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Der nachhaltig-nacholympische Olympiapark

Motorsport-Events im Olympiastadion

26.7.2011, aktualisiert 3.10.2011

München als offizieller Klimaschützer
Am 17.7.2011 gab die Landeshauptstadt München die Pressemitteilung heraus: „München ist seit 15 Jahren Mitglied im Klimabündnis e.V.“ Dieses tritt für den Erhalt der Erdatmosphäre ein, „die in diesem weltumspannenden Bündnis die gemeinsame Sorge um die Entwicklung des Weltklimas verbindet… Das Klimabündnis entfaltet zahlreiche Aktivitäten, … in denen der lokale Klimaschutz thematisiert und gefördert wird“ (PM 17.7.2011).
Einer der sieben Mitglieder des internationalen Vorstandes ist der Münchner Referent für Gesundheit und Umwelt, Joachim Lorenz. Anscheinend verfolgt er die Aktivitäten der Münchner Olympiapark GMBH nicht. In deren Aufsichtsrat sitzen zehn Stadträte, die Stadtbaurätin und der Stadtkämmerer; Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Oberbürgermeister Christian Ude. Anscheinend interessiert sich von der Stadtspitze niemand für die Vorbildfunktion, die der Olympiapark als Aushängeschild der Stadt München ausübt.

Die Realität
Was tun mit einem Münchner Olympiapark von 1972, in dem nichts mehr stattfindet? Man wird nicht nur Sponsor der Bewerbung München 2018, sondern erfindet Events wie den Parallelslalom und das Red Bull Crashed Ice-Rennen im Januar 2011.
Oder man organisiert Motorsport-Rennen. Ende Dezember 2010 gab es den „Supercross“ in der Olympiahalle: 150 Lkw-Ladungen mit spezieller Ton-Erde wurden für einen 380 Meter langen Parcours in die Halle gefahren (Schneider 20.12.2010). Oder man führt die Deutsche Tourenwagen Masters (DTM) am 16. und 17. Juli 2011 durch.

DTM-Rennen im Olympiastadion
Im April 2011 wurden für dieses Motorsport-Event 18.000 Quadratmeter Fläche des Olympiastadions „temporär“  umgebaut: Der Rasen wurde entfernt, die Tartanbahn abgedeckt, 8000 Kubikmeter Kies 60 Zentimeter hoch verteilt und der gesamte Innenraum asphaltiert: für zwei Tage DTM-Autorennen mit 470 PS starken Boliden von Audi und Mercedes (ab 2012 noch mit BMW) und auf einem Kurs von 1192 Metern. Das Problem: „die Reifen schnellstmöglich auf Temperatur zu kriegen“, ängstigte sich ein Rennfahrer (Tögel 18.5.2011). Vergleiche auch PM von Bund Naturschutz München.Der Rennserien-Vermarkter Internationale Tourenwagen-rennen (ITR) betonte: „Es geht nicht nur um den Motorsport, sondern um das ganze Show-Event“ (SZ 14.7.2011). Also begleitete die Band Mando Diao den Motorenlärm, Stunt-Shows mit Formel-1-Rennwagen beglückten die PS-Freunde, dazu Gridgirls (auf deutsch: Boxenluder) in Gelb.
Drei Rennwagen krachten in die Betonwände. Der Rennfahrer Christian Vietoris äußerte auf der Pressekonferenz die geniale Idee: „Vielleicht sollte man nachts fahren, das wäre noch spektakulärer. Die Zuschauer würden sehen, wie die Flammen aus den Auspuffrohren schießen“ (Tögel 18.7.2011).
Rennfahrer haben offenbar noch nie etwas von Klimaerwärmung und zu Ende gehenden fossilen Brennstoffen gehört: Vermutlich ist es auf den Rennstrecken zu laut.

Drei Jahre temporärer Asphalt im Olympiastadion
Natürlich wurde alles von den städtischen Behörden genehmigt. An alle Zuschauer wurden Ohrstöpsel verteilt, an die Anwohner nicht. Einer äußerte: „Wenn es ums Geld geht, fallen bei der Stadt alle
ethischen und moralischen Bedenken“ (Schwaiger 16.7.2011). Die Anwohner beklagten sich über Lärm, Schadstoffausstoß – und die geplanten Wiederholungen 2012 und 2013.
Denn die Olympiapark GmbH schloss einen Dreijahresvertrag ab. Im August 2011 wird alles wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Und im Frühjahr 2012 wird wieder asphaltiert. Und im August 2012 wieder rückgebaut. Und im Frühjahr 2013 wieder asphaltiert. Und im August 2013 wieder rückgebaut. Wegen jeweils zwei Tagen und 50.000 PS-versessenen Zuschauern.

Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich wusste: „Alle, die hier waren, haben einen schönen Tag genossen – mit Motorsport“ (Tögel 18.7.2011). Der Geschäftsführer der Olympiapark GmbH, Ralph Huber, war stolz: „Das ist sicher ausbaufähig, aber wir sind gut gestartet… 99,9 Prozent der Leute waren begeistert.“ Als ihn die SZ später im Interview fragte: „Die DTM oder ein Ski-Weltcup in der Stadt waren vor Jahren unvorstellbar. Was ist noch zu erwarten?“ antwortete Huber, die Olympiapark GmbH sei „für Anfragen grundsätzlich offen“. Und zur DTM äußerte er: „Auf dem (Mittleren) Ring fahren täglich 70.000 bis 80.000 Autos, in der DTM fahren zwei Fahrzeuge gegeneinander“ (SZ 20.7.2011).
Das ist natürlich reichlich unlogisch: So wird der Mittlere Ring nicht jedes Jahr neu asphaltiert und wieder abgerissen!
Huber betonte auch die hinter den Events stehende Absicht: „Natürlich wollen wir versuchen, mit so hoch kommerziellen Veranstaltungen Geld zu verdienen…“ Zu der Ankündigung der Bewohner des Olympiadorfes, bei weiteren solchen Veranstaltungen Widerstand zu praktizieren, äußerte Huber bezeichnenderweise: „Es wird immer Leute geben, die dagegen sind. Da gibt es in der jüngsten Vergangenheit genügend Beweise, etwa die zweite S-Bahn-Stammstrecke oder die Olympia-Bewerbung“ (Ebenda).
Zu diesen Dagegen-Leuten gehören inzwischen auch Lokalpolitiker aus Schwabing-West, die gegen eine Wiederholung des DTM-Rennens sind (SZ 1.8.2011).
Die Kritik blieb bei Huber ohne jegliche Resonanz. Auf die Frage von BILD-Reportern, welche künftigen Events im Park stattfinden werden, äußerte er: „Veranstaltungen mit internationaler Strahlkraft. Wie die DTM, die auf jeden Fall noch zwei Jahre zu uns kommt“ (bild.de 2.8.2011).

Die Landeshauptstadt München gibt Auskunft
– Die DTM wird auch 2012 und 2013 laufen.
– Der Lärm hielt sich „innerhalb der behördlich genehmigten Grenzen“.
– Der Immissionsrichtwert wurde „an den nächstgelegenen Wohnbebauungen nicht überschritten“.
– Es handelte sich „um ein seltenes Ereignis im Sinne von Ziffer 7.2  in Verbindung mit Ziffer 6.3 der TA-Lärm“.
– Es gibt keine vorzeitigen Kündigungsmöglichkeiten.
Der Referent für Arbeit und Wirtschaft, Dieter Reiter, OB-Kandidat bei der Wahl 2014, hat geantwortet. Wahrscheinlich haben sich die Anwohner alles nur eingebildet

Die Olympiahalle wurde gerade für einen zweistelligen Millionenbetrag saniert. Die Sanierung des Olympiastadions soll über 40 Millionen Euro kosten. Die Eissporthalle ist nicht mehr wirtschaftlich und soll erneuert werden. Das SB-Restaurant unterhalb des Olympiaturms wird für 500.000 Euro umgebaut. Die neue kleine Olympiahalle soll vor allem für Firmen-Events eingesetzt werden (Ebenda).
Die städtische Olympiapark GmbH hat „noch nie schwarze Zahlen geschrieben“ (Lode 27.8.2011). Und so teilt das Olympiastadion das Schicksal vieler olympischer Bauten: Es wurde ein kostspieliger White Elephant, wenn auch ein alter. Umweltfreundliche Sportveranstaltungen finden hier so gut wie nicht mehr statt. Das olympische Erbe wird immer teurer.

Quellen:
Asphalt-Arena, in SZ 16.7.2011
Autorennen weiterhin im Olympiastadion, in SZ 29.9.2011
Begeisterte Fans, in SZ 17.7.2011
Kies für den Straßenbau, in SZ 19.7.2011
Landeshauptstadt München
– Referat für Arbeit und Wirtschaft, Dieter Reiter, Schreiben „Die Deutsche Tourenwagenmeisterschaft weiterhin im Olympiastadion“, 26.9.2011
– Referat für Gesundheit und Umwelt, PM 17.7.2011: München ist seit  15 Jahren Mitglied im Klimabündnis e.V.
Lode, Silke, Konzerte im Untergrund, in SZ 27.8.2011
Perkuhn, Anja
– Auf Touren kommen im Stadion, in SZ 14-7.2011
– Volle Dröhnung, in SZ 18.7.2011
Scharfe Kritik an DTM-Festival, in SZ 1.8.2011
Schneider, Philipp, Auf dem Anti-Weihnachtsmarkt, in SZ 20.12.2010
Schwaiger, Romy, Röhren im Park, in SZ 16.7.2011
Steinbach, D., Arbinger, S., Was wird aus dem Olympia.Park OHNE Olympia? Interview mit Ralph Huber, in bild.de 2.8.2011
Tögel, Ralf
– Rasen, wo einst Rasen war, in SZ 18.5.2011
– Demonstration der Show, in SZ 18.7.2011
Tögel, Ralf, Wittl, Wolfgang, „Der Olympiapark muss lebendig bleiben“, Interview mit Ralph Huber in SZ 20.7.2011
Viehmann, Sebastian, Kampfansage in Karbon, in SZ 19.7.2011