den Kanton Graubünden und gewährte im Alleingang die vom IOC geforderte unbegrenzte Defizit-Garantie; der Bundesrat unterstützte nachträglich den IOC-Lobbyisten Maurer.
Wer naiv für die Befragung der Bevölkerung in Sachen Olympia-Kandidatur (zum Beispiel München 2022) als „demokratisch“ eintritt, sollte sich die tatsächlichen Machtverhältnisse vor Augen führen.

Kommentare:

Zur Erinnerung an die Bewerbung vom Kanton Graubünden 1988, die von rund 76 Prozent der Bevölkerung abgelehnt wurde: “In aller Schlichtheit: eine Beerdigung ersten Ranges. Das Ergebnis erstaunt nicht in seinem Ausgang, aber in seiner Heftigkeit und seinem Ausmaß. Da mag man verschiedenes als Gründe angeben, aber nehmen wir es doch zum Nennwert: dort, wo das Volk etwas mitzusagen hat, ist Olympia tot; Spektakel, mehr nicht…” (Lebrument, Hanspeter, Olympia ade! in Bündner Zeitung 3.3.1980; Hervorhebung WZ).

René Zeller, Bedenken statt Begeisterung
, in nzz.ch 3.3.2013: „Die Bevölkerung des Bergkantons war an der Urne nicht in Festlaune. Die Botschaft, dass das Projekt Olympia dem Bündnerland neue Perspektiven eröffnen könne, verfing nicht. Die Bedenken haben überwogen. Das direktdemokratische Stoppsignal lässt, so schmerzlich es für eidgenössische Olympioniken sein mag, eindeutige Rückschlüsse zu. Im Kleinstaat Schweiz besteht kaum noch Spielraum für grosse Würfe. Gigantismus ist nicht nur suspekt, wenn es um Managerlöhne geht… Olympia überfordert einzelne Kantone. Der finanzielle und logistische Kraftakt bedingt einen freundeidgenössischen Schulterschluss. Dieser Aspekt wurde vernachlässigt. Daran tragen Sportminister Ueli Maurer und seine Entourage Mitschuld. Als sich in Bundesbern die kritischen Stimmen mehrten, war es zu spät. Wer spricht schon gerne eine Defizitgarantie für ein potenzielles Fass ohne Boden?“

Stefan Häne, Triumph der Vernunft, in tagesanzeiger.ch 3.3.2013: „Das Nein ist nicht nur eine schwere Niederlage für das Organisationskomitee um Gian Gilli, sondern auch für die Bündner Regierung, welche die Spiele zur Schicksalsfrage für den Kanton hochstilisiert hat. Grosser Verlierer ist auch Ueli Maurer, der sich als Bundespräsident und Sportminister in einen kantonalen Abstimmungskampf eingemischt und Olympia als nachhaltiges Entwicklungsprojekt für die Schweiz verkauft hat. Von dieser Propagandawalze hat sich die Mehrheit der Bündner nicht überfahren lassen. Die Vernunft hat über die Verführung obsiegt. Zum Glück – für die ganze Schweiz. Explodierende Kosten, Schuldenberge, Bauruinen, Umweltschäden: Diese Risiken blühen dem Land nun nicht.“

Silva Semadeni, SP-Nationalrätin, Präsidentin Komitee Olympiakritisches Graubünden: „Das Bündnervolk hat Mut und Pragmatismus bewiesen“ (Burgener, Samuel, Keine Lust auf Gigantismus, in SZ 5.3.2013). – „Nun können wir unsere Stärken ohne Diktat von außen weiterentwickeln“ (Bündner sagen Olympi-ade, in suedostschwez.ch 4.3.2013).
Jon Pult, SP-Präsident Graubünden: „Die notwendige Erneuerung der Infrastruktur muss stattfinden“ (Ebenda).

Peter Jankovsky, Olympia bleibt ein Traum, in nzz.ch 4.3.2013: „Bemerkenswert findet Semadeni, dass die letzte Abstimmungsprognose viele kritische Frauenstimmen erwähnte. Wie schon die Alpeninitiative gezeigt habe, seien Frauen ökologischer eingestellt; die Winterspiele hätten zu gigantisch gewirkt, um nachhaltig sein zu können. Zudem hätten viele Frauen wegen der 300 Olympia-Millionen schmerzhafte Sparmassnahmen im Sozialbereich befürchtet. Gemäss Semadeni ist nun die Chance für nachhaltigen Tourismus gekommen. Besagte Millionen könnten für die Förderung eines Ganzjahrestourismus zur Verfügung stehen…  Die Botschaft der Kantonsregierung wiederum besteht aus Bedauern. ‚Es wäre die Chance für Graubünden und die Schweiz gewesen, sich mit Winterspielen eigener Ausprägung international beweisen zu können‘, sagte BDP-Regierungspräsident Hansjörg Trachsel enttäuscht. Das Nein zu Olympia erklärt er damit, dass die ‚Angst-Argumente‘ in den nichttouristischen Gebieten überwogen hätten… Olympia ist nicht nur im Bündnerland vom Tisch: Dass in der Schweiz in absehbarer Zeit ähnliche Projekte entstehen, ist unwahrscheinlich. Olympia bleibt noch lange ein Traum.“

René Hofmann, Olympia, nein danke, in SZ 5.3.2013: „Das Nein im Gebirge ist ein mächtiges sportpolitisches Wetterleuchten. Dessen Licht lässt vieles, was hier schiefläuft, in scharfen Kontrasten hervortreten… Keine andere Nation ist ähnlich eng mit den Mächtigen des Sports verbandelt. Dass nun selbst die Schweizer „ Olympia , nein danke!“ sagen, heißt deshalb etwas. Es signalisiert den Lenkern des Sportgeschäfts, dass sie schnell umsteuern sollten… Es ist vor allem ein ungutes Gefühl: Die Einnahmen wandern zu den Verbänden, die Kosten müssen die Bürger des Ausrichterlandes schultern. Wie viel Abneigung ein solches Szenario – Gewinne werden privatisiert, Verluste verstaatlicht – hervorruft, mussten in der Schuldenkrise die Banken erkennen. Nun deutet sich für die Welt des Sport Ähnliches an… Das Thema Olympia ist zur Gefahr geworden. Ein Renner ist es fast nur noch dort, wo es nicht wirklich demokratisch zugeht.“

——————————————————————————————————-Aus der PM Olympiakritisches Komitee Graubünden: „Mit grosser Freude nimmt das Komitee Olympiakritisches Graubünden den weisen Entscheid der Bündner Stimmbevölkerung zur Kenntnis, sich nicht in ein unkalkulierbares Olympiaabenteuer zu stürzen. Bündnerinnen und Bündner haben klar gezeigt, dass sie auch den zukünftigen Generationen gute Lebensbedingungen garantieren wollen: wirtschaftlich schuldenfrei, die Landschaft als Kapital erhalten und weiterhin Geld für die Unterstützung von nachhaltigem Tourismus, Bildung und Kultur zur Verfügung zu haben.“
Zur Pressemitteilung vom Olympiakritischen Komitee Graubünden: hier.

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Pressemitteilung vom Netzwerk Nolympia, Sonntag, 3.3.2013

Glückwunsch in die Schweiz

Einmal wieder denken die Bürger langfristiger als ihre politischen Vertreter.
Heute, am Sonntag den 3.3.13, haben die Bürger des Kantons Graubünden in der Schweiz entschieden: Olympische Spiele 2022 nicht mit uns! Wir können ihnen zu dieser Entscheidung nur von ganzem Herzen gratulieren. Denn erneut wurde mit dieser Entscheidung vorgeführt, was inzwischen schon keinen mehr überrascht : Die zwangsbeglückten Einwohner der auserkorenen Olympiastätten denken sowohl ökologisch als auch finanziell nachhaltiger als ihre politischen Vertreter. Nach dem NEIN in der Schweiz wird klar: Mit den geltenden Reglementen und Vertragsbedingungen des IOC (International Olympic Committee) ist es nicht mehr zu verantworten, Olympische Winterspiele in den Alpen durchzuführen.
Ludwig Hartmann, grüner MdL aus Bayern und einer der Sprecher des Bündnisses NOlympia zeigt sich angesichts des Abstimmungsergebnisses erfreut: „Ich beglückwünsche die Graubündner zu ihrer weitsichtigen Entscheidung. Eine gut zweiwöchige Party für Sportfunktionäre und Spitzensportler rechtfertigt weder die vom IOC aufgezwungenen finanziellen Lasten, noch die massiven Eingriffe in die sensible Alpenlandschaft. Gestern wurde diesem Umweltvandalismus in den Schweizer Alpen eine klare Absage erteilt. Die Bürgerinnen und Bürger haben durchschaut, welche Lasten Olympische Winterspiele bringen. Bleibt zu hoffen, dass München nach dem Ausscheiden der Schweiz als möglichem Austragungsort jetzt nicht in einen neuen Bewerbungswahn für die Winterspiele 2022 verfällt.
Insbesondere in Zeiten des Klimawandels sind Olympische Winterspiele in ihrer heutigen Dimension, die alle vier Jahre in einem neuen Gebirgsort riesige Eingriffe erfordern, ein Anachronismus. Bevor das IOC nicht grundlegende Reformen seiner Vertragsgestaltung und Ausrichtungsmodalitäten vornimmt, sollte jedes Land eine Bewerbung nicht nur genauestens überdenken – sondern gleich bleiben lassen.“
Die Frage nach „kleinen Spielen“ mit möglichst geringen finanziellen und ökologischen Folgen für die Region interessiert das IOC überhaupt nicht. Der Aspekt der Nachhaltigkeit einer Bewerbung hatte noch nie einen Einfluss auf dessen Entscheidung. Nicht ein einziges Mal konnte eine Bewerbung damit punkten, dass sie Kosten- und Umweltrisiken gering hält. Im Gegenteil: Der Gigantismus kennt keine Grenzen, die Kosten steigen, die Ausbauten geraten ins Uferlose. Das zeigt sich aktuell an den Austragungsorten in Sotschi 2014 (gegen Salzburg) und Pyeongchang 2018 (gegen München).  Ein weiterer Grund, vor einer erneuten Bewerbung Münchens zu warnen.
Axel Doering, Initiator des Bürgerbegehrens gegen eine Olympia-Bewerbung 2011 in Garmisch findet eindringliche Worte: „Langsam sollte auch das IOC begreifen, dass eine Beibehaltung seiner bisherigen, intranparenten Strukturen nicht mehr mit dem Willen der Bevölkerung vereinbar ist. Wenn sogar eine Bewerbung in der Schweiz – dem Land, in dem das IOC seinen Sitz hat – daran scheitert, dass die betroffene Bevölkerung vor Ort sich nicht auf die Knebelveträge mit dem IOC einlassen will, sollte auch diese Organisation ins Grübels kommen.“

www.nolympia.de
http://nolympia2018.ludwighartmann.de/

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Pressemitteilung von Nolympia Garmisch-Partenkirchen, 3.3.2013
Axel Doering, Partnachstraße 28, 82467 Garmisch-Partenkirchen, Telefon 08821 – 3117

Graubünden sagt NEIN zur Bewerbung für Olympische Winterspiele 2022
Keine Spiele in München und Garmisch-Partenkirchen!

Mit Genugtuung nehmen die zahlreichen Olympiagegner in Garmisch- Partenkirchen die Ablehnung der Graubündner Olympiabewerbung durch die Bürger zur Kenntnis und gratulieren den Olympiagegnern. Graubünden hat NEIN gesagt, und der Argumentation der Schweizer Olympiagegner schließen wir uns an: Mit den geltenden Reglementen und Vertragsbedingungen des IOC (International Olympic Committee) ist es nicht mehr verantwortbar, Olympische Winterspiele in den Alpen durchzuführen. Die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sind so nicht mehr tragbar. Dem wirtschaftlichen Nutzen für wenige stehen hohe Schulden und gravierende Umweltbelastungen für die Allgemeinheit gegenüber.

Ludwig Hartmann, einer der Sprecher des Netzwerkes NOlympia – der Zusammenschluss der Olympiagegner in Bayern – sagt dazu:  „Die Bürgerinnen und Bürger haben durchschaut, welche Lasten Olympische Winterspiele bringen. Bleibt zu hoffen, dass München nach dem Ausscheiden der Schweiz jetzt nicht in einen neuen Bewerbungswahn für die Winterspiele 2022 verfällt.“

Bereits die Bewerbung „München 2018“ wurde von den Bewerbern nur schön geredet. Sie hatte besonders in dem „Freilandteil“ in Garmisch-Partenkirchen eine Fülle von Schwachstellen und ungelösten Problemen. So gab es bis zuletzt keine Einigung mit den Grundbesitzern, deren Grundstücke benötigt wurden. Der Platz für das Mediencenter und das Olympische Dorf war eine ungeeignete Notlösung und für Langlauf und Biathlon mit Loipen und Stadien konnte man kaum einen ungeeigneteren Platz als Schwaiganger im Alpenvorland finden. Aber auch die Skipisten müssten massiv umgebaut und noch weiter mit Schneekanonen aufgerüstet werden. Bereits bei der Ski-Weltmeisterschaft 2011 konnten die letzten Wettbewerbe wegen der warmen Witterung nur mit Mühe durchgeführt werden.

Im Jahr 2022 – in 10 Jahren – ist der Klimawandel noch deutlich weiter fortgeschritten, und die vom IOC geforderte Schneesicherheit ist mit heutigen Mitteln und Anlagen nicht mehr sicherzustellen.

Olympische Winterspiele bedeuten in jedem Fall: Neue und massive Eingriffe in Natur und Umwelt. Die Knebelverträge des IOC machen die Spiele immer mehr zum finanziellen Risiko. Die Zunahme der Wettbewerbe und die überzogenen Forderungen der Funktionäre verteuern die Spiele gegenüber den Planungen und Versprechungen immer mehr, wie Sotschi und Pyeongchang eindrucksvoll belegen. Olympische Winterspiele sind für die Alpen zu groß und damit undurchführbar. Sie hinterlassen zerstörte Orte, massive Verschuldung, zu große Anlagen und Bauten, die nicht nachhaltig genutzt werden können und erhöhte Lebenshaltungskosten für die ansässige Bevölkerung. Gerade junge Menschen haben wegen der steigenden Grundstücks- und Mietpreise bereits heute Probleme, in Garmisch-Partenkirchen zu leben. Sobald ein Zuschlag für „München 20022“ erteilt wäre, reagieren nur noch Geschäftemacher, Funktionäre und das IOC. Die ansässige Bevölkerung hat dann kein Mitspracherecht mehr.

Sollten sich die Bewerber von „München 2018“ erneut ins Abenteuer „München 2022“ stürzen wollen, wird Nolympia in Garmisch-Partenkirchen mit seinen Verbündeten in München wiederum alles tun, um unseren Ort vor dieser überzogenen Veranstaltung zu bewahren.

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